Deutsche Post spürt Ukrainekrieg Frachtraten verteuern sich wegen längerer Flugrouten weiter

Deutsche Post DHL erzielt einen neuen Rekord bei Umsatz und Gewinn – und blickt besorgt in die Zukunft. Die Kunden des Konzerns müssen sich wegen des Ukrainekriegs auf steigende Kosten einstellen.
Frachtmaschine von DHL: Geschäft mit Russland, Belarus und der Ukraine weitgehend eingestellt

Frachtmaschine von DHL: Geschäft mit Russland, Belarus und der Ukraine weitgehend eingestellt

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Jan Woitas / dpa

Der in der Coronakrise boomende Onlinehandel sowie andere stark nachgefragte Logistikzweige haben Deutsche Post DHL 2021 den höchsten Gewinn der Firmengeschichte beschert. Die Geschäftskunden des ehemaligen Staatskonzerns müssen sich jedoch wegen des Ukrainekriegs auf weiter steigende Kosten einstellen. Die Flugrouten von Asien nach Europa seien etwa durch gesperrte Lufträume deutlich länger geworden, sagte die Finanzchefin der Deutschen Post, Melanie Kreis.

Die Flugzeuge müssten deshalb mit mehr Kerosin betankt werden und könnten weniger Fracht aufnehmen. Zudem sei Kerosin teurer geworden. Dazu komme eine Verknappung von Kapazitäten, da viele Frachtflugzeuge für Russland geflogen waren und nun teils nicht mehr in Betrieb seien. »Die Frachtraten (...) sind jetzt teilweise noch weiter nach oben geschnellt«, sagte Kreis. In den nächsten Wochen werde es zu signifikanten Preissteigerungen kommen.

Schon in der Coronakrise war es zu Belastungen der Lieferketten und steigenden Kosten für die Versendung von Waren rund um den Globus gekommen. Die Luftfracht litt darunter, dass weniger Passagiermaschinen verkehren und damit Ladekapazität wegfällt, Häfen in China wurden zeitweise geschlossen, Container stapelten sich, in Europa gibt es nicht genug Lkw-Fahrer.

Das Geschäft mit Russland, Belarus und mit der Ukraine stellte Deutsche Post DHL weitgehend ein. Verpflichtungen aus dem Weltpostverein komme man allerdings weiterhin nach. »Wir versuchen, den Postdienst in die Ukraine aufrechtzuerhalten«, sagte Konzernchef Frank Appel, der 2023 abtreten will. Man bringe die Ware an die Grenze, wo die ukrainische Post sie übernehme. »Das ist sehr unterschiedlich nach Regionen, ob das noch funktioniert – insgesamt sind die Volumina deutlich rückläufig.«

Deutsche Post DHL steigert Gewinn um mehr als 69 Prozent

Nicht nur der Ukrainekrieg macht dem Post-Konzern zu schaffen. Das Unternehmen erwartet nach dem Onlineshopping-Boom der vergangenen beiden Jahre nun ein rückläufiges Paketgeschäft. Im Bereich Post & Paket Deutschland rechnet das Unternehmen mit einem Betriebsergebnis von circa 1,5 Milliarden Euro – und damit weniger als im Jahr 2021, in dem ein operatives Ergebnis von 1,8 Milliarden Euro verbucht werden konnte.

Finanzvorständin Kreis sagte, dass das Paketvolumen in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zu 2021 wahrscheinlich sinken werde. Dies liege an dem damals hohen Aufkommen durch die Corona-Schließungen. Dennoch stellten sie und Appel äußerst positive Jahreszahlen für 2021 vor.

Alle Konzernbereiche konnten zulegen, insgesamt verbuchte der Konzern 2021 einen Gewinn von rund 5,1 Milliarden Euro und damit 69,6 Prozent mehr als 2020 (3,0 Milliarden). Der Umsatz wuchs um 22,5 Prozent auf 81,7 Milliarden Euro, das Unternehmen wirtschaftete also wesentlich profitabler als zuvor. Angesichts dieses Ergebnisses soll die Dividende für Aktionäre deutlich steigen,

Für dieses Jahr rechnet die Post konzernweit mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf etwa gleichbleibendem Niveau. Weltweit hatte die Deutsche Post DHL zum Jahreswechsel rund 592.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit 3,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

apr/dpa/Reuters
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