Nach Fusion Immobilienriese Vonovia baut Macht bei Deutsche Wohnen aus

Im dritten Versuch war die Übernahme geglückt: Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia erreicht 87,6 Prozent der Stimmrechte der Deutsche Wohnen. Für die naht mit der Übernahme auch der Abschied aus dem Dax.
Wohnungskonzern Deutsche Wohnen: Bald raus aus dem Dax

Wohnungskonzern Deutsche Wohnen: Bald raus aus dem Dax

Foto: Christoph Soeder / dpa

Der Wohnungskonzern Vonovia baut seine Macht bei der Deutsche Wohnen weiter aus. Nach Ablauf der Frist hält Deutschlands größter Wohnungsvermieter nun 87,6 Prozent der Stimmrechte an der bisherigen Nummer zwei in der Branche. Das teilte ein Sprecher von Vonovia mit.

Damit steht die Deutsche Wohnen vor dem Abschied aus dem Leitindex Dax. Der Streubesitz des Unternehmens ist zu gering, um sich im Index der 40 wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland zu halten. Die Deutsche Börse reagiert in solchen Fällen meist innerhalb weniger Tage. Ein möglicher Nachfolger steht schon bereit: Bei der Index-Reform im September hatte der Hamburger Konsumgüterhersteller Beiersdorf den Wiedereinzug in den Dax knapp verpasst. Er könnte nun für die Deutsche Wohnen nachrücken.

Zwei Immobilienriesen

Vonovia hat für Deutsche-Wohnen-Aktien bisher rund 17 Milliarden Euro ausgegeben und bewirtschaftet nach der Megafusion der beiden Dax-Konzerne 568.000 Wohnungen, die aktuell mehr als 80 Milliarden Euro wert sind. Mit jeweils zehn Prozent der Anteile gehören der US-Vermögensverwalter Blackrock und der norwegische Staatsfonds zu den größten Anteilseignern.

»Wir können jetzt mit vereinten Kräften die großen gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen im Wohnungsmarkt angehen«, sagte Vorstandschef Rolf Buch. »Wir stehen zu unserer Verantwortung, gemeinsam mit der Politik an konkreten Lösungen für bezahlbaren und klimafreundlichen Wohnraum zu arbeiten.«

Buch hatte lange um die Übernahme zittern müssen, in einem früheren Anlauf hatte der Branchenriese sogar die angestrebte Mehrheit verpasst. Erst indem der Bochumer Konzern auf alle Bedingungen verzichtete, entzog er allen Spekulationen auf ein Scheitern die Grundlage. Die Deutsche-Wohnen-Aktionäre sollen bis zum 2. November ihr Geld bekommen, 53 Euro je Aktie.

Steigende Mieten in der Hauptstadt

Bekannt ist die Deutsche Wohnen unter anderem als einer der größten Vermieter in Berlin, dort besitzt sie rund 110.000 Wohnungen. Auch Vonovia ist in der Hauptstadt dominant vertreten, auf das Unternehmen entfallen rund 40.000 Wohnungen. Zusammen sind das etwa neun Prozent aller Mietwohnungen der Stadt. Kritiker werfen den beiden Unternehmen vor, Mitschuld an den stark steigenden Mieten zu tragen. Ein Berliner Volksentscheid, »Deutsche Wohnen & Co. enteignen«, forderte deshalb jüngst die Enteignung der beiden Wohnungskonzerne.

Um die Kritiker zu besänftigen, hatte Vonovia-Chef Buch unter anderem eine Begrenzung der regulären Mietsteigerungen in der Hauptstadt bis zum Jahr 2026 angekündigt. Außerdem haben Deutsche Wohnen und Vonovia in Berlin 14 750 Wohnungen für fast 2,5 Milliarden Euro an drei landeseigene Gesellschaften verkauft.

jlk/Reuters/dpa
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