Ruinöse Viehpreise "Kälber billiger als Kanarienvögel"

Kälber kosten nach SPIEGEL-Informationen inzwischen unter neun Euro. Solche Billigpreise seien "die traurige Begleiterscheinung der industriellen Landwirtschaft", sagt der Grünenpolitiker Ostendorff.

DPA

Viehzüchter in Deutschland sehen sich derzeit einem beispiellosen Preisverfall ausgesetzt. Ein schwarzbuntes Kuhkalb war im Oktober noch 8,49 Euro wert. Der von einem Branchendienst ermittelte Preis geht aus einer Antwort des Landwirtschaftsministeriums an den grünen Bundestagsabgeordneten Friedrich Ostendorff hervor.

Verantwortlich für den Preisverfall seien Vermarktungsbeschränkungen aufgrund der Blauzungenkrankheit, heißt es aus dem Ministerium. Auch Transportbeschränkungen, etwa nach Spanien, sorgten zuletzt für ein Überangebot an weiblichen Kälbern, die im Juni noch knapp 30 Euro kosteten.

Ministerin Julia Klöckner (CDU) hatte in einem Brief an ihren bayerischen Amtskollegen Zweifel geäußert, ob derartige Transporte mit der EU-Verordnung vereinbar seien. Wenige Wochen alte Tiere sind dabei oft über 19 Stunden im Laster unterwegs. Tiergerecht, so Ostendorff, sei das nicht.

Mit den Beschränkungen allein sei der Preisverfall aber kaum zu erklären. Der grüne Agrarexperte hält andere Gründe für gewichtiger: Die Billigpreise seien "die traurige Begleiterscheinung der industriellen Landwirtschaft", sagt Ostendorff. "Die intensive Milchproduktion führt auch dazu, dass zu viele Kälber für den Markt produziert werden."

Ottmar Ilchmann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft hält die Preise für einen Skandal: "Da kostet ein Kalb weniger als ein Kanarienvogel." Die einseitige Züchtung bestimmter Rassen nur auf Milchleistung mache deren Nachwuchs für die Mast unwirtschaftlich. Hinzu komme, dass die Futtervorräte durch die Trockenheit knapp seien. "Diese dünnen Kälber gelten oft nicht mehr als Tiere, sondern nur noch als Schaden."

nkl



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