Schwächelnde Auslandsnachfrage Aufträge für die deutsche Industrie brechen unerwartet stark ein

Zuletzt hat die deutsche Industrie deutlich weniger neue Aufträge erhalten, besonders das Auslandsgeschäft schwächelt. Zwei wichtige Branchen leiden hierzulande besonders.
MAN-Getriebekompressor für die Kunststoffindustrie: Mehr als acht Prozent Rückgang bei neuen Aufträgen im Maschinenbau

MAN-Getriebekompressor für die Kunststoffindustrie: Mehr als acht Prozent Rückgang bei neuen Aufträgen im Maschinenbau

Foto: Rupert Oberhäuser / IMAGO

Der Auftragseingang für die Industrie in Deutschland ist deutlich zurückgegangen. Das Volumen neuer Aufträge verringerte sich vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge im September 2022 gegenüber August 2022 saison- und kalenderbereinigt um vier Prozent, wie es in einer Mitteilung  der Behörde heißt.

Das ist bereits der zweite Rückgang in Folge – und der stärkste Dämpfer seit März. Analysten hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, aber nur um 0,5 Prozent.

Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen fällt der Rückgang mit 3,9 Prozent noch stärker aus. Im Vergleich zum Vorjahresmonat September 2021 lag der Auftragseingang im September 2022 kalenderbereinigt 10,8 Prozent niedriger. Allerdings war das Auftragseingangsvolumen im September 2021 durch Corona-Nachholeffekte bei gleichzeitig starker Knappheit an Vorprodukten außergewöhnlich hoch gewesen.

Deutsche Wirtschaft schlittert in Rezession

Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilt, ist der Einbruch auf ein Einbrechen der Auslandsnachfrage zurückzuführen. Während die inländischen Bestellungen noch leicht im Plus lagen, sanken die Auftragseingänge aus dem Ausland deutlich. Aus den Ländern außerhalb der Eurozone kamen 6,3 Prozent weniger Aufträge und aus den Ländern im gemeinsamen Währungsraum 8,0 Prozent weniger, wie das Ministerium mitteilte.

Allerdings war die Entwicklung im August nicht so schwach wie bislang bekannt. Das Bundesamt hat den Rückgang beim Auftragseingang von 2,4 Prozent im Monatsvergleich auf nur noch 2,0 Prozent revidiert.

»Der Höhenflug der Auftragseingänge, der sich nach der Coronapandemie im Zuge von Nachholeffekten eingestellt hatte, scheint beendet zu sein«, heißt es in der Stellungnahme des Ministeriums. Besonders getroffen wurde die Autoindustrie. Hier gingen die Aufträge laut Ministerium um 9,0 Prozent zurück. Auch der Maschinenbau meldete einen deutlichen Rückgang um 8,1 Prozent.

Nach Einschätzung von Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank ist der deutsche Auftragseingang im September kollabiert. Er verwies auf den starken Auftragsrückgang aus dem Ausland. »Wenn es in den G7-Staaten nicht mehr so rund läuft und auch China von einer Konjunkturschwäche geplagt ist, bleibt am Ende auch weniger für die deutsche Industrie übrig«, sagte Gitzel. Aus den »verheerenden Auftragseingängen« werde deutlich, dass sich die deutsche Wirtschaft auf Rezessionskurs befinde.

apr/dpa
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