Deutsche Börse Londoner Börse hat Fusion angeblich wegen Ermittlungen aufgegeben

Hat die Londoner Börse LSE die 25-Milliarden-Euro-Fusion mit der Deutschen Börse wegen staatsanwaltlicher Ermittlungen torpediert? Ein Bericht legt dies nahe.

Logo der LSE
REUTERS

Logo der LSE


Die London Stock Exchange (LSE Chart zeigen) hat Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter im Rahmen der geplanten Fusion attackiert. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat nach dem Bekanntwerden des Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft gegen Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel LSE-Aufsichtsratschef Donald Brydon seine Vorbehalte in einer E-Mail an sein Pendant Joachim Faber von der Deutschen Börse Chart zeigen geäußert.

Seine Berater hätten ihm gesagt, dass Kengeter wegen des Ermittlungsverfahrens kein geeigneter Kandidat mehr sei, um die fusionierte Börse wie geplant als Vorstandschef zu führen, schrieb Brydon. Faber antwortete demnach, dass für ihn die Unschuldsvermutung gelte und dass er deshalb an Kengeter festhalte. Die LSE, die Deutsche Börse und Kengeter wollten sich dazu nicht äußern.

Oder gab der Brexit den Ausschlag?

Laut dem Medienbericht habe der Disput über Kengeter bei der Entscheidung der LSE eine Rolle gespielt, die Forderung der EU-Kommission zur Freigabe der 25-Milliarden-Euro-Fusion nicht zu erfüllen und den Zusammenschluss damit sehr wahrscheinlich zu verhindern. Laut anderen Experten dagegen habe die LSE-Spitze keine Debatte führen wollen, ob der Holdingsitz der fusionierten Börse wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der Europäischen Union von London nach Frankfurt verlagert werden muss.

Die geplante Fusion der beiden Börsen steht vor dem endgültigen Scheitern. Die LSE hatte am Vormittag mitgeteilt, eine von der EU gestellte Vorbedingung nicht erfüllen zu wollen. Der von Brüssel geforderte Verkauf der elektronischen Handelsplattform MTS sei "außer Proportion". Die Aktien der Deutschen Börse schlossen mit einem Minus von 3,79 Prozent bei 80,76 Euro und lagen damit am Ende des Leitindex Dax. Die Papiere der Londoner Börse büßten knapp ein Prozent ein.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte Kengeters Büro bei der Deutschen Börse sowie seine Wohnung im Frankfurter Westend am 1. Februar durchsucht. Der Vorstandschef hatte im Dezember 2015, gut zwei Monate vor Bekanntwerden der Fusionsgespräche, in großem Stil Aktien von Deutschlands größtem Börsenbetreiber gekauft. Kengeter wehrt sich gegen den Vorwurf des Insiderhandels. (mehr zum Thema: Neue Hinweise belasten Börsen-Chef).

man/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spmc-12355639674612 27.02.2017
1. Tja, Pech ...
aber mir ist das so ganz recht, zumal ich will, dass die Deutsche Börse in Frankfurt bleibt - besonders nach dem Brexit. Aber wenn jemand aus dem Vorstand der Börse, mit dem ich meine Börse fusionieren wollte, im Verdacht steht, Insiderhandel betrieben zu haben (und wenn schon die Staatsanwaltschaft anrückt, um Büros und Privaträume zu durchsuchen, ist es wohl mehr als nur ein vages Gerücht), hätte ich mich wohl genauso vorsichtig verhalten wie die Briten.
_Mitspieler 27.02.2017
2. Prima!
Dann möge die CEO-Position an die LSE und der Holdingsitz an Eschborn gehen.
ambulans 27.02.2017
3. ach nee -
jetzt will die LSE die entscheidende "instanz" gewesen sein, weshalb es nicht zur fusion mit der Dt. Börse kommen wird? lächerlich - die City erfüllt keinerlei vorausetzungen bzgl. kampf gegen steuerflucht, hat extreme probleme mit den Basel-regularien (kontrolle!, und dann noch von anderen!!), schwindende bedeutung des UK (WTF is this UK?) wirtschaftlich und finanziell in der welt (trump wirds definitiv nicht richten), usw. a very splendid isolation, indeed ...
ae1 27.02.2017
4. Und wieder ...
... ist ein Versuch gescheitert. Angesichts des Brexit wohl absurd. Sie haben es schon vor einigen Jahren einen Zusammenschluss probiert. Damals hätte die Londoner Börse die Chefrolle bekommen sollen. Immer wieder von neuem probiert es jemand, sich die Taschen voll zu machen. Wir werden in sieben bis zehn Jahren den nächsten Versuch sehen.
Miere 28.02.2017
5. Die Aktionäre hatten ja auch schon dagegen gestimmt, aber das interessiert ja keinen.
Wenn das Stimmvieh mal nicht mitmacht, ändert man einfach die geforderte Zustimmungsquote.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.