Bis 2025 Deutsche Bank will weitgehend aus Kohlegeschäft aussteigen

Wer mehr als die Hälfte seines Geldes mit Kohleabbau verdient, soll künftig kein Kunde mehr sein: Die Deutsche Bank erhöht den Druck auf Firmen mit klimaschädlichem Geschäftsmodell - und bleibt doch hinter der Konkurrenz zurück.
Deutsche Bank in Frankfurt am Main (Archivbild): Sämtliche Geschäftspartner aus der Öl- und Gasbranche auf CO2-Einsparpläne untersuchen

Deutsche Bank in Frankfurt am Main (Archivbild): Sämtliche Geschäftspartner aus der Öl- und Gasbranche auf CO2-Einsparpläne untersuchen

Foto: Arne Dedert/ DPA

Die Deutsche Bank verspricht, die Finanzierung der Kohle-, Öl- und Gasindustrie zu verringern. An diesem Montag hat das Institut erweiterte Richtlinien für Geschäfte mit der fossilen Energiebranche veröffentlicht. Demnach will die Bank nach eigenen Angaben bis 2025 alle Engagements im Kohleabbau beenden - und von ihr finanzierte Unternehmen, die im großen Stil Kohle verfeuern, auf deren Transformationspläne hin zu einer klimafreundlicheren Stromerzeugung überprüfen. Im Öl- und Gassektor will die Bank die Finanzierung bestimmter Projekte komplett ausschließen.

"Die Richtlinie ist so gestaltet, dass sie ehrgeizige Ziele setzt und wir gleichzeitig unsere langjährigen Kunden begleiten können", sagte Vorstandschef Christian Sewing. Mit ihr werde man "das Ziel der EU unterstützen, bis 2050 CO2-neutral zu wirtschaften."

Umweltschützer kritisierten hingegen, die neuen Richtlinien seien nicht weitreichend genug. Auch unter den verschärften Vorgaben könnten Konzerne mit klimaschädlichen Geschäftsmodellen wie RWE oder ExxonMobil Kunden der Deutschen Bank sein. Zudem hätten andere große Finanzhäuser oder Investoren weitaus striktere Beschränkungen beschlossen.

Wer finanziert die globale Energiewende?

Seit einiger Zeit üben manche Finanzkonzerne Druck auf Unternehmen aus, ihre Geschäftsmodelle klimafreundlicher zu gestalten. Dies geschieht nicht so sehr aus Altruismus - sondern vor allem aus Sorge um die eigenen Profite. Einerseits befürchten die Geldhäuser eine weitere Destabilisierung der Weltwirtschaft und ihrer eigenen Geschäfte durch den Klimawandel. Andererseits erhoffen sie sich Profite durch die Finanzierung einer globalen Energiewende.

Die Deutsche Bank will nun gar keine neuen Kunden mehr annehmen, bei denen der Kohleabbau mehr als die Hälfte ihres Umsatzes ausmacht. Die bestehenden Geschäftsbeziehungen mit solchen Unternehmen will sie bis 2025 beenden. Stromerzeuger, die mehr als 50 Prozent Kohleanteil bei der Elektrizitätserzeugung oder der Kraftwerkskapazität haben, will die Bank dagegen nicht automatisch ausschließen, sondern überprüfen, wie diese Unternehmen die Energiewende umsetzen wollen.

Hiervon könnte beispielsweise Europas größter Kohleverstromer RWE profitieren - sofern es dem Konzern gelingt, die Deutsche Bank von seinen Zukunftsplänen zu überzeugen. Das Unternehmen Uniper, das sich von E.on abgespalten hat, muss gar nicht erst fürchten, dass ihm die Deutsche Bank die Zusammenarbeit aufkündigt. Sein Kohleanteil liegt unter 50 Prozent.

Durchs Netz fallen könnten auch einige weltweit führende Kohleförderer wie BHP Billiton, Anglo American oder Glencore - weil sie auch andere Rohstoffe produzieren und der Kohleanteil daher unter 50 Prozent liegt. Ebenso könnte die Deutsche Bank Firmen weiter finanzieren, die neue Kohlekraftwerke, -Tagebauten oder Kohlehäfen bauen.

Andere Großbanken sind strenger

Damit bleiben die Frankfurter hinter anderen Großbanken zurück. Die französische BNP Paribas etwa schließt Kohlebergbaufirmen schon bei mehr als 20 Prozent Kohleanteil am Umsatz oder einer Jahresproduktion von zehn Millionen Tonnen Kohle aus. Die Royal Bank of Scotland verlangt von Firmen mit mehr 15 Prozent Kohleanteil einen Ausstiegsplan. Norwegens Ölfonds, der größte Staatsfonds der Welt, hat angekündigt, Konzerne wie Glencore oder RWE wegen ihrer klimaschädlichen Geschäfte komplett aus dem Portfolio zu streichen und deren Anteile abzustoßen.

"Dass die Deutsche Bank fossile Geschäfte begrenzen will, ist ein Schritt nach vorne, den wir begrüßen", sagte Regine Richter von der Umweltorganisation Urgewald. "Aus Klimasicht ist er jedoch bei Weitem nicht groß genug. Im Jahr 2020 ist deutlich mehr Ehrgeiz nötig." Urgewald ist seit Jahren ein Vorkämpfer für Divestment - also dafür, dass Großinvestoren Geld aus dem fossilen Energiesektor abziehen und in klimafreundliche Projekte und Unternehmen umschichten. 

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte hingegen: "Dies ist ein erster wichtiger Schritt." In der Öl- und Gasindustrie will das Institut künftig keine Ölsand-Projekte und keine Bohrungen in der Arktis mehr finanzieren. Ebenso schließt es Fracking-Vorhaben in Ländern aus, in denen Wassermangel herrscht. Dazu will die Deutsche Bank bis Ende 2020 sämtliche Geschäftspartner aus der Öl- und Gasbranche darauf untersuchen, welche CO2-Einsparpläne sie haben. Und darauf basierend sich selbst in einem zweiten Schritt eine "Obergrenze für das Gesamtengagement" in diesem Sektor setzen.

"Wenn die Reduktionsziele gut werden, sind die neuen Öl- und Gasrichtlinien ein echter Anfang", sagte Urgewald-Expertin Richter. Allerdings vermeidet die Deutsche Bank bisher jede Festlegung, wo die Obergrenze liegen wird.

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