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01. November 2013, 12:05 Uhr

DIHK-Umfrage

Deutsche Energiewirtschaft verschleppt Investitionen

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist gut. Doch gerade Energieunternehmen zögern laut DIHK mit neuen Investitionen, drei Viertel der Firmen wollen ihre Budgets im kommenden Jahr stabil halten oder senken. Der Grund: Unsicherheit über die politischen Rahmenbedingungen.

Berlin - Die Energieunternehmen zögern im Gegensatz zu den meisten anderen Branchen mit neuen Investitionen in Deutschland. 72 Prozent der Firmen wollen ihre Budgets im kommenden Jahr entweder nur stabil halten oder sogar senken, wie aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervorgeht, über die die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. "So schlecht war die Investitionsbereitschaft zuletzt nur im Jahr der Finanzkrise 2009", sagte DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann. "Hauptgrund: Es ist nach wie vor unklar, welche Rahmenbedingungen die Politik zukünftig in der Energiepolitik setzt."

Mittlerweile sehen 79 Prozent der Energieunternehmen in der Wirtschaftspolitik ein Geschäftsrisiko. "So viele wie in keiner anderen Branche und in keiner der bisherigen Umfragen hierzu", sagte Schumann. Union und SPD peilen deshalb in den Koalitionsverhandlungen eine rasche Reform der Ökostromförderung an, um einen Investitionsstau zu verhindern. Durch die Energiewende wurden vor allem Großkonzerne wie RWE und E.on auf dem falschen Fuß erwischt: Sie verdienen mit konventionellen Kraftwerken kaum noch Geld und investieren daher nicht.

Die Branche gehört traditionell zu den investitionsstärksten in Deutschland und gibt jedes Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag aus. Das ist mehr als die gesamte Fahrzeugbranche - von den Auto- bis zu den Flugzeugherstellern. Im Gegensatz zur Energiewirtschaft wollen viele andere Schlüsselbranchen im kommenden Jahr mehr investieren, darunter Elektrotechnik, Fahrzeugbau, Chemie und Verkehrsgewerbe.

Ein Investitionsplus meldet auch die Telekommunikationsbranche. "Dabei dominiert - anders als in allen anderen Branchen - die Kapazitätserweiterung", sagte Schumann. "Das macht Hoffnung auf einen baldigen Breitbandausbau - und damit auf einen Schub bei dieser wichtigen Zukunftsinfrastruktur."

nck/Reuters

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