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E-Laster schreibt rote Zahlen Post motzt StreetScooter auf - um ihn endlich loszuwerden

Mit dem Elektrolaster StreetScooter hat die Deutsche Post die Autobranche vorgeführt. Trotzdem würde der Konzern die Tochterfirma lieber heute als morgen loswerden. Der Grund sind die Geschäftszahlen.

Als er auf den Markt kam, war der StreetScooter eine Sensation: Weil die Deutsche Post - bislang nur bedingt für mutige Innovationen bekannt - keinen Autohersteller fand, der ihr neue Elektrolieferwagen hätte bauen wollen, entwickelte sie einfach selbst einen (Lesen Sie hier die Erlebnisse der Gründer mit der Autobranche: "Die hielten mich für jemanden von Jugend forscht")

Inzwischen gehören die gelben E-Laster bereits in vielen Großstädten zum Stadtbild. Der StreetScooter hat auch andere Abnehmer als die Post gefunden, Kleinunternehmer und Handwerker zum Beispiel. Die Post hat angekündigt, eine Fertigung in China aufbauen zu wollen, auch die USA sind im Gespräch. Bis 2021 soll die Serienproduktion bis zu 100.000 Fahrzeuge pro Jahr erreichen.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg: Bislang hat die Post-Tochter etwa 12.000 StreetScooter auf die Straße gebracht. Allerdings betreibt sie den Großteil davon selbst, 10.000 E-Laster sind in der Paket- und Briefzustellung unterwegs. Das ist zwar vorteilhaft für die CO2-Bilanz der Post-Flotte insgesamt.

Schneller laden, mehr laden

Es könnte allerdings auch den Handlungsspielraum der Post einschränken, was Zukunftsszenarien des StreetScooter angeht. Denn der Konzern mit Sitz in Bonn hat erklärt, dass er nicht dauerhaft in den Fahrzeugbau einsteigen will - sondern sich auf das Kerngeschäft konzentrieren möchte. Kurz- bis mittelfristig werden also Käufer oder Investoren gesucht. Allerdings hat die Post bislang offenbar keine Interessenten gefunden, denen sie nicht nur zutraut, einen akzeptablen Preis zu zahlen - sondern die auch in der Lage wären, den StreetScooter dauerhaft verlässlich zu betreiben. Darauf nämlich ist der Konzern ebenfalls angewiesen, weil inzwischen ein Fünftel seiner gesamten Lieferflotte elektrisch fährt und die Fahrzeuge gewartet und repariert werden müssen.

Ein Grund für das Ausbleiben attraktiver Übernahmeangebote könnten auch die Geschäftszahlen sein. Der StreetScooter hat der Post zwar viel Prestige eingebracht, ansonsten aber vor allem Verluste. Sie haben sich zuletzt auf einen "signifikanten zweistelligen Millionenbetrag" belaufen, hat Post-Chef Frank Appel vor Kurzem gesagt.

In Berlin hat StreetScooter Anfang der Woche nun generalüberholte Versionen des Fahrzeugs vorgestellt. Die neuen Modelle können schneller geladen werden (bis zu 80 Prozent in fünf Stunden) und können mit bis zu einer Tonne 300 Kilo mehr Fracht laden, als bisher. Für mehr Komfort gibt es auch eine Klimaanlage. Die Reichweite bleibt mit 160 Kilometern gleich.

Der StreetScooter soll also attraktiver werden, für Käufer - und für potenzielle Übernahmeinteressenten.

beb