E-Laster schreibt rote Zahlen Post motzt StreetScooter auf - um ihn endlich loszuwerden

Mit dem Elektrolaster StreetScooter hat die Deutsche Post die Autobranche vorgeführt. Trotzdem würde der Konzern die Tochterfirma lieber heute als morgen loswerden. Der Grund sind die Geschäftszahlen.

Jörg Carstensen/ / DPA

Als er auf den Markt kam, war der StreetScooter eine Sensation: Weil die Deutsche Post - bislang nur bedingt für mutige Innovationen bekannt - keinen Autohersteller fand, der ihr neue Elektrolieferwagen hätte bauen wollen, entwickelte sie einfach selbst einen (Lesen Sie hier die Erlebnisse der Gründer mit der Autobranche: "Die hielten mich für jemanden von Jugend forscht")

Inzwischen gehören die gelben E-Laster bereits in vielen Großstädten zum Stadtbild. Der StreetScooter hat auch andere Abnehmer als die Post gefunden, Kleinunternehmer und Handwerker zum Beispiel. Die Post hat angekündigt, eine Fertigung in China aufbauen zu wollen, auch die USA sind im Gespräch. Bis 2021 soll die Serienproduktion bis zu 100.000 Fahrzeuge pro Jahr erreichen.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg: Bislang hat die Post-Tochter etwa 12.000 StreetScooter auf die Straße gebracht. Allerdings betreibt sie den Großteil davon selbst, 10.000 E-Laster sind in der Paket- und Briefzustellung unterwegs. Das ist zwar vorteilhaft für die CO2-Bilanz der Post-Flotte insgesamt.

Schneller laden, mehr laden

Es könnte allerdings auch den Handlungsspielraum der Post einschränken, was Zukunftsszenarien des StreetScooter angeht. Denn der Konzern mit Sitz in Bonn hat erklärt, dass er nicht dauerhaft in den Fahrzeugbau einsteigen will - sondern sich auf das Kerngeschäft konzentrieren möchte. Kurz- bis mittelfristig werden also Käufer oder Investoren gesucht. Allerdings hat die Post bislang offenbar keine Interessenten gefunden, denen sie nicht nur zutraut, einen akzeptablen Preis zu zahlen - sondern die auch in der Lage wären, den StreetScooter dauerhaft verlässlich zu betreiben. Darauf nämlich ist der Konzern ebenfalls angewiesen, weil inzwischen ein Fünftel seiner gesamten Lieferflotte elektrisch fährt und die Fahrzeuge gewartet und repariert werden müssen.

Ein Grund für das Ausbleiben attraktiver Übernahmeangebote könnten auch die Geschäftszahlen sein. Der StreetScooter hat der Post zwar viel Prestige eingebracht, ansonsten aber vor allem Verluste. Sie haben sich zuletzt auf einen "signifikanten zweistelligen Millionenbetrag" belaufen, hat Post-Chef Frank Appel vor Kurzem gesagt.

In Berlin hat StreetScooter Anfang der Woche nun generalüberholte Versionen des Fahrzeugs vorgestellt. Die neuen Modelle können schneller geladen werden (bis zu 80 Prozent in fünf Stunden) und können mit bis zu einer Tonne 300 Kilo mehr Fracht laden, als bisher. Für mehr Komfort gibt es auch eine Klimaanlage. Die Reichweite bleibt mit 160 Kilometern gleich.

Der StreetScooter soll also attraktiver werden, für Käufer - und für potenzielle Übernahmeinteressenten.

beb

insgesamt 130 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cyblord 10.10.2019
1.
Tja das übliche Problem mit E-Autos. Man kann sie bauen, man kann sie manchmal sogar verkaufen. Aber damit ordentlich Gewinn zu machen ist ne ganz andere Sache. Elon Musk kann davon ein Lied singen. So mancher Autohersteller macht satte 10 Mrd. EBIDTA pro Jahr. DAS ist aktuell die Messlatte.
Affenhirn 10.10.2019
2. Nicht wirtschaftlich
Mir liegen die Verkaufspreise für die StreetScooter nicht vor, aber bei 10.000 Fahrzeugen und einem Verlust von zB 30 Mio EUR bedeutet das, dass bei jeden Fahrzeug 3.000 EUR Verlust gemacht wurde. Also muss der Preis hoch. Ansonsten ist diese "linke Tasche - rechte Tasche" Rechnerei nur Augenwischerei. Denn da die Post die Verluste der Tochter tragen muss, sind die Fahrzeuge de facto teurer als allgemein suggeriert. Und die 2.000 extern verkauften Scooter werden von der Post subventioniert. Staatsknete fließt bei E-Projekten auch noch ein - gelle?
dgbmdss 10.10.2019
3. Klimaanlage überflüssig
denn die Zielgruppe ( Handwerker, Boten) befinden sich relativ wenig IM Auto. Und wieder wird der Fehler gemacht, liebgewonnene aber überflüssige Features der "Edelmobilitätsstufe" (Klima, SUV, Assistenten, etc) mit der Elektromobilität zu verbinden. All das kostet Akkulaufzeit und reduziert Nachhaltigkeit. Die Features eines Kompaktwagens aus den 70ern (800kg Gewicht, direkte Lenkung, simpel und langlebig,) ergänzt mit Sicherheitsfeatures wie Gurt, Gurtstrammer, ABS, Airbag und schon hat man ein nachhaltiges und sinnvolles Elektroauto, das zu den Möglichkeiten der gegenwärtigen Akkutechnologie passt.
werner-xyz 10.10.2019
4. Tja gut gemeint
und gut gemacht sind halt leider zwei paar Schuhe. Warum sollte ein Unternehmen ein hoch defizitäres Unternehmen kaufen, dass weder Patente, noch sonstige Goodies mitbringt. Alle anderen Hersteller haben doch längst schon eigene E-Plattformen entwickelt. Außer guter Publicity war dieser Vorstoß wohl auch für die Post ein Flop. haben ja hier die meisten Foristen auf die etablierten Auto-Hersteller eingehauen, wegen dem Projekt. Aber wie man jetzt sieht, war es die richtige Entscheidung das Ding nicht zu bauen.
Affenhirn 10.10.2019
5. Politischer Preis
Möglicherweise ist der ausgewiesene Verlust von Post-Chef Appel auch gewollt, um die inzwischen geschassten Verfechter der StreetScooter in schlechtem Licht dastehen zu lassen. Ist ja auch nur konsequent, nachdem er den Gründer der StreetScooter-Firma und den Förderer innerhalb der Post rausgedrängt hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.