Neue Studie Dieselaffäre kostet Deutschland rund 20 Milliarden Euro

Die Manipulation von Dieselmotoren hat laut einer neuen Studie einen gewaltigen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht. Ohne den Betrug hätte der Antrieb demnach sogar als gute Alternative zur E-Mobilität getaugt.
Zurückgekaufte VW-Dieselautos in den USA 2018: Ruf dauerhaft beschädigt

Zurückgekaufte VW-Dieselautos in den USA 2018: Ruf dauerhaft beschädigt

Foto: LUCY NICHOLSON/ REUTERS

Lange lamentierten die deutschen Autokonzerne über den Niedergang des Diesel. Mal machten sie die Politik für den Absturz des Selbstzünders verantwortlich, mal die Deutsche Umwelthilfe. Eine neue Studie  zweier Wirtschaftswissenschaftler der RWTH Aachen macht nun deutlich: Die Autoindustrie hat das Diesel-Desaster zu großen Teilen selbst zu verantworten. Denn erst durch den Abgasbetrug wurde der an sich vorteilhafte Antrieb zur Dreckschleuder - und damit zum Kostenfaktor für die ganze Gesellschaft.

Allein in Deutschland habe der Dieselbetrug einen gesellschaftlichen Schaden von rund 20 Milliarden Euro verursacht, ergab die RWTH-Studie mit dem Titel "External costs of the Dieselgate" ("Die externen Kosten der Dieselaffäre"). Die Wirtschaftswissenschaftler Frank Baumgärtner und Peter Letmathe analysierten die Daten von 49 Fahrzeugmodellen und berechneten die volkswirtschaftlichen Kosten der überhöhten Abgaswerte.

Diese Kosten ergeben sich zum Beispiel aus der verstärkten Luftverschmutzung. Den Preis für die schädlichen NOx-Emissionen ermittelten die Forscher mithilfe der sogenannten NEEDS-Datenbank  der Europäischen Union. Demnach erzeugten die Abgastricks gesellschaftliche Kosten von jährlich 2,5 Milliarden Euro. Durch eine teils sechsfache Überschreitung der Grenzwerte sei der Diesel zum umweltschädlichsten Antrieb geworden. Der manipulierte VW-Motor EA189 wurde zwischen 2008 und 2015 eingebaut, ab Anfang 2016 versah der Konzern betroffene Autos mit einem Update.

Saubere Dieselautos "durchaus möglich"

Der Vergleich mit neueren Fahrzeugen zeigt laut Studie aber auch, "dass es durchaus möglich ist, saubere Dieselmotoren zu konstruieren." Die neuen Diesel schnitten bei den externen Kosten oft sogar besser ab als Elektroautos. "Diese Chance", so die Autoren, "wurde jedoch von der Automobilindustrie verpasst". Durch die Manipulationen habe sie den Ruf des Diesels dauerhaft beschädigt.

Oder anders formuliert: Ohne den Betrug hätte der Diesel als Alternative zur E-Mobilität vielleicht noch eine große Zukunft gehabt.

DER SPIEGEL 47/2020

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