Zweites Quartal Deutsche Exporte gehen zurück

Im ersten Halbjahr sind die Ausfuhren deutscher Firmen unter dem Strich leicht gestiegen - doch der Trend zeigte zuletzt nach unten: Von April bis Juni sind die deutschen Exporte deutlich geschrumpft.

Containerschiff im Hamburger Hafen: Der deutsche Export schwächelt
FOCKE STRANGMANN/ EPA

Containerschiff im Hamburger Hafen: Der deutsche Export schwächelt


Die deutsche Wirtschaft hat im Juni Waren im Wert von 106,1 Milliarden Euro exportiert - und damit deutlich weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zum Juni 2018 sank der Wert der Ausfuhren um acht Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das lag allerdings auch an der geringeren Zahl der Werktage in diesem Jahr.

Die Exporte sanken im zweiten Quartal jedoch auch dann, wenn man diesen Effekt herausrechnet: Kalender- und saisonbereinigt lagen die Exporte von April bis Juni in jedem Monat unter dem Wert des Vorjahres. Insgesamt betrug das Minus in dieser Berechnung im zweiten Quartal 1,3 Milliarden Euro.

Auf das gesamte erste Halbjahr bezogen lagen die deutschen Ausfuhren hingegen noch leicht im Plus. Kalender- und saisonbereinigt legte der Wert der Exporte von Januar bis Juni um 6,9 Milliarden Euro zu. Ohne diese Bereinigung betrug das Plus noch 3,6 Milliarden Euro, insgesamt exportierte die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr Waren im Wert von 666,1 Milliarden Euro. In jedem Fall waren es jedoch ausschließlich die Monate Januar bis März, die für das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr sorgten.

Auch die Importe sind zuletzt gesunken. Die Einfuhren lagen im Juni mit 89,3 Milliarden Euro um 4,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Auf das Halbjahr bezogen stiegen die Importe auf 556,2 Milliarden Euro, das waren 16,1 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Der Überschuss in der Außenhandelsbilanz sank damit von 121,3 Milliarden im Vorjahr auf 118,8 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2019.

Der größte Auslandsmarkt für deutsche Firmen waren die Mitgliedstaaten der EU. In sie exportierte die deutsche Wirtschaft im Juni Waren im Wert von 63,5 Milliarden Euro - umgekehrt importierte Deutschland Waren im Wert von 53,3 Milliarden Euro aus der EU. In Länder außerhalb der EU exportierte Deutschland Waren im Wert von 42,6 Milliarden Euro.

Damit sanken die Ausfuhren in den Rest der Welt mit 10,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr deutlich stärker als die in die EU. Hier betrug das Minus lediglich 6,2 Prozent.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

fdi



insgesamt 38 Beiträge
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herbert 09.08.2019
1. wenn Trump im nächsten Jahr abgewählt wird
dann wird die Welt wirtschaftlich wieder normal.
Daniol 09.08.2019
2. "Deutsche Exporte schrumpfen"
Wie muss ich mir das vorstellen? Die Güter verlassen Deutschland und kommen kleiner am Zielort an?
RalfHenrichs 09.08.2019
3. Gute Nachricht
Wir müssen ja den Außenhandelsüberschuss auf Null bringen. Besser wäre es natürlich, wenn dies mittels deutlicher Lohnerhöhungen (zweistellig real jeweils über etliche Jahre hinweg dürften es schon sein).
sibbi78 09.08.2019
4. Wenn die Wirtschaft durch sinkende Exporte
wieder etwas Luft bekommt, wird auch der Druck auf die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften geringer. Darüber hinaus ist ein Abbau de Exportüberschusses schon längst überfällig - kein Grund zur Panik also. Hält der Trend weiter an - und davon ist in der wirtschaftlichen Gemengelage weltweit eigentlich auszugehen - hoffe ich, dass die Regierung in den Startlöchern steht und endlich(!) in erforderlichem Maße dringend benötigte Investitionen anstößt. Mir klingt es noch in den Ohren, als dringliche Investitionen und Instandhaltungen mit Hinweis auf die fehlenden Kapazitäten in der Wirtschaft wegen Vollauslastung in die Zukunft verschoben wurden. Neue Brücken, Gleisstrecken, Straßen, Radwege, sanierte Kanäle, neue Stromtrassen, kurz: Die Infrastruktur schreit förmlich nach Investitionen. Bei weiter nachlassenden externen Ordern wird dies die Wirtschaft erfreuen. Dann mal Butter bei die Fische...
rosinenzuechterin 09.08.2019
5. Beitrag zum Klimaschutz
Sehen wir es als aktiven Beitrag Deutschlands zum Klimaschutz. Wir sollen doch weniger Waren um die Welt schippern, oder?
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