Kompromiss mit Flugsicherung Fluglotsen bekommen bei Extraschicht 220 Euro pro Stunde

Die Deutsche Flugsicherung will massenhafte Flugverspätungen in diesem Sommer verhindern. Dafür hat sie sich mit der zuständigen Gewerkschaft auf üppige Zuschläge für Lotsen bei Extraschichten geeinigt.

Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung im Tower des Flughafens Düsseldorf
Oliver Berg / DPA

Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung im Tower des Flughafens Düsseldorf

Von und


Kurz vor Beginn der großen Sommerferien hat sich die Deutsche Flugsicherung (DFS) mit der Belegschaft auf einen Kompromiss verständigt, wie Sonderschichten abgeleistet werden können. Sie sollen helfen, massenhafte Verspätungen in diesem Sommer zu verhindern.

Für die erzielte Einigung mit der zuständigen Lotsengewerkschaft GdF muss die Geschäftsführung allerdings einen hohen Preis bezahlen. Er dürfte über Gebührenerhöhungen an die Airlines und später auch an die Passagiere weitergereicht werden. Vorausgegangen war ein zähes Ringen um eine Einigung.

Wer als Luftraumüberwacher freiwillig Zusatzdienste schiebt, bekommt sie künftig mit 220 Euro pro Stunde vergütet. Ingenieure erhalten immerhin 151 Euro, Flugdatenbearbeiter 128 Euro und Techniker 107 Euro.

Maximal dürfen 100 zusätzliche Arbeitsstunden pro Jahr abgeleistet werden. Lotsen, die das Volumen voll ausschöpfen, kämen somit auf ein Zusatzgehalt von 22.000 Euro brutto. Auch die Bezüge für reguläre Überstunden werden deutlich erhöht und auf das Niveau der freiwilligen Sonderschichten angehoben.

Um Personalengpässe künftig zu vermeiden, verpflichtet sich die DFS-Führung zudem, ab 2020 pro Jahr mindestens 80 Ausbildungsplätze für Lotsen vorzuhalten und die Kapazitäten an der hauseigenen Schulungsakademie deutlich aufzustocken. Auch sollen Überwachern, die ab dem Alter von 55 Jahren in die Übergangsversorgung wechseln, attraktive Teilzeitverträge geboten werden, um das Wissen der Frührentner länger zu nutzen.



insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nordstadtbewohner 06.06.2019
1. Kein freier Markt - kein freies Angebot - keine freie Nachfrage
Hier zeigt sich, dass nicht überall in Deutschland und der EU ein freie Marktwirtschaft existiert. Solche "Tarifabschlüsse" sind nur möglich, weil der Staat den Fluglotsen einen gesetzlich verankertes Monopol überlässt. Die Folge davon sind Stundenlöhne von bis zu 220 Euro pro Stunde. Ich kann nur hoffen, dass die Flugsicherung eines Tages liberalisiert wird. Ansonsten wird dieses spätmittelalterliche Zunftwesen noch krassere Forderungen stellen, die in keinem Verhältnis zur Arbeitsleistung stehen. Interessant ist vor allem, dass sich die Gewerkschaften am liebsten um Beschäftigte kümmern, die Monopole vorweisen wie Lehrer, Mediziner und eben Fluglotsen.
TipTopTap 06.06.2019
2. @1
Wollen Sie dann auch das Rettungswesen und die Sicherheitsorgane privatisieren? Bei der Luftraumüberwachung handelt es sich schließlich nicht um Einweiser auf einen PKW-Parkplatz.
hup 06.06.2019
3. Das ist nicht zuviel Geld
Das Geld wird ja nur gezahlt, weil das wirtschaftlich sinnvoll ist - die Verspätungen kommen die Betreiber und alle Beteiligten sonst sehr viel teurer. Das ist im Vergleich auch nicht "ungebührilich" viel Geld, denn 8 x 220 = 1760 Euro, das ist zwar nicht der niedrigst mögliche, aber durchaus erreichbare Tagessatz für einen Senior Consultant, bzw. Lead Consultant. Ich weiss nicht was die Fluglotsen so normal pro Stunde verdienen, aber ich schätze mal dass das ein 100% Aufschlag ist. Die Fluglotsen müssen das übrigens versteuern - ich denke dass die ohnehin den Spitzensteuersatz abdrücken, also bleiben netto vermutlich gut 50% von den 220 Euro pro Stunde übrig. Das ist also auch ein gutes Geschäft für den Staat. In einer Not-, bzw. Ausnahmesituation ist das nun ehrlich keinen Aufreger wert. In vielen Branchen in denen gut verdient wird werden kurzfristige Lücken teuer mit Spezialisten gestopft. Die kommen aber wie gesagt ja nicht ständig zum Einsatz, und Flexibilität und KnowHow haben eben ihren Preis. Wenn das jeder machen könnte wären die Preise nicht so hoch. Und jeder der selbst fliegt ist vermutlich froh, dass hier gut ausgebildete Spezialisten arbeiten. Passiert schon genug in der Luft. Das einzige was nicht gut ist: Durch den Preis wird die Freizeit / Erholungszeit der Fluglotsen gesenkt - das kann nun nicht im Sinn der Sicherheit sein. Ich hoffe, dass hier genau hingesehen wird wer wie lange arbeitet.
hup 06.06.2019
4. Warum differenzieren...
Zitat von NordstadtbewohnerHier zeigt sich, dass nicht überall in Deutschland und der EU ein freie Marktwirtschaft existiert. Solche "Tarifabschlüsse" sind nur möglich, weil der Staat den Fluglotsen einen gesetzlich verankertes Monopol überlässt. Die Folge davon sind Stundenlöhne von bis zu 220 Euro pro Stunde. Ich kann nur hoffen, dass die Flugsicherung eines Tages liberalisiert wird. Ansonsten wird dieses spätmittelalterliche Zunftwesen noch krassere Forderungen stellen, die in keinem Verhältnis zur Arbeitsleistung stehen. Interessant ist vor allem, dass sich die Gewerkschaften am liebsten um Beschäftigte kümmern, die Monopole vorweisen wie Lehrer, Mediziner und eben Fluglotsen.
Mediziner haben eine Gewerkschaft? Wohl eher eine Standesvertretung oder einen Berufsverband wie den Hartmannbund. Das ist nun nicht direkt das gleiche.
Airdinger 06.06.2019
5. eben kein Monopol
1. ist es kein Monopol, da auch andere Flugsicherungsanbieter (z.B .Austrocontrol) bestimmte Flughäfen/Flugplätze kontrollieren. 2. und zum anderen ist es eine verpflichtende Aufgabe der Bundesrepublik ein Mindestmaß an Flugsicherung vorzuhalten - das kann man nicht einfach an private Dienstleister auslagern...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.