Angebot an Aktionäre Deutsche Börse will Annahmequote für Fusion mit London senken

Noch bis Dienstag haben die Aktionäre Zeit, der Fusion mit der London Stock Exchange zuzustimmen. Nun plant die Deutsche Börse, die Hürde für die Zustimmung zu senken - und will so den Zusammenschluss retten.

Deutsche-Börse-Zentrale in Eschborn
DPA

Deutsche-Börse-Zentrale in Eschborn


Die Deutsche Börse will bei der ins Wanken geratenen geplanten Fusion mit der Londoner Börse die Zustimmung der eigenen Anteilseigner sichern. Es werde geprüft, ob die Mindestzustimmungsquote durch die Aktionäre abgesenkt werde, teilte das Unternehmen am späten Sonntagabend mit. Noch an diesem Montag will das Unternehmen eine Entscheidung treffen. Derzeit liegt die Mindestannahmeschwelle bei 75 Prozent.

Der geplante Zusammenschluss ist durch den beschlossenen Austritt Großbritanniens aus der EU beim Brexit-Referendum erheblich in Gefahr geraten. Durch den Brexit wird etwa der bisher geplante Umzug des Firmensitzes nach London kaum umzusetzen sein. Auch die Verteilung der Geschäftsfelder muss nun erneut überprüft werden. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ist aber nach SPIEGEL-Informationen bereit, die Struktur des neuen Unternehmens der politischen Lage anzupassen.

Die Deutsche Börse Chart zeigen begründete die mögliche Herabsetzung der Annahmeschwelle aber nicht mit den Folgen des Brexit-Referendums, sondern mit einem technischen Umstand: Sogenannte Indexfonds könnten demnach ihre Papiere erst umtauschen, wenn die neuen Aktien des fusionierten Unternehmens in den jeweiligen Index aufgenommen wurden. Dies hängt wiederum vom Erreichen bestimmter Schwellen an. Diese seien jedoch zwei Tage vor Ablauf der Umtauschfrist noch nicht erreicht, sodass die Indexfonds, die nach Angaben der Deutschen Börse gegenwärtig bis zu 15 Prozent der Anteile halten, derzeit ihre Aktien nicht umtauschen dürfen.

Um dennoch von genügend eigenen Aktionären grünes Licht für die Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) Chart zeigen zu erhalten, könnte jetzt die Schwelle gesenkt werden. Mit diesem Schritt soll den Indexfonds der Tausch ermöglicht werden und damit zumindest die Zustimmung der eigenen Aktionäre gesichert werden.

Die Anteilseigner der LSE haben der Fusion bereits zugestimmt - und das zu weit mehr als 75 Prozent. Am vergangenen Montag erhielt der geplante Zusammenschluss auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der LSE 99,9 Prozent Zustimmung.

fdi/dpa



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
merlin 2 11.07.2016
1. Spannend?!
Daß der Chef der Deutschen Börse gerne möchte ist klar, wohnt er doch in London. Daß viele Anteilseigner mit London fremdeln, wenn jetzt der Brexit kommt, ist auch klar. Da muß man dann nur eins und eins zusammenziehen und erhält die tatsächlich auffällig geringe Zustimmungsrate (aktuell). Ob die Indexfonds mitziehen, wenn es um ein "Auslaufmodell" (LSE) geht, ist dabei ebenso anzuzweifeln, wie der angebliche Grund für eine Absenkung der Zustimmungsquote.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.