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20. September 2017, 17:04 Uhr

Vorwurf des Insiderhandels

Kengeter könnte mit 500.000 Euro davonkommen

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter soll laut Staatsanwaltschaft eine halbe Million Euro zahlen, damit das Verfahren wegen Insiderhandels gegen ihn eingestellt wird. Gemessen an seinem Gehalt wären das Peanuts.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt fordert von Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter 500.000 Euro für die Einstellung des Insiderverfahrens gegen ihn. Das bestätigte der Vizepräsident des Amtsgerichts Frankfurt, Frank Richter, der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Gemessen an Kengeters Einkünften wäre ein solcher Deal wohl leicht verschmerzbar. Allein 2016 kam der Manager auf eine Gesamtvergütung von rund 7,3 Millionen Euro.

Das Gericht muss in der Affäre um Insiderhandel und Marktmanipulation einem Deal der Börse mit der Staatsanwaltschaft zustimmen. Richter rechnet "in den nächsten Wochen" mit einer Entscheidung. Die Börse wollte sich nicht äußern.

Das Bußgeld verlangen die Ermittler dafür, dass sich der Vorstandschef im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro mit Börse-Aktien eingedeckt und Gratisanteilsscheine in ähnlichem Umfang erhalten hatte, während er parallel heimlich mit der Londoner Börse LSE über einen Zusammenschluss gesprochen haben soll. Die Öffentlichkeit informierte die Börse im Februar 2016 darüber, mit der LSE Fusionsgespräche zu führen, und damit womöglich zu spät.

Stimmt das Gericht dem Deal nicht zu, müsse die Behörde eine andere Möglichkeit finden, das Verfahren zu beenden, sagte Richter. Auch eine Anklage gegen Kengeter deshalb sei immer noch denkbar. Richter bestätigte den Eingang der Akte, zu der ebenso zwei Bußgeldverfahren gegen das Unternehmen Deutsche Börse gehören. Diese beiden Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten will die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen eine Zahlung von insgesamt 10,5 Millionen Euro einstellen.

Das Gericht will nach Richters Worten vor seiner Entscheidung zunächst eine Stellungnahme der Finanzaufsicht BaFin einholen. Die Behörde wollte sich dazu nicht äußern.

ssu/Reuters

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