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23. April 2015, 14:08 Uhr

Affäre um Zinsmanipulationen

Deutsche Bank zahlt Rekordstrafe im Libor-Skandal

Die Vergangenheit holt die Deutsche Bank ein: Im Skandal um Zinsmanipulationen muss das größte Geldhaus des Landes 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es ist die höchste Strafe, die die Behörden in dem Fall bisher verhängt haben.

Deutschlands größte Bank muss in der sogenannten Libor-Affäre eine Strafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen, wie die zuständigen Behörden in den USA und Großbritannien am Donnerstag mitteilten. Mit verhandelt hatten das US-Justizministerium, die US-Derivate-Aufsicht CFTC, die New Yorker Finanzaufsicht DFS sowie die britische Aufsichtsbehörde FCA.

Die Deutsche Bank verpflichtete sich demnach, Mitarbeiter zu entlassen, die in den Skandal verwickelt sind und sich einer strengeren Überwachung in den USA zu unterziehen, wie die US-Behörde DFS mitteilte. Laut der britischen FCA fiel die Strafe so hoch aus, weil die Bank versucht habe, die Behörde bei der Aufarbeitung des Falles zu täuschen.

In dem Skandal geht es um mögliche Manipulationen von wichtigen Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor. Von der Höhe dieser Sätze hängen weltweit Geschäfte von mehreren hundert Billionen Dollar ab. Auch in Deutschland werden Kreditzinsen teilweise auf Basis dieser Referenzsätze berechnet. Nach Erkenntnissen der Ermittler sollen sich Händler verschiedener Banken abgesprochen haben, um die Sätze zu ihren Gunsten zu manipulieren.

Die Aufsichtsbehörden ermitteln seit Jahren gegen mehrere Großbanken, deren Händler an den Manipulationen beteiligt gewesen sein sollen - und haben bereits mehrere Strafen verhängt. Spitzenreiter war bisher die Schweizer UBS, die im Jahr 2012 rund 1,5 Milliarden Dollar zahlen musste.

Auch die EU-Kommission hatte Ende 2013 bereits Strafen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken verhängt. Mit 725 Millionen Euro entfiel auch dabei die mit Abstand höchste Summe auf die Deutsche Bank.

Die deutsche Bankenaufsicht BaFin hat eine Sonderprüfung bei der Deutschen Bank eingesetzt. Der Abschlussbericht wird frühestens Ende Mai erwartet. Bereits 2013 hatte die Behörde in ihrem Zwischenbericht schwere organisatorische Mängel in der Bank ausgemacht.

Die Bank selbst hat inzwischen einen Kulturwandel ausgerufen und arbeitet nach eigenen Angaben die Verfehlungen einzelner Beschäftigter auf. Rund ein Dutzend Mitarbeiter mussten das Haus seitdem verlassen.

In der Führungsetage der Bank wurden jedoch bisher noch keine Konsequenzen gezogen. Das könnte sich bald ändern. Laut einem Bericht des manager magazins könnte sich die Bank auf Drängen der britischen und amerikanischen Aufsichtsbehörden vom Südafrikaner Alan Cloete trennen. Cloete sitzt im erweiterten Vorstand des Konzerns und ist verantwortlich für das Asien-Geschäft. Er gilt als Vertrauter von Co-Chef Anshu Jain.

stk/ssu

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