Dicamba USA lassen umstrittenen Unkrautvernichter von Bayer und BASF für fünf Jahre zu

Der Glyphosat-Streit ist noch nicht beigelegt, da drängt Bayer bereits mit dem nächsten Unkrautvernichter auf den Markt. Bauern fürchten, dass Dicamba ihre Ernte schädigt, wenn sie nicht auf Genpflanzen setzen.
Testfeld der University of Wisconsin mit Sojabohnen: Wie weit wirkt Dicamba?

Testfeld der University of Wisconsin mit Sojabohnen: Wie weit wirkt Dicamba?

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TOM POLANSEK/ REUTERS

Bayers Streit um Krebsrisiken durch Glyphosat liegt aktuell vor dem obersten Gerichtshof Kaliforniens. Doch während sich die Prozesse wegen des umstritten Unkrautvernichters bereits seit Jahren unvermindert hinziehen, hat der Leverkusener Chemiekonzern gemeinsam mit dem Ludwigshafener Chemieunternehmen BASF mit Dicamba bereits ein weiteres Pflanzengift lanciert. Auch dieses Produkt sorgt für heftige Auseinandersetzungen.

Die US-Umweltbehörde EPA hat den Einsatz von Dicamba trotz starker Kritik nun für fünf Jahre genehmigt. "Mit der Entscheidung haben Landwirte die nötige Planungssicherheit für ihre Anbausaison 2021", sagte EPA-Leiter Andrew Wheeler. Die Zulassungen betreffen die Produkte XtendiMax von Bayer, Engenia von BASF sowie Tavium Plus der Schweizer Firma Syngenta. Auch in Brasilien ist Dicamba bereits zugelassen.

Die Zulassung der EPA sorgt für Diskussion. Im Juni noch war der Verkauf von Dicamba in den USA nach Klagen juristisch untersagt worden. Ein Gericht in San Francisco hatte dem Umweltamt Fehler bei der ursprünglich 2018 erteilten Zulassung attestiert und dem Mittel die Registrierung entzogen. Verkauf und Verwendung wurden untersagt, weil die Risiken im Zusammenhang mit Dicamba unterschätzt würden.

Erbitterte Fehden unter US-Farmern wegen Dicamba-Einsatz

Der Hintergrund ist: Das Mittel wird auf gentechnisch veränderte Sojabohnen und Baumwolle gesprüht. Falls es jedoch auf nahe gelegene Getreidefelder mit nicht-resistenten Pflanzen geweht wird, kann es zu Schäden kommen. Landwirte, die kein entsprechend Gen-verändertes Saatgut einsetzen, fürchten deshalb Ernteausfälle. Weil Dicamba auf benachbarte Felder weht, gibt es seit Jahren erbitterte Fehden zwischen US-Farmern. Wie weit Ackergifte sich durch die Luft ausbreiten können, hatte zuletzt auch eine Studie unter Beteiligung des Umweltinstituts München für Deutschland gezeigt.

In den USA betonte EPA-Chef Wheeler, die nun erteilte Genehmigung gehe mit neuen Kontrollmaßnahmen einher, die eine sichere und umweltschonende Anwendung der Produkte gewährleisten solle. So soll es einen Stichtag geben, bis zu dem Soja- und Baumwollfarmer das Mittel anwenden dürfen, und die Pufferzone zu anderen Feldern muss vergrößert werden. Hinzu kommt die Beimischung eines Wirkstoffs, der die Drift auf Nachbarfelder verringern soll.

Ein Händler erklärte, Bayer könne nun XtendFlex-Sojabohnen für den Anbau in den USA auf den Markt bringen in Kombination mit dem XtendiMax-Unkrautvernichter. Wie stark der Umsatz in der neuen Saatsaison damit ausfalle, bleibe zunächst aber schwer abzuschätzen. So hatte Bayer die Anleger Ende September auf ein schwieriges Agrargeschäft 2021 eingestellt und dabei auch auf niedrige Preisen für wichtige Nutzpflanzen, intensiven Wettbewerb bei Soja und einen geringeren Biokraftstoffverbrauch verwiesen.

Den Bayer-Aktien halfen die Neuigkeiten aus den USA am Mittwoch nicht. Sie fielen in einem sehr schwachen Gesamtmarkt zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent. Die Bayer-Papiere kosteten zuletzt gut 40 Euro. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2015 lag der Kurs noch bei 146 Euro.

apr/dpa
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