Trotz Sanktionen Deutsche Exporte nach Russland sind zuletzt wieder gestiegen

Trotz Sanktionen und des Rückzugs von Firmen haben die deutschen Exporte nach Russland zwischen April und Mai zugelegt. Verantwortlich für das Plus ist wohl vor allem eine bestimmte Warengruppe.
Hamburger Hafen: Überraschende Zahlen aus Russland

Hamburger Hafen: Überraschende Zahlen aus Russland

Foto: MiS / IMAGO

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar haben westliche Staaten Sanktionen gegen Russland verhängt. In der Folge waren die Ausfuhren aus Deutschland nach Russland im März um fast 60 Prozent und im April um weitere 9,9 Prozent eingebrochen. Doch im Mai haben die Exporte nach Russland gegenüber dem Vormonat wieder zugelegt – um 29,4 Prozent auf eine Milliarde Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Gestiegen sei vor allem der Export pharmazeutischer Produkte, sagte ein Sprecher. Diese Erzeugnisse sind von Sanktionen ausgenommen. Der Zuwachs gehe zum Teil auch auf gestiegene Preise zurück. Weitere Details wollen die Statistiker nach einer Auswertung in den kommenden Tagen bekannt geben.

Die Importe aus Russland nach Deutschland verringerten sich im Mai gegenüber dem Vormonat um 9,8 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Russland liefert vor allem Rohstoffe und Energie.

Insgesamt sind die deutschen Exporte im Mai wegen der schwächeren Nachfrage aus den EU-Staaten überraschend gesunken. Sie fielen um 0,5 Prozent niedriger aus als im Vormonat und summierten sich damit auf 125,8 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Importe stiegen dagegen um 2,7 Prozent.

Weniger Exporte in andere europäische Länder

»Die meisten deutschen Exporte gingen im Mai 2022 in die Vereinigten Staaten«, bilanzierten die Statistiker. Dorthin wurden 5,7 Prozent mehr Waren exportiert als im Vormonat, womit sie auf einen Wert von 13,4 Milliarden Euro stiegen.

Die Exporte in die Volksrepublik China legten nur um 0,5 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro zu. Die Ausfuhren nach Großbritannien schrumpften um 2,5 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro, während die in die EU-Staaten um 2,8 Prozent auf 67,5 Milliarden Euro nachgaben.

Zieht man zum Vergleich allerdings die Vorjahreswerte heran, haben Deutschlands Exporteure deutlich bessere Geschäfte gemacht. Innerhalb eines Jahres stiegen die Ausfuhren »Made in Germany« im Mai insgesamt kräftig um 11,7 Prozent auf 125,8 Milliarden Euro. Die Einfuhren legten um 27,8 Prozent auf 126,7 Milliarden Euro zu. Die Exporte nach Russland brachen im Vorjahresvergleich um 54,6 Prozent ein.

Die deutschen Exporteure gehen mit weniger Optimismus in die zweite Jahreshälfte. Das Barometer für die Exporterwartungen fiel im Juni um 0,7 auf 3,7 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut bei seiner monatlichen Umfrage unter 2300 Industriebetrieben herausfand. Zuvor hatte es zwei Anstiege in Folge gegeben. »Logistikprobleme und hohe Unsicherheit drücken den Ausblick der deutschen Exportwirtschaft«, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.

mmq/Reuters/dpa
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