Deutsche Post Beschwerden über Briefzustellungen verdoppeln sich

Hat die Post ein Problem mit ihrem Service? Immer mehr Bürger klagen schriftlich über Briefe, die nicht ankommen, falsch zugestellt werden oder zerstört sind.

Briefträger
Sebastian Kahnert / DPA

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Obwohl die Deutsche Post immer weniger Briefe zustellt, steigt die Unzufriedenheit der Kunden: Die Zahl der schriftlichen Beschwerden über die Briefzustellung hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Sie stieg von 6100 im Jahr 2017 auf 12.615. Der Trend setzt sich auch in diesem Jahr fort. Im ersten Quartal 2019 lag die Zahl bei knapp 4000 Beschwerden.

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Die Zahl der versendeten Briefe hingegen ist im gleichen Zeitraum gesunken, von 12,9 auf 12,2 Milliarden. Das geht aus einer Anfrage der Linken-Fraktion an das Bundeswirtschaftsministerium hervor.

"Die Beschwerden über die Qualität der Zustellung der Briefpost schießen in die Höhe, und die Bundesregierung hat nichts Besseres zu tun, als für drastische Portoerhöhungen zu sorgen", sagt der Linken-Abgeordnete Pascal Meiser.

Zuletzt hatte die Deutsche Post die Portopreise kräftig erhöht: Statt 70 Cent zahlen Postkunden für einen Standardbrief seit dem 1. Juli 80 Cent. Die Erhöhung war so üppig, dass dafür sogar die Bestimmungen für den ehemaligen Monopolisten verändert werden mussten.

Linken-Politiker Meiser vermutet, dass die Mängel bei der Briefzustellung auf die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen für die Postboten zurückgehen. Postchef Frank Appel hatte 2018 die Verantwortung für das Brief- und Paketgeschäft übernommen und ein Sparprogramm aufgelegt.

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insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
Msc 13.07.2019
1.
Ich habe von unabhängig voneinander mit zwei Briefträgern (in Berlin und in Niedersachsen auf dem Land) gesprochen und die gaben die Schuld bei geöffneten Päckchen und verschwundenen Geburtstagskarten (bin bei beiden betroffen, selbst Einschreiben kamen nicht mehr an!) an die Mitarbeiter im Logistikzentrum weiter. Einer sprach gar von "Banden", die sich anstellen lassen würden mit dem expliziten Ziel möglichst viel zu stehlen und er wäre froh, wenn er endlich in Ruhestand gehen könne, damit er das nicht mehr erleben müsse. Anekdoten, aber so geschehen. Ich jedenfalls habe die Konsequenz gezogen nur noch einfache Briefe zu verschicken. Kein Paket, keine Karten, nichts was vom Format des Standardbriefs abweicht. Die Post ist für mich gestorben.
lestat3006 13.07.2019
2. Naturgesetz
Die Erhöhung des Portos bei der Post sowie die jährlichen Preisteigerungen bei der Bahn sind ein Naturgesetz. Und gegen Naturgesetze kann man nichts machen, unabhängig davon, ob der Service gleichzeitig schlechter wird - übrigens auch ein Naturgesetz.
observerlbg 13.07.2019
3. Oh Wunder!
Immer dann, wenn konventionell geschulte Manager Effizienz steigern wollen und sich der 100%-Marke nähern, zerfällt ein funktionierendes System. Ob die Manager nun Mehdorn oder Gerhard Schröder heißen (die Liste der Namen könnte man beliebig ausbauen > Telekom, Bahn, Deutsche Bank....), am Ende ihrer Tätigkeit bleibt ein Trümmerfeld. Tja, Menschen zu steuern ist was anderes als mit Zahlen zu jonglieren. Und Nachhaltigkeit ist was ganz anderes als kurzfristige Erfolge. In der Logistik ist die Kurve die sich der 100%-Marke nähert häufig eine Asymptote. Die Psyche der Mitarbeiter hingegen verhält sich nach ganz anderen Unlinearitäten.
musorki 13.07.2019
4. überforderte zusteller...
...auch durch unendlich grosse zustellbezirke führen auch dazu, daß die angestellten der post bisweilen alle briefe für unser haus in den erstbesten kasten schmeissen. bei dhl ist es nicht besser, da gehen pakete schon direkt vom empfänger paketzentrum zurück an den absender, wegen unzustellbarkeit. beim brief 0,80€ ist viel geld für wenig leistung.
njotha 13.07.2019
5. schlechtes Geld = schlechte Arbeit
das eine ist der Briefzusteller, schlecht bezahlt und hoch belastet. Das andere ist der zu gruseligen Bedingungen bei irgendeinem externen Dienstleister Beschäftigte, der die Briefkästen leeren muss. Was erwarten unsere obszön Reichen eigentlich von denen, die für sie das Geld erwirtschaften? Sollen die ihnen aus Freude darüber, dass sie trotz bis zu drei Jobs ihre Miete nicht mehr zahlen können, noch die Nase putzen? Gute Arbeit für schlechtes Geld gibt's nur selten, für miserables Geld schon gar nicht
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