Streit um Tarifvertrag Sicherheitspersonal bestreikt deutsche Flughäfen

Diese Warnstreiks treffen Deutschlands Flughäfen überraschend: Weil die Lohnverhandlungen für Tausende Beschäftigte stocken, legen Mitarbeiter des Sicherheitspersonals vorübergehend die Arbeit nieder. Zehn Airports sind laut Ver.di betroffen.
Streit um Tarifvertrag: Sicherheitspersonal bestreikt deutsche Flughäfen

Streit um Tarifvertrag: Sicherheitspersonal bestreikt deutsche Flughäfen

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Berlin - Mehrere hundert Mitarbeiter des Sicherheitspersonals haben am frühen Montagmorgen an deutschen Flughäfen vorübergehend ihre Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft Ver.di hatte in der Nacht überraschend zu Warnstreiks aufgerufen.

Den Anfang machten etwa 250 Mitarbeiter in Köln-Bonn, Düsseldorf, Stuttgart und Baden-Baden/Karlsruhe, wie Ver.di-Verhandlungsführer Andreas Sander berichtete. Um 5 Uhr folgten die Beschäftigten in Bremen, Hannover und Berlin Schönefeld. Um 5.30 traten die Angestellten in Berlin Tegel ebenfalls in den Warnstreik und um 6 Uhr diejenigen in Hamburg.

Am Flughafen Köln-Bonn hat der Streik zu massiven Behinderungen geführt. Zwei Flüge nach Berlin sind annulliert worden. Fast alle Abflüge in den Morgenstunden seien verspätet, berichtet ein Airport-Sprecher. An den Kontrollstellen hätten sich lange Schlangen gebildet. Der Warnstreik sei zwar inzwischen beendet, die Auswirkungen würden aber aller Voraussicht nach noch mehrere Stunden andauern. Fluggäste wurden gebeten, sich bei ihren Airlines oder auf der Homepage des Flughafens über den Status ihres Flugs zu informieren.

Auch in Berlin-Tegel mussten sich Reisende am frühen Morgen auf stundenlange Verspätungen einstellen. Vor den Sicherheitsschleusen bildeten sich lange Schlangen, die Wartezeit vor den Scannern betrug um die 60 Minuten. In der Abflughalle von Air Berlin ging nichts mehr. Einige Flüge wurden storniert, bei anderen vergrößerte sich die Verspätung im Viertelstundentakt. Den aktuellen Verspätungs-Rekord hat mit mehr als vier Stunden ein Flug nach Paris.

Auch in Frankfurt am Main sollte das Sicherheitspersonal laut Gewerkschaft ab 6 Uhr die Arbeit niederlegen. Einem Flughafensprecher zufolge gab es jedoch "keine Streikbeteiligung" und damit auch keinerlei Auswirkungen für die Passagiere. Allein die Folgen des Schneefalls vom Wochenende führten noch zu Beeinträchtigungen für die Fluggäste.

Wegen des Warnstreiks könne es etwa bei der Personenkontrolle zu Verzögerungen kommen, teilte ein Sprecher des Stuttgarter Airports mit. Dieses Problem hatten auch Reisende in Hamburg. "Viele haben ihre Flüge verpasst, weil sie zu lange an den Sicherheitskontrollen warten mussten", sagte Flughafensprecherin Stefanie Harder SPIEGEL ONLINE. Zwischen 6 und 8 Uhr habe das Personal gestreikt, inzwischen seien aber alle Mitarbeiter wieder an ihren Arbeitsplatz zurück gekehrt. "Dieser völlig unagekündige Streik ist sehr ärgerlich für die Passagiere und alle Beteiligten", sagte Harder. Der "harte Ton der Gewerkschaft" habe den Hamburg Airport überrascht.

Am Hannover Airport hat der Warnstreik zu drei Verspätungen von bis zu 30 Minuten geführt. Betroffen waren Flüge nach München, Kopenhagen und Amsterdam. "Momentan läuft aber alles wieder planmäßig", sagte eine Flughafensprecherin. Auch in Bremen gab es bei fünf Flügen Verzögerungen von maximal 20 Minuten. Zwei Annullierungen (nach Frankfurt und nach Danzig) hätten nach Flughafenangaben nichts mit dem Warnstreik zu tun.

"Es geht darum, die Arbeitgeber zu treffen"

Hintergrund der Aktion sind stockende Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag. Die Auswirkungen des Warnstreiks sind zur Stunde noch nicht absehbar. Insgesamt erwarten die Gewerkschafter etwa tausend streikende Mitarbeiter in Deutschland.

Ver.di vertritt nach eigenen Angaben 15.000 Beschäftigte der privaten Sicherheitsdienstleister. Die Mitarbeiter kontrollieren unter anderem die Flugpassagiere und das Gepäck. "Es ist mit Verspätungen und Verzögerungen zu rechnen", kündigte Ver.di-Sprecher Christoph Schmitz an. "Es geht darum, die Arbeitgeber zu treffen." Deshalb seien die Streiks zum Teil erst kurzfristig angekündigt worden. Frankfurt hatte die Nachricht von den anstehenden Warnstreiks erst in der Nacht erreicht.

"Zum wiederholten Male reagieren die Arbeitgeber nicht auf unsere Forderung nach einem Gesamtangebot, sondern setzen auf eine Verschleppungstaktik", äußerte der Ver.di-Verhandlungsführer Andreas Sander in einer Mitteilung . Auch in der vierten Verhandlungsrunde mit dem BDSW über einen Manteltarifvertrag für die Beschäftigten hatte es Mitte November keine Einigung gegeben.

In den Verhandlungen macht sich die Gewerkschaft unter anderem für geregelte Dienstpläne, unbefristete Arbeitsplätze und gerechte Löhne stark. "Die Kolleginnen und Kollegen haben ein Anrecht auf Planbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit - das ist jedoch ohne geregelte Dienstpläne und Schichtsysteme nicht möglich", kritisierte Sander. Die Tarifverhandlungen sollen voraussichtlich am 15. Januar fortgesetzt werden.

heb/vme/jus/dpa/Reuters/dapd
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