Lohnplus gegen Deflation Deutsche Manager lehnen Weidmanns Forderung ab

Bundesbank-Chef Weidmann fordert mehr Gehalt für deutsche Arbeitnehmer - und irritiert damit eine große Mehrheit der deutschen Top-Manager. Sie lehnen das von ihm befürwortete Lohnplus strikt ab.

Jens Weidmann (Archivbild): Bundesbank-Forderung erregt gemischte Reaktionen
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Jens Weidmann (Archivbild): Bundesbank-Forderung erregt gemischte Reaktionen


Frankfurt am Main/Berlin - Deutsche Top-Manager sind verstimmt. Bundesbank-Chef Jens Weidmann hat sich klar für kräftige Lohnzuwächse für die Tarifbeschäftigten ausgesprochen - wie schon weitere Währungshüter vor ihm. Doch bei den Führungskräften stoßen die Forderungen auf Ablehnung. In einer am Montag veröffentlichten Forsa-Umfrage des "Handelsblatts" zeigt sich eine große Mehrheit der Befragten befremdet über die Äußerungen.

"Nein, das gehört nicht zu den Aufgaben der Zentralbanken", befinden 83 Prozent der befragten Manager. Zudem vertreten 62 Prozent der mehr als 500 Umfrageteilnehmer die Meinung, höhere Lohnabschlüsse seien in Deutschland "derzeit nicht angemessen". Kämen sie dennoch, erwartet mehr als die Hälfte von ihnen "größere Schwierigkeiten".

"Nicht hilfreich"

Weidmann hatte hingegen die Kritik zurückgewiesen, die Bundesbank mische sich in Tarifverhandlungen ein. Es sei ihre Aufgabe, "die Entwicklung der Löhne mit Blick auf die Preisstabilität zu erörtern". Beistand erhielt Weidmann laut "Handelsblatt" in dieser Sache vom Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt. Die Bundesbank habe das Recht und die Pflicht, öffentlich zu diskutieren, welche Bedingungen notwendig seien für ein stabiles Preisniveau - dazu zähle langfristig auch die Entwicklung der Löhne, sagte Schmitt der Zeitung.

Der Bundesbank-Chef hatte in der vergangenen Woche ein Lohnplus von drei Prozent als Richtgröße genannt. Zuvor hatte bereits der SPIEGEL berichtet, dass der Chefökonom der Bundesbank, Jens Ulbrich, für höhere Tarifabschlüsse plädiert. Lesen Sie hier die ganze Geschichte im SPIEGEL .)

Für die aktuelle Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa nach "Handelsblatt"-Angaben im Auftrag der Zeitung vom 29. bis 31. Juli eine Gruppe von 502 Führungskräften in Unternehmen ab hundert Mitarbeitern zu dem Thema interviewt. Die Befragten hätten sich ähnlich geäußert wie der Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Dieser hatte Weidmanns Äußerungen als "nicht hilfreich" bezeichnet, weil viele Unternehmen mit Sorgen auf die steigenden Arbeitskosten blickten.

bos/dpa

insgesamt 124 Beiträge
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deus-Lo-vult 04.08.2014
1.
Die Manager lehnen das Lohnplus aber nur für die Arbeiter ab. Nicht das Lohnplus für sich selbst.
boingdil 04.08.2014
2. Ist eben keine Planwirtschaft
Die makroökonomischen Überlegungen der Bundesbank mögen sogar richtig sein. Aber der akzeptable Lohnzuwachs für einen Arbeitgeber richtet sich nach der Entwicklung SEINES Unternehmens. Und die kann ganz anders aussehen. Die Argumentation des Rückflusses über bessere Binnenkonjunktur ist für die meisten, insbesondere exportorientierten Unternehmen nicht zutreffend.
selbstmaldenker 04.08.2014
3.
Wie war das doch? "Vom Teilen wird man nicht reich!" Ein lautes "weiter so" ruft man da den Parasiten in Nadelstreifen zu! Bis die Schraube irgendwann überdreht ist. Abr mit Schrauben kennt sich ja eher der Pöbel aus.
citizen_kane 04.08.2014
4. Zweierlei Maß
"Dieser hatte Weidmanns Äußerungen als 'nicht hilfreich' bezeichnet, weil viele Unternehmen mit Sorgen auf die steigenden Arbeitskosten blickten." Und so lange in den allerhöchsten Etagen von einzelnen teils Millionen pro Jahr "verdient" werden, sind solche Aussagen eben unglaubwürdig.
o.kenobi 04.08.2014
5. Unsinnige Umfrage!
Die variable Vergütung der Manager ist abhängig vom Profit. Gehaltssteigerungen für normale Angestellte reduzieren den Profit und damit das Gehalt der Manager. Ebensogut hätte man diese Top-Egoisten auch fragen können, ob sie einer Reduzierung ihres Gehaltes zustimmen. Top-Manager denken nicht sozial. Das eine schließt das andere aus. Die Gehälter von Weidmann und Wirtschaftweisen sind nicht an einem Unternehmensprofit gekoppelt und siehe da, sie kommen zu einem ganz anderen Urteil. Befremdlich ist der stupide Egoistenreflex der Top-Manager.
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