Investitionen Deutsche Firmen haben Lust auf Russland

Attraktives Russland: Deutsche Firmen haben im ersten Halbjahr 2016 fast so viel investiert wie im gesamten Jahr 2015. Experten erklären dies mit der "Zuckerbrot und Peitsche"-Strategie des Landes.
Moskau

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Foto: Yuri Kochetkov/ dpa

Russland steht bei deutschen Firmen wieder höher im Kurs. Im ersten Halbjahr 2016 investierten deutsche Unternehmen fast so viel in dem Land wie im gesamten Jahr 2015, teilte die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) unter Berufung auf Zahlen der Bundesbank mit.

Die deutschen Direktinvestitionen lagen demzufolge bei 1,73 Milliarden Euro. Im gesamten Jahr 2015 dagegen hatten sie 1,78 Milliarden Euro betragen. Allein im zweiten Quartal 2016 investierten deutsche Unternehmen mit 655 Millionen Euro dreimal so viel in Russland wie im Vorjahreszeitraum.

In den vergangenen Jahren schwankte der Wert deutscher Direktinvestitionen in Russland stark. Nach der Annexion der Krim 2014 waren die Direktinvestitionen in Russland insgesamt drastisch eingebrochen, von 69 auf 21 Milliarden Dollar. Das war der niedrigste Stand seit 2005. Deutsche Investoren zogen damals unter dem Strich sogar Kapital ab, für 2014 weist die Statistik einen negativen Wert aus.

"Politik aus Zuckerbrot und Peitsche"

Die AHK begründet die steigenden Investitionen damit, dass sich russische Offizielle wieder vermehrt um ausländische und insbesondere um deutsche Investoren bemühen: "Deutsche Unternehmen investieren im großen Stil, weil der Rubel schwach ist, Regierung und Gouverneure ihnen den roten Teppich ausrollen", sagt der Chef der AHK Russland, Matthias Schepp. "Es ist eine Politik aus Zuckerbrot und Peitsche, die aus Sicht der russischen Regierung durchaus erfolgreich ist."

Ein konkretes Mittel der russischen Politik, um ausländische Firmen anzuwerben, ist der sogenannte Sonderinvestitionsvertrag. Den ersten dieser Verträge schloss der Landmaschinenhersteller Claas im vergangenem Juni mit dem Industrieministerium ab. Russland verpflichtet sich dabei zur Gewährung bestimmter Subventionen.

Im Gegenzug verpflichten sich die ausländischen Unternehmen, in eine Produktion zu investieren, die es so bislang in Russland nicht gibt. Außerdem müssen die ausländischen Firmen eine hohe Wertschöpfung in dem Land erreichen. Die Mindestinvestitionssumme ist 10 Millionen Euro. Die russische Regierung macht zudem Druck auf die inländischen Staatskonzerne, die zum Einkauf inländischer Vorprodukte gezwungen sind - wenn sie gleicher Qualität sind.

msc