Import-Export-Bilanz Deutschland erzielt weltgrößten Handelsüberschuss

Deutschlands Exporte sind seit langem deutlich größer als die Importe. Jetzt aber ist der Handelsüberschuss laut "FTD" und ifo-Institut so groß wie in keinem anderen Land der Welt, China eingeschlossen. Die internationale Kritik wird schärfer.
Exporthafen Emden: Deutscher Handelsüberschuss ist auf Rekordniveau

Exporthafen Emden: Deutscher Handelsüberschuss ist auf Rekordniveau

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Hamburg - Das umstrittene Handelsungleichgewicht Deutschlands nimmt offenbar dramatisch zu: Der Überschuss in der Leistungsbilanz wird in diesem Jahr in US-Dollar gerechnet größer ausfallen als in jedem anderen Land der Welt, berichtet die "Financial Times Deutschland" ("FTD") unter Berufung auf Berechnungen des Münchener Ifo-Instituts. Selbst die vielfach kritisierte chinesische Wirtschaft wächst demnach ausgeglichener. "Das grundlegende Problem hat sich nicht geändert: Die deutsche Binnennachfrage ist viel zu schwach", sagte Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, der "FTD".

Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen sind nach Ansichten vieler Wirtschaftswissenschaftler einer der zentralen Auslöser der weltweiten Finanzkrise - dazu gehören auch die hohen Außenhandelsüberschüssen von Deutschland und China. Der Hintergrund: Wenn ein Land besonders viel exportiert, muss ein anderes Land besonders viel importieren und sich dafür hoch verschulden. Mit den neuen Berechnungen des Ifo-Instituts steigt laut "FTD" die Gefahr, dass Deutschland wieder stärker ins Kreuzfeuer der internationalen Kritik gerät. Bereits heute prangern der Internationale Währungsfonds und der Industrieländerclub OECD die deutsche Unwucht an.

Den Berechnungen zufolge, die das Ifo-Institut für die Zeitung angestellt hat, dürfte der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf 210 Milliarden Dollar steigen - und damit wieder in jene Regionen vorstoßen, die vor der Finanzkrise erreicht wurden. Weder China, Japan, noch die Öl exportierenden Länder, die ebenfalls mehr Waren und Kapital exportieren als importieren, erreichen dem Bericht zufolge diese Dimensionen. Wegen des wachsenden Handelsungleichgewichts droht Deutschland der "FTD" zufolge im kommenden Jahr eine Ermahnung der EU-Kommission. Das neue makroökonomische Frühwarnsystem in Europa sieht vor, dass hohe Leistungsbilanzüberschüsse eine Gefahr für die wirtschaftliche Stabilität des Kontinents darstellen.

nck