Negative Handelsbilanz Deutschland hat im Mai mehr importiert als exportiert – erstmals seit 2008

Der Wert der Einfuhren nach Deutschland übersteigt erstmals seit Langem den der Ausfuhren. Die Industrie befürchtet bereits einen Exportabschwung. Schuld sind auch die Energiepreise.
Ein Containerschiff im Hamburger Hafen im Juni

Ein Containerschiff im Hamburger Hafen im Juni

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Axel Heimken / dpa

Exportweltmeister adé: Erstmals seit mindestens 14 Jahren hat Deutschland im Mai eine negative Handelsbilanz ausgewiesen. Der Wert der Importe aus anderen Ländern nach Deutschland überstieg den Wert der Exporte, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Die Einfuhren legten gegenüber dem Vorjahresmonat demnach um 27,8 Prozent auf 126,7 Milliarden Euro zu. Die Ausfuhren stiegen um 11,7 Prozent auf 125,8 Milliarden Euro. Die Außenhandelsbilanz schloss kalender- und saisonbereinigt mit einem Minus von rund einer Milliarde Euro.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts war es das erste Handelsbilanzdefizit in einem Monat seit Januar 2008. Die Zahlen vor 2008 seien wegen einer Umstellung der Statistik nicht vergleichbar. Europas größte Volkswirtschaft hatte jahrelang mehr exportiert als importiert. Das sorgte bei Handelspartnern immer wieder für Kritik. Vor allem der frühere US-Präsident Donald Trump störte sich daran.

Gleichzeitig ist Deutschland abhängig von Energieimporten aus dem Ausland. Die Preise für Öl und Gas sind seit Beginn des Ukrainekriegs massiv gestiegen.

Probleme in den Lieferketten, Lockdowns in China

Gegenüber dem Vormonat April verringerten sich die Warenausfuhren im Mai um 0,5 Prozent, die Importe stiegen dagegen um 2,7 Prozent. »Der Exportabschwung ist eingeläutet«, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. »Die Exporteure sind immer weniger in der Lage, die durch Lieferketten bedingten Kostensteigerungen an internationale Kunden weiterzureichen.« Außerdem kämen wichtige Importgüter zur Weiterverarbeitung häufig nicht an, insbesondere wegen der Coronalockdowns in China. Ein Ende der Preissteigerungen und Lieferkettenprobleme sei nicht in Sicht.

Auch nach Einschätzung des Branchenverbands BGA sind die Aussichten düster. Derzeit würden die Exporte vor allem durch ein Plus im Handel mit den USA getragen, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura. Die Auftragsbücher der Unternehmen seien zwar noch gefüllt, aber die Bestellungen würden seltener. »Und die Lage kann noch dramatischer werden, sollte es zu einem Abbruch der Gaslieferungen aus Russland kommen.« Er halte mehr Freihandel daher für alternativlos.

Die Exporte nach Russland legten im Mai trotz der Sanktionen gegen das Land gegenüber dem Vormonat um 29,4 Prozent auf 1,0 Milliarden Euro zu.

kko/dpa
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