Sorge um Fahrverbote Handwerksbetriebe sehen Wachstum in Gefahr

Handwerker fürchten die Sperrzonen für ihre Firmenautos, die meist mit Dieselmotoren ausgestattet sind. Ihre Verbandsvertreter sehen bereits Gefahr für das Wirtschaftswachstum insgesamt.
Handwerkerverkehr in Stuttgart

Handwerkerverkehr in Stuttgart

Foto: imago/Lichtgut

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sieht in drohenden Fahrverboten für Dieselfahrzeuge eine Gefahr für den Aufschwung in Deutschland. Die Autoindustrie müsse endlich ihrer Verantwortung gerecht werden, forderte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke während der Vorstellung des Herbst-Konjunkturberichts. Die Politik müsse für Klarheit sorgen und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zügig eine Nachrüstrichtlinie erlassen, die unbürokratisch und pragmatisch ausgestaltet sei. Für Unternehmen und Betriebe gebe es derzeit viele unbekannte Variablen. "Das kann längerfristig das Wachstum hemmen."

Den Kurs der Bundesregierung in der Dieselkrise nannte der Handwerksverband "inakzeptabel". "Dass jetzt vielen Autofahrern tatsächlich Fahrverbote drohen, liegt an der Tatenlosigkeit von Politik und Autoindustrie in den vergangenen Jahren", sagte Schwannecke. "Hätte man sofort zu Beginn der Krise reagiert, wäre es vermutlich nicht zu Fahrverboten gekommen."

In ihrem Herbst-Konjunkturbericht hebt die Branche ihre Umsatzprognose für das laufende Jahr deutlich an. Erwartet wird nun ein Plus von fünf Prozent. Im Frühjahr hatte der Verband noch ein Umsatzwachstum von rund drei Prozent erwartet.

Die Branche profitiert von der hohen Auslastung. Auch die Bauinvestitionen steigen weiter, etwa im Wohnungsbau. Außerdem erlaube eine bessere Finanzlage den Kommunen wieder mehr Infrastrukturinvestitionen.

Handwerk fordert grundlegende Reformen

2018 werde das Handwerk erneut voraussichtlich 30.000 Mitarbeiter einstellen, hieß es. In jedem fünften Betrieb seien neue Beschäftigte hinzugekommen. Die Kehrseite der guten Konjunktur im Handwerk sei aber, dass die Betriebe an ihren Kapazitätsgrenzen arbeiteten. Es finde sich nicht genügend Personal, der Wettbewerb und die Konkurrenz um Fachkräfte sei groß. Das Ergebnis sei, dass die Wartezeiten für die Kunden länger würden. "Gerade Letzteres ist auch für die Betriebe und Unternehmen im Handwerk eine unbefriedigende Situation", heißt es.

Der ZDH forderte die Regierung zu grundlegenden Reformen auf. "Sie muss tätig werden beim längst überfälligen analogen wie digitalen Infrastrukturausbau, der zukunftsfesten Umgestaltung der Sozialversicherungssysteme, einem für unsere Betriebe spürbaren Bürokratieabbau und vor dem Hintergrund des internationalen Steuerwettbewerbs mit einer Unternehmenssteuerreform", sagte ZDH-Generalsekretär Schwannecke.

mmq/dpa