Dieselskandal Britisches Gericht gibt 90.000 Klägern gegen VW recht

In der Abgasaffäre hat Volkswagen in Großbritannien einen Prozess verloren: Der High Court sah es als erwiesen an, dass der Autokonzern illegale Software in Dieselautos einbaute.
VW-Logo an einem Wagen

VW-Logo an einem Wagen

Foto: Jochen Lübke/ dpa

Rund 91.000 Kunden von Volkswagen in Großbritannien haben einen juristischen Sieg errungen. Am Montag sah es der High Court of Justice in London als erwiesen an, dass VW illegale Software in Fahrzeuge einbaute, die in Großbritannien verkauft wurden.

Konkret habe Volkswagen dem Gericht zufolge in Tausenden seiner Dieselfahrzeuge unrechtmäßige "Abschaltvorrichtungen" eingebaut, berichtete der "Guardian" . Demnach war es die erste große Entscheidung in einer Musterfeststellungsklage wegen des Dieselskandals in England und Wales. Etwa 90.000 Besitzer von Dieselautos der Marken VW, Audi, Seat und Skoda hatten darin auf Schadensersatz geklagt.

Ob es eine Entschädigung gibt und wie hoch die ausfallen würde, muss die Justiz in einem gesonderten Verfahren entscheiden. Volkswagen reagierte "enttäuscht" auf das Urteil. Der Konzern erwäge, in Berufung zu gehen, teilte VW mit.

1,2 Millionen Fahrzeuge in Großbritannien betroffen

Die Klägeranwälte führten dem "Guardian" zufolge vor Gericht an, dass VW die europäischen Emissionsnormen, die "Leben retten" sollten, "betrogen" habe, indem es die ungesetzlichen Vorrichtungen in seine Dieselfahrzeuge eingebaut hatte. Im Straßenverkehr sei der gesetzliche Grenzwert für den Ausstoß von Stickstoffdioxid bis um das 40-Fache überschritten worden.

Im September 2015 hatte Volkswagen nach Prüfungen von Behörden und Recherchen von Forschern in den USA Manipulationen an den Abgaswerten von Dieselautos zugegeben. Die Software bestimmter Motoren war so eingestellt, dass im tatsächlichen Betrieb auf der Straße deutlich mehr giftige Stickoxide (NOx) ausgestoßen wurden als in Tests.

Dem "Guardian" zufolge waren weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, darunter fast 1,2 Millionen in Großbritannien. In Zusammenhang mit dem Dieselskandal zahlte VW bereits mehr als 30 Milliarden Euro an Strafen und Entschädigungen, vor allem in den USA.

In Deutschland hatte VW mit dem Verbraucherzentralen Bundesverband (vzbv) zuletzt mühsam einen außergerichtlichen Vergleich errungen. Den wollen offenbar viele Kläger annehmen: Ende März teilte VW mit, eine Woche nach dem Start hätten sich nahezu 200.000 Betroffene auf der Vergleichsplattform des Konzerns registriert.

kko/AFP
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