Neue Studie Auf diese Branchen haben es chinesische Investoren abgesehen

China will zum globalen Industriegiganten werden und kauft in großem Stil deutsche Firmen. Eine neue Studie zeigt nun, für welche Branchen sich chinesische Investoren ganz besonders interessieren - und was sie dort bewirken.
Roboter in der Produktion des Roboterbauers Kuka

Roboter in der Produktion des Roboterbauers Kuka

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture alliance / dpa

Der Roboterhersteller Kuka, der Autokonzern Daimler, die Deutsche Bank - bei ihnen sind jüngst chinesische Investoren eingestiegen. Sie kaufen sich damit verstärkt in Branchen ein, die Domänen der deutschen Industrie sind.

Denn China hat ein großes Ziel: Vor drei Jahren hielt die chinesische Führung in ihrem Strategiepapier "Made in China 2025" (MIC 2025) fest, das Land zum weltweit führenden Industriestandort aufzubauen. Chinas Regierung definierte zehn Schlüsselbranchen, in denen das Land technologisch führend werden soll, darunter Robotik, E-Autos und computergesteuerte Maschinen. Beteiligungen an ausländischen Firmen sind Teil der Strategie.

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In Deutschland wächst deshalb die Sorge, dass China gezielt deutsche Schlüsseltechnologien aufkauft, um seine eigene Entwicklung voranzutreiben. Wenn Kanzlerin Angela Merkel diese Woche nach China reist, stehen die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder im Mittelpunkt. Denn während die EU ausländischen Investoren freien Marktzugang gewährt, schirmt China Schlüsselindustrien noch immer bewusst vor dem Ausland ab.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt nun, dass chinesische Investoren tatsächlich mitten ins Herz der deutschen Industrie treffen. Die Studie hat 175 chinesische Firmenbeteiligungen ab einem Anteil von zehn Prozent für die Jahre 2014 bis 2017 untersucht. Das Ergebnis: Fast zwei Drittel dieser Beteiligungen wurden genau in den zehn Schlüsselbranchen getätigt, in denen China bis 2025 eine international führende Position erreichen will. Dazu gehören zum Beispiel E-Autos, Energiesysteme und Biomedizin.

In diesen Branchen haben deutsche Unternehmen deutliche technologische Wettbewerbsvorteile und sind daher für Investoren attraktiv. "Gegenwärtig dominiert die Angst vor dem technologischen Ausverkauf. Doch ausländische Direktinvestitionen bringen auch Kapital nach Deutschland und schaffen Arbeitsplätze", sagt Studienautorin Cora Jungbluth. Chinesische Investoren hätten bisher langfristiges Interesse an ihren Firmenbeteiligungen gezeigt und teilweise Standortgarantien abgegeben.

Seit Verkündung des Strategiepapiers im Jahr 2015 gewinnen auch Bereiche an Bedeutung, die für die Chinesen zuvor nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Das zeigt das Beispiel der Biomedizin-Branche. Hier tätigten Investoren aus der Volksrepublik seit 2015 insgesamt 18 Firmenkäufe, zuvor spielte dieser Bereich so gut wie keine Rolle.

Der Großteil der chinesischen Beteiligungen verteilt sich auf nur drei Bundesländer: Baden-Württemberg (23 Prozent), Nordrhein-Westfalen (20 Prozent) und Bayern (16 Prozent). Das sind genau die Regionen, in denen viele so genannte Hidden Champions, also technologische Weltmarktführer, angesiedelt sind.

Insgesamt ist das Investitionsvolumen Chinas aber noch sehr klein: Im Jahr 2016 hielten chinesische Unternehmen nur 0,4 Prozent der Direktinvestitionsbestände in Deutschland. Aber sie steigen stark: Die Deutsche Bundesbank hat ausgerechnet, dass sich die chinesischen Direktinvestitionsbestände in nur drei Jahren von 2013 bis 2016 verdoppelt haben.

Zugleich war Deutschland 2016 das Hauptzielland für chinesische Investitionen in Europa und der achtgrößte Empfänger weltweit. Insgesamt flossen 2,4 Milliarden US-Dollar nach Deutschland, das entspricht 1,2 Prozent der gesamten chinesischen Auslandsinvestitionen. Der Großteil geht immer noch in die Nachbarländer in Asien.

Doch den Studienautoren zufolge gibt es einen sogenannten Hongkong-Effekt: Chinesische Unternehmen investieren auch über ihre Tochterunternehmen in Hongkong. Der Anteil chinesischer Investitionen, die Deutschland als Ziel haben, dürfte also weit höher liegen, als in der Statistik erfasst.

hej
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