Trotz Materialengpässen Deutsche Exporte erreichen Vorkrisenniveau

Der weltweite Aufschwung hat den deutschen Exporteuren auch im Juni ein kräftiges Plus gebracht. Doch Lieferprobleme bei Vorprodukten bremsen bei einer Mehrzahl der Firmen den Aufschwung.
Container im Hamburger Hafen

Container im Hamburger Hafen

Foto: Jonas Walzberg / dpa

Erstmals seit Ausbruch der Coronapandemie haben die deutschen Exporte im Juni das Vorkrisenniveau überschritten. Die Ausfuhren lagen um 1,1 Prozent und die Importe sogar 10,0 Prozent höher als im Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Pandemie-Einschränkungen in Deutschland. Die Exporte stiegen damit bereits zum 14. Mal in Folge, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Insgesamt wurden im Juni Waren im Wert von 118,7 Milliarden Euro ins Ausland geliefert. Das waren 23,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und 1,3 Prozent mehr als im Mai 2021. Im ersten Halbjahr stiegen die Exporte um 16,7 Prozent auf 673,1 Milliarden Euro gegenüber den ersten sechs Monaten 2020. Die Einfuhren legten im selben Zeitraum um 15,4 Prozent auf 576,4 Milliarden Euro zu.

Damit konnten die deutschen Exporteure ihre Erfolgsserie trotz Produktionsbehinderungen durch Materialengpässe fortsetzen. Das Plus im Juni fiel gut dreimal so stark aus wie von Ökonomen vorhergesagt.

»Auch wenn die gut gefüllten Auftragsbücher sich in Anbetracht fehlender Vorprodukte nicht in einer entsprechend hohen Produktion niederschlagen, die Exporte können von der guten Auftragslage profitieren«, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. »Den Unternehmen gelingt es also zumindest, so viele Produkte in den Versand zu geben, dass es für ein Plus bei den Exporten reicht.«

Im Juni wuchsen die Ausfuhren zum wichtigsten Exportkunden USA um fast 40 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro, die nach Großbritannien um 11,0 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro und die nach China um 16,0 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Das Auslandsgeschäft mit den EU-Ländern legte um 26,1 Prozent auf 64,5 Milliarden Euro zu.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat seine Exportprognose wegen der von den USA und China angeführten Erholung der Weltwirtschaft kürzlich erhöht. Deutsche Firmen dürften demnach 2021 acht Prozent mehr ausführen. Wegen der Coronakrise waren die Exporte 2020 um mehr als neun Prozent eingebrochen.

Ökonomen warnen vor Ausfällen durch Lieferengpässe

Sorgen bereiten den Unternehmen allerdings Materialmangel und knappe Rohstoffe. Einer Ifo-Umfrage zufolge beklagen inzwischen 64 Prozent der befragten Industrieunternehmen Engpässe und Probleme bei Vorlieferungen als Hindernis für ihre Produktion. Derzeit bedienten die Hersteller die Nachfrage noch aus ihren Lagern, »aber die leeren sich nun auch zusehends«, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Wird wegen fehlender Teile weniger produziert, kann nicht so viel exportiert werden.

Ökonomen warnen, insbesondere der Mangel an Mikrochips könnte in den kommenden Monaten zu weiteren Lieferproblemen in Schlüsselsektoren wie der Autoindustrie führen.

mmq/Reuters/dpa-AFX