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02. Januar 2018, 08:29 Uhr

Streit um Subventionen

Handwerk kritisiert Dieselkurs von VW - "Erstaunlich kundenfeindlich"

VW-Chef Matthias Müller will sein Image polieren und fordert: Schluss mit Steuervergünstigung für Diesel-Motoren! Dem Handwerk treibt das den Puls hoch - genau damit habe VW viele Betriebe überzeugt, Diesel zu kaufen.

Für seine Forderung, Förderung für Dieselkraftstoffe zu beenden, hat VW-Chef Matthias Müller Lob bekommen, von Umweltverbänden etwa. Die eigenen Kunden hingegen sind nicht begeistert von dem Vorstoß.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hat VW scharf angegriffen. Erst habe der Autobauer mit Verweis auf die niedrigeren Dieselkosten um Käufer geworben, jetzt falle er ihnen in den Rücken. "Uns wurden diese Fahrzeuge auch mit dem Argument verkauft, dass der Diesel weniger verbraucht und der Kraftstoff günstiger ist", zitiert der "Tagesspiegel" Wollseifer. Hunderttausende Firmen hätten daraufhin entsprechende Fahrzeuge gekauft. Wenn dann "der größte Hersteller für die Abschaffung der Dieselsubvention plädiert, dann ist das erstaunlich kundenfeindlich".

Müller hatte die Steuervorteile für Dieselsprit in Zweifel gezogen. Seine Kernbotschaft: "Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden."

Konkret schlug Müller eine schrittweise Umschichtung der Steuererleichterungen vor. Das Geld "könnte sinnvoller in die Förderung umweltschonender Antriebstechniken investiert werden". Kürzungen "bei den Dieselsubventionen, dafür Anreize für Elektroautos, wären das richtige Signal. Das würden wir aushalten, ohne gleich Existenzängste haben zu müssen".

Müllers Vorstoß hatte neben Zustimmung auch in Teilen schrille Kritik ausgelöst. So bezeichnete FDP-Generalsekretärin Nicola Beer den Manager als "Diesel-Judas".

Die Kunden im Handwerk treibt indessen auch die Sorge um Fahrverbote um. Umfangreiche Nachrüstungen seien erforderlich. "Mit Software-Updates ist es nicht getan, wir brauchen entsprechende Katalysatoren und den flächendeckenden Einsatz von Harnstofftechnik", so Handwerkspräsident Wollseifer. Die Nachrüstung sei Aufgabe der Hersteller.

Wenn es "ganz dicke kommt", dürften künftig auch Handwerker bei bestimmten Wetterlagen nicht in bestimmte Städte fahren: "Dann können sie die Städte nicht mehr versorgen." Im Handwerk stehe man für Fehler und Mängel gerade und bringe das in Ordnung. "Nichts anderes erwarten wir von den Autoherstellern", sagte Wollseifer.

beb/dpa-AFX

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