Vorwurf der Benachteiligung Bahn-Konkurrenten fürchten den Deutschlandtakt

Mit einer Qualitätsoffensive will Verkehrsminister Andreas Scheuer die Deutsche Bahn attraktiver machen. Doch die Konkurrenten warnen vor Nachteilen - für sich selbst und auch für die Kunden.

Flixtrain-Lok neben einem Zug der Deutschen Bahn
Christian Charisius / DPA

Flixtrain-Lok neben einem Zug der Deutschen Bahn


Zugfahren soll pünktlicher und schneller werden, das Erreichen der Anschlüsse direkter und verlässlicher - das zumindest versprechen die Deutsche Bahn und Verkehrsminister Andreas Scheuer mit dem "Deutschlandtakt". Dieser soll ab 2021 starten.

Doch die private Konkurrenz auf der Schiene sieht das Vorhaben kritisch. Laut "Süddeutscher Zeitung" fürchten Unternehmen wie Flixbus massive Nachteile. "Man muss aufpassen, dass aus dem Deutschlandtakt kein DB-Takt wird", sagt Fabian Stenger, der Deutschland-Chef von Flixbus, der "SZ". "Für den Fahrgast wäre das eine Katastrophe." Nur durch Wettbewerb könnten die hohen Passagierziele für die Schiene und die Klimaziele für das Land wirklich erreicht werden, sagte Stenger.

Flixbus bietet über die Tochter Flixtrain bislang vier Fernstrecken auf der Schiene als Alternative zu DB-Verbindungen an. Dazu zählen die Verbindungen von Köln nach Berlin und Hamburg sowie zwischen Berlin und Stuttgart.

Flixtrain mit seinen grünen Zügen ist der bekannteste Konkurrent für den Schienenfernverkehr der Deutschen Bahn (IC und ICE). Im vergangenen Jahr hat Flixtrain rund 750.000 Fahrkarten verkauft. Im Fernverkehr der bundeseigenen Deutschen Bahn waren es gut 145 Millionen.

Kunden können durch die zusätzliche Konkurrenz von niedrigeren Preisen profitieren. Flixtrain will sich nicht nur auf Deutschland beschränken, sondern bis 2020 erste Zugfahrten im Ausland anbieten. Die ebenfalls zum Konzern gehörende Marke Flixbus verkauft bereits jetzt Fernbusfahrten in 28 Ländern.

Flixbus-Chef kritisiert auch Pläne für günstigere Zugtickets

Die Betreiber privater Bahnen fürchten laut "SZ", dass es in einem engmaschigen Deutschlandtakt noch schwerer wird, Kunden alternative Angebote zu ICE und IC zu machen. Der Deutschlandtakt der Bahn sieht vor, dass Züge ähnlich wie S-Bahnen in einem festen Takt abfahren. Auch die Zahl der Verbindungen soll steigen.

Flixbus-Chef Stenger kritisierte auch Pläne, Bahntickets im Fernverkehr günstiger machen. Es sei nicht zu verstehen, warum Passagiere in Taxis oder dem ICE sieben Prozent Mehrwertsteuer zahlen sollten, im Fernbus aber 19 Prozent, sagte Stenger. Die Verkehrsträger unterschiedlich zu besteuern sei aus "Verbrauchersicht völlig unverständlich". Mit Blick auf das von Flixbus betriebene Fernbusangebot sagte Stenger, auch der Bus sei ein klimafreundliches Verkehrsmittel.

Gewerkschafter sehen den Fernbusbetreiber Flixbus kritisch. Ver.di hat mehrfach die Ausbeutung von Fahrern und Lohndumping bei der Firma Flixmobility moniert.

mmq

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nocheinwort 15.05.2019
1. Busse sind besser gestellt
Die Busse zahlen nicht für die Infrastruktur und müssen auch die Fahrgäste bei Verspätungen nicht so entschädigen wie die Bahn. Da von Benachteiligung zu sprechen ist schon dreist. Wenn die Bahn ihr Angebot verbessert wird es für die Konkurrenten schwieriger 'Rosinenpickerei' zu treiben. Das kann langfristig für die Kunden nur besser sein, wenn der Wettbewerb über die Qualität und nicht nur über Lohndumping erfolgt.
andibaer 15.05.2019
2. Die Worte hör ich wohl ...
... allein, mir fehlt der Glaube. Als Bahnfahrer seit fast 40 Jahren habe ich schon einiges mitgemacht und glaube, dass die Bahn das mit dem heutigen Fahrzeugpark und dem vorhandenen Personal nicht schaffen wird. Es ist ein guter und auch notwendiger Ansatz (Klimaziele!), aber die Bahn ist meines Erachtens in zu vielen Zwängen, als dass es sich umsetzen ließe. Ich lasse mich aber gerne positiv überraschen.
Circular 15.05.2019
3. Der MwSt.-Satz unterscheidet nicht nach Verkehrsmittel
sondern nach Entfernung. So wird im Regionalverkehr mit 7% besteuert und im Fernverkehr mit 19%. Da Flixbus nicht im Regionalverkehr fährt, bezahlen die ebenso wie der ICE 19%. Wer etwas anderes behauptet, weiß es nicht besser oder will bewusst in die Irre führen.
anton_ansichtsbuch 15.05.2019
4. Gibt es Pünktlichkeitsstatistiken für Fernbusse?
Nichts schlimmer, als im Fernbus im Stau zu stecken. Die Bahnverspätungen stören mich da deutlich weniger, zumal es ab 60 Min. Geld zurückgibt. Umweltfreundlicher ist die Bahn auch, und sie ermöglicht ein würdevolles Reisen mit viel Beinfreiheit. Der Bahn-Nahverkehr ist da deutlich schlechter. Wer von IC oder ICE auf eine der Privatbahnen umsteigt, schluckt schon beim Design. Die Züge von "Metronom" sind besonders unschön in blau und gelb gehalten, und überdies oft unpünktlich. Wenn schon die S-Bahnen den Takt nicht halten können, sollte man bei Fernzügen erst recht alle Hoffnung schwinden lassen. Weitgehend separate Netze für Fern-, Güter- und Nahverkehr sowie technisch verlässlicher Züge könnten helfen. Aber unser Staat repariert lieber Straßen und Autobahnen. Lasst uns doch die Schienenwege sechsspurig ausbauen!
ptb29 15.05.2019
5. Flixtrain ist kein Konkurrent zur DB
Wenn nur der Fahrpreis das Kriterium für die Nutzung ist, kann jeder Reisen, wie er will. Aber in alten, langsamen Zügen zu fahren, nur um ein paar Euro zu sparen, nein Danke. Die Passagiere, die mit der DB reisen, werden sich überpünktlichere Züge freuen. Und das Flixbus ausgerechnet die Umweltkeule rausholt, wo sie gleichzeitig mit den Bussen dem Schienenverkehr Konkurrenz machen, war zu erwarten.
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