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09. April 2014, 17:47 Uhr

Spielzeugfirma Lego

Klötzchen statt kleckern

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Lego stand 2004 vor der Pleite - nun ist das dänische Unternehmen zum zweitgrößten Spielzeughersteller der Welt aufgestiegen. Am Donnerstag startet der erste Lego-Kinofilm in Deutschland. Anlass für die Frage: Was hat Lego wieder groß gemacht?

Hamburg - Die gelbe Plastik-Figur Wildstyle schießt mit einer Laserkanone auf die Abwehrbarrikaden der bösen Roboter. Der Stützpunkt explodiert, Steine fliegen umher.

Was nach einem Science-Fiction-Film klingt, ist eine Szene aus dem ersten Film des Spielzeugherstellers Lego. Am 10. April startet der Film in deutschen Kinos. Hauptfigur Emmet stürzt sich in ein Filmabenteuer, in dem er versucht, böse Tyrannen aufzuhalten.

In den USA ist der Animationsfilm ein Kassenschlager: 230 Millionen Dollar hat "The Lego Movie" eingespielt. Nur vier Animationsfilme waren jemals erfolgreicher.

Rekordjahr für Lego

Der Film passt gut zur aktuellen Entwicklung des dänischen Spielwarenherstellers. Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr einen prächtigen Gewinn von 920 Millionen Euro, ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Das war ein Rekordjahr für Lego", sagte Lego-Konzernchef Jørgen Vig Knudstorp in Billund bei der Vorstellung der Jahreszahlen im Februar.

Seit 2012 macht das Unternehmen erstmals mehr Umsatz als der US-Actionfiguren-Hersteller Hasbro - damit ist Lego zweitgrößter Spielzeughersteller der Welt. Nur der US-amerikanische Barbiepuppen-Hersteller Mattel ist noch größer (siehe Grafik).

Dabei stand das Unternehmen noch vor einigen Jahren kurz vor dem Ruin. Anfang der 2000er Jahre trieb der Vormarsch der Videokonsolen und Computerspiele den Spielzeughersteller fast in den Bankrott. Kinder saßen lieber vor der Playstation, als mit Bauklötzchen zu spielen. Im Jahr 2004 war der Umsatz auf rund 900 Millionen Euro eingebrochen, der Konzern schrieb rote Zahlen.

Doch wie schaffte Lego den Turnaround? Vor allem Konzernchef Knudstorp gilt als Macher des Erfolgs. Mit gerade einmal 35 Jahren wurde er vom Familieneigner Kjeld Kirk Kristiansen im Jahr 2004 an die Lego-Spitze berufen. Der ehemalige McKinsey-Berater stellte das Unternehmen neu auf und brachte Lego auf Kurs. Knudstorp löste sich von Nebengeschäften, verkaufte die Mehrheit der Lego-Parks an einen US-Investor und lagerte das Kindermodegeschäft aus. Das Unternehmen schloss eine Fabrik in der Schweiz und strich Stellen in Dänemark. "Ich hatte mir vorgenommen, Lego mit derselben Effizienz wie ein Privatinvestor zu führen", sagte Knudstrop im Rückblick.

Neuer Absatzmarkt in China

Ein weiterer Clou: Der Hersteller schaffte es, klassische Lego-Spielfiguren mit der digitalen Welt zu verbinden. So erwarb Lego vom Medienkonzern Lucasfilm das Recht, "Star Wars"-Figuren herzustellen und zu verkaufen. Seit Jahren gehören die "Star Wars"-Figuren von Lego zu den Verkaufsschlagern der Gruppe. Lego-Männchen aus der Welt von "Star Wars", "Harry Potter" und "Der Herr der Ringe" tauchen zudem in Videospielen auf.

Vom Image eines altbackenen Bauklötzchen-Herstellers zu einer Kultmarke mit Innovationskraft - das ist wohl die Hauptleistung Knudstorps. Während früher fast ausschließlich Jungs mit Lego spielten, richtet sich die vor knapp zwei Jahren eingeführte Produktlinie "Friends" vor allem an Mädchen. Mit "Lego for Men" schafft es das Unternehmen auch erwachsene Kunden anzusprechen und Spielzeug zu verkaufen, das mehrere hundert Euro kostet. "Lego hat seine alten Kunden nicht verloren und gewinnt darüber hinaus neue Kundenschichten", sagt Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands des Spielwaren-Einzelhandels.

Nun ist China dran. In der Stadt Jiaxing soll in diesem Jahr die erste Lego-Fertigungsstätte gebaut werden. Mit rund 2000 Beschäftigten soll sie ab 2017 Klötzchen für den asiatischen Markt produzieren.

Knudstorp gibt sich zuversichtlich, dass Lego in den nächsten zwanzig Jahren den globalen Markt erobern kann. "Lego versteht jedes Kind auf der Welt, egal in welcher Kultur", sagt Knudstorp. Klötzchen auf Klötzchen setzen, die eigene Welt erschaffen - da brauche es keine Bedienungsanleitung.

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