"Rückpralleffekte" Bundesbank rechnet mit leichtem Rückgang der Wirtschaftskraft

Die Wirtschaftsentwicklung ist "nach wie vor schwach": Die Bundesbank sorgt sich um die deutsche Konjunktur - im Frühjahr könnte die Wirtschaftskraft sogar erneut gesunken sein.

VW-Fertigung in Zwickau
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VW-Fertigung in Zwickau


Das zweite Quartal dieses Jahres - also die Monate April bis Juni - wird nach Einschätzung der Bundesbank mit einem Dämpfer für die deutsche Wirtschaft enden. "Die deutsche Wirtschaftsleistung dürfte im Frühjahr 2019 leicht zurückgehen", teilte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht Juni mit. Die "konjunkturelle Grundtendenz" sei "nach wie vor schwach", schreibt die Notenbank. Ausschlaggebend hierfür sei "der anhaltende Abschwung in der Industrie".

In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent gestiegen. Vor allem die Ausgaben der Verbraucher und der Bauboom brachten Europas größte Volkswirtschaft zurück auf Wachstumskurs. Dabei halfen auch Sondereffekte: Der Bau profitierte vom vergleichsweise milden Winter. Für Impulse sorgten zudem Pkw-Käufe, die wegen Problemen der Hersteller bei der Umstellung auf neue Abgastests (WLTP) aufgeschoben worden waren.

Diese Sondereffekte werden nach Ansicht der Bundesbank-Ökonomen nun auslaufen oder sich sogar umkehren. Beim Bau sei etwa mit gewissen "Rückpralleffekten" zu rechnen. Zudem könnte das Hin und Her beim Brexit die deutsche Exportwirtschaft treffen: Hamsterkäufe, die im Vorfeld des ursprünglich für Ende März anvisierten Ausstiegs der Briten aus der Europäischen Union getätigt wurden, könnten die Exportbilanz im zweiten Quartal schmälern.

Bereits im dritten Quartal 2018 war die deutsche Wirtschaft überraschend geschrumpft. Danach hatte das Wachstum aber wieder leicht angezogen.

hej/beb/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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r_saeckler 17.06.2019
1. Ach was, plötzlich nun doch (vielleicht, eventuell)??
War nich nach Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen unisono eilfertig verkündet worden, die Quartalszahlen I/2019 seien "nur eine vorübergehende Delle", die "Aussichten hellten sich überraschend auf" usw. usf. ...?! Und nun wird das staunende Publikum ganz, ganz sachte auf die nächsten schlechten Nachrichten vorbereitet? Na gut, die Damen/Herren/Diverslinge der Grünen mögen sich darob erfreuen: sie kommen ihrem Traum vom flächendeckend renaturierten Ex-Induistrieland näher und näher...
4711_please 17.06.2019
2. Abhängigkeit von der Autoindustrie
Ich nehme an, dass die in den letzten Dekaden zugenommene Autolastigkeit der Industrie zu einer Volatilität im Wachstum führt. Da hat die Politik und die Industrie eben zuviele Eier in einen Korb gelegt, anstatt zu diversifizieren. Es gilt halt volkswirtschaftlich der gleiche Grundsatz wie beim Aktiendepot: zu einseitig erhöht das Risiko. Das sind dann die negativen Effekte einer lobbygetriebenen Politik.
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