»Wir waren überdimensioniert« Deutsche Telekom will Bürofläche in Deutschland halbieren

Telekom-Chef Höttges kann hierzulande mit fast 200.000 neuen Kunden überraschen – und will das hybride Arbeiten massiv ausbauen. Die Räume des Konzerns seien in der Vergangenheit ohnehin nicht ausgelastet gewesen.
Telekom-Chef Timotheus Höttges: Hofft auf ein Ergebnis von 37 Milliarden Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen

Telekom-Chef Timotheus Höttges: Hofft auf ein Ergebnis von 37 Milliarden Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen

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Henning Kaiser / dpa

Während in vielen Betrieben die Beschäftigten nach mehreren Coronapausen wieder in die Büros zurückkehren, geht die Deutsche Telekom einen anderen Weg. Das Unternehmen will über kurz oder lang fast die Hälfte seiner Büroflächen in Deutschland abbauen.

»Sowohl am Standort Darmstadt als auch in Bonn werden 50 Prozent der Bürofläche mittelfristig verschwinden«, sagte Konzernchef Tim Höttges in einer Telefonkonferenz. »Wir waren in der Vergangenheit überdimensioniert, weil Mitarbeiter auch bei Kunden vor Ort waren.« Zuletzt hatte es mit Blick auf ein mögliches Gasembargo aber auch geheißen, Büros könnten kälter werden, um Energie zu sparen.

Konzernchef Höttges sagte nun, Mitarbeiter sollten künftig die Möglichkeit haben, ihrer Arbeit auf hybride Weise nachzugehen. Dass die Arbeitsfläche reduziert wird, solle aber keinen Aufschluss darauf geben, wie wichtig ein Standort ist. Zum genauen Zeitrahmen nannte der Manager keine Details.

Mit Blick auf das laufende Jahr dagegen hat die Telekom ihre Jahresziele erneut angehoben. Überraschend gut lief es zuletzt auf dem Heimatmarkt, wo das Unternehmen neben einer besseren Umsatzentwicklung bei den neuen Vertragskunden punkten konnte. Wettbewerber litten zuletzt unter den verbraucherfreundlicheren Kündigungsrechten.

Fast 200.000 neue Vertragskunden

Nach Abzug von Kündigungen seien zuletzt 194.000 neue Vertragskunden unter der eigenen Marke und damit mehr als im Vorjahresquartal hinzugekommen, teilte das im Dax notierte Unternehmen in Bonn mit. Analysten hatten mit einem deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert von rund 161.000 gerechnet.

Allerdings bekommt die Telekom wie auch andere Wettbewerber die Folgen der Änderungen im Telekommunikationsgesetz (TKG) zu spüren: Mit rund 45.000 neuen Breitbandanschlüssen hat sich der Wert gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert. »Wir spüren noch die Nachwirkungen des TKG-Effekts, dieser sollte aber im zweiten Halbjahr ausphasen«, sagte Finanzchef Christian Illek. Automatisch verlängerte Verträge können mittlerweile nach Ablauf der Mindestlaufzeit nach einem Monat und nicht erst nach einem Jahr gekündigt werden.

Auch die Konkurrenz spürt die neuen Kündigungsregelungen. So konnte zwar Telefonica Deutschland ein deutliches Plus bei neuen Vertragskunden vermelden. Der britische Konkurrent Vodafone erzielte hierzulande dagegen nur ein minimales Plus, und auch die United-Internet-Tochter 1&1 hatte zu kämpfen.

Gewinn soll steigen

Der Konzernumsatz der Telekom der Monate April bis Juni kletterte unterdessen um fast sechs Prozent auf etwa 28 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft, also bereinigt um Wechselkurseffekte sowie Portfolioveränderungen, trat der Erlös aber auf der Stelle. Der werthaltigere Service-Erlös mit Dienstleistungen legte unterdessen um fast elf Prozent zu.

Als um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen inklusive Leasingkosten (Ebitda AL) blieben rund 9,9 Milliarden Euro übrig – ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Aus eigener Kraft war das bereinigte Betriebsergebnis aber leicht rückläufig: Neben Wechselkurseffekten schlagen dabei die Integrationskosten infolge der Fusion von T-Mobile US mit Sprint zu Buche.

Unter dem Strich sank der Nettogewinn auch wegen der Fusionskosten sowie wegen eines Vergleichs nach einem Hackerangriff um rund 22 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr will die Deutsche Telekom beim operativen Ergebnis nun etwas mehr erreichen als bislang. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen inklusive Leasingkosten dürfte im laufenden Jahr auf rund 37 Milliarden Euro steigen, hieß es. Bislang hatte der Konzern mehr als 36,6 Milliarden Euro angepeilt. Zugleich will die Deutsche Telekom ihre Verschuldungsquote kräftig reduzieren.

apr/dpa
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