Erlaubnis der Netzagentur Briefporto wird erhöht

Die Bundesnetzagentur genehmigt der Deutschen Post, das Porto kräftig zu erhöhen. Der Standardbrief könnte bald bis zu 90 Cent kosten.

Sonderbriefmarke "100 Jahre Bauhaus" (Archiv)
DPA

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Das Porto für Briefe in Deutschland könnte kräftig zulegen. Der sogenannte Preiserhöhungsspielraum soll um 10,6 Prozent steigen - dies schlug die Bundesnetzagentur vor. Damit ist gemeint, dass die Deutsche Post die Preise für die verschiedenen Briefarten insgesamt um diesen Satz verteuern darf. Wie viel mehr es für welche Briefart konkret wird, darf die Post selbst entscheiden.

Das Porto für einen Standardbrief könnte damit stark steigen - Branchenkreisen zufolge ist eine Anhebung auf bis zu 90 Cent möglich, aktuell sind es 70 Cent. Dann würde sich das Porto für andere Arten - ob Maxibrief, Kompaktbrief oder Postkarte - gar nicht oder kaum verteuern.

Die genaue Portoerhöhung ist unklar - im Mai will die Netzagentur final entscheiden, danach legt die Deutsche Post die Preise fest. Die gelten dann voraussichtlich vom 1. Juli an. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sagte: "Es liegt auch im Interesse der Post, jetzt für Verbesserungen bei der Qualität der Zustellung zu sorgen."

Bereits im Januar hatte die Bundesnetzagentur einen ersten Preiserhöhungsspielraum vorgeschlagen, damals waren es allerdings nur 4,8 Prozent. Dies war der Post zu wenig, sie drohte indirekt mit Jobabbau.

In der Bundesregierung stieß der ehemalige Staatsmonopolist mit seinem Anliegen auf Verständnis: Das Bundeswirtschaftsministerium brachte eine Verordnungsänderung auf den Weg, woraufhin die dem Ministerium unterstellte Netzagentur neu rechnen musste und dann auf den höheren Wert kam. Konkurrenten der Post kritisierten das scharf - sie sehen den Bonner Konzern von der Politik begünstigt.

Kritik von DPD, Hermes und Co.

Die Entgeltanhebung betrifft zunächst nur Briefe von Verbrauchern, also Einzelsendungen. Deren Anteil an der Gesamtmenge liegt nur bei etwa 15 Prozent. Im vergangenen Jahr sendeten Verbraucher rund 1,2 Milliarden Briefe. Für große Firmenkunden bleibt 2019 alles beim Alten: Wohl erst ab Anfang 2020 wird es für sie teurer. Sie zahlen ohnehin nicht das normale Porto, sondern bekommen Rabatte.

Die Portoerhöhung hatte in den vergangenen Monaten scharfe Kritik hervorgerufen, insbesondere von Paketwettbewerbern der Deutschen Post DHL wie zum Beispiel DPD und Hermes. Sie monieren, dass die Post durch die staatlich erlaubten, höheren Briefeinnahmen ihre Paketdienste quersubventionieren könne und dadurch der Wettbewerb in diesem Bereich verzerrt werde.

Die Deutsche Post veröffentlicht für das Brief- und Paketgeschäft die Einnahmen und Kosten nicht separat voneinander, sondern rechnet sie zusammen. Dies liegt auch daran, dass Zusteller vor allem im ländlichen Raum sowohl Briefe als auch Pakete ausliefern.

Die Post argumentiert, dass die Portoerhöhung angesichts der sinkendenden Briefmengen im Internetzeitalter überfällig sei, zumal ihre Personal- und andere Fixkosten gleich blieben und sie gesetzliche Pflichten zur schnellen bundesweiten Auslieferung habe. Zudem weist sie darauf hin, dass ein Privathaushalt in Deutschland 2017 monatlich nur 2,34 Euro für Briefdienstleistungen ausgegeben habe - die Folgen einer Portoerhöhung für Verbraucher seien also begrenzt.

kko/dpa



insgesamt 46 Beiträge
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ctreber 18.04.2019
1. Wer bekommt davon was zu sehen?
Aktionäre und/ oder Mitarbeiter (und die vielen Sub-Firmen, die ausliefern)?
qjhg 18.04.2019
2. An der Höhe des Portos wird. Man wohl nichts ändern.
Die offene Frage bleibt, ob man den immer schlechteren Service der Post hinnehmen muss. Es gibt fast keine Abendbriefkästen mehr und ab Samstag bis Montagabend werden In der Regel keine Briefkästen geleert. Und wenn der Empfänger nicht gerade an einem günstigen Ort in einer Großstadt wohnt, erhält er die Post wohl erst weitere 2 Tage später. Bedenkt man zusätzlich, dass die Post auch gern ein Tag der Zustellung auslässt, meine ich, man sollte Wettbewerbern den Markt öffnen, die die gleichen Garantien , Bedingungen wie die Post erhalten aber auch gewährleisten müssen. Noch etwas teuerer bei verbesserter Qualität ist dann sogar akzeptabel.
Hamberliner 18.04.2019
3. Anachronismus
Na und? Briefpost ist doch sowieso ein Anachronismus, und wenn naturgemäß immer weniger Briefe befördert werden leuchtet doch ein, dass ein Brief mehr kostet. Ich schreib das als Ü60. Kann natürlich sein, dass die jungen Greenhorns mit der Digitalisierung noch Probleme haben weil sie einen E-Mail-Account und Dokumente als PDF uncool finden, keinen Rechner zuhause haben sondern nur ein Smartphone und außerhalb Facebook, Whatsapp, Twitter und Instagram mit der Digitalisierung überfordert sind.
schnubbeldu 18.04.2019
4. nun werden wieder Firmen und Versicherungen ...
... Ihre Kunden damit strangalieren von Papierrechnung auf ePost umzusteigen. Klar, wer es auf Papier "braucht" kann es sich dann auf seine Kosten ausdrucken. Oder im Gegenzug wird für jeden "Briefversand" zukünftig eine "Bearbeitungsgebühr" von 1,50 Euro fällig. Und der Briefträger wird noch mehr zum "Werbungsausträger" degradiert. Ganz toll finde ich dann die Hauswurfsendungen "an die Bewohner XYZ" die KEINER benötigt.
die_WahrheitXXL 18.04.2019
5. zeitgleich sollte eine Anpassung erfolgen
und zwar beim absolut unzeitgenmäßen Datenschutz. Oft werden heutzutage Briefe verschickt, weil eben eine email aus Datenschutzgründen nicht möglich ist. Aber die Frage stellt sich, wie sicher denn Briefe wirklich sind? Es ist wirklich einfacher einen Briefkasten zu knacken als eine email. Das Thema "Brief schreiben" gehört längst der Vergangenheit an. Ja, Pakete sind sinnvoll, aber Briefe braucht doch wirklich kein Mensch mehr. Es wird Zeit, daß unsere Regierung das versteht, umsetzt und die Briefe - wie wir sie heute kennen - ins Museum schickt.
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