Gegen Geldzahlung Ermittlungen gegen VW-Chefkontrolleur Pötsch eingestellt

Die Ermittlungsverfahren gegen VW-Chefaufseher Hans Dieter Pötsch und Ex-VW-Chef Matthias Müller sind beendet - im Fall Pötsch gegen eine Zahlung von 1,5 Millionen Euro. Für die muss er nicht einmal selbst aufkommen.
Verfahren gegen Geldzahlung eingestellt: Matthias Müller, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des VW-Aufsichtsrates

Verfahren gegen Geldzahlung eingestellt: Matthias Müller, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des VW-Aufsichtsrates

Foto: Silas Stein / DPA

Die oberste Führungsriege von Volkswagen muss vorerst keine rechtlichen Folgen des Dieselskandals gegen das Management befürchten. Der Chef der VW-Holding Porsche SE, Hans Dieter Pötsch, muss sich auch in Stuttgart keinem Gerichtsverfahren wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation stellen. Die Staatsanwaltschaft hat entsprechende Ermittlungen gegen ihn und Ex-Volkswagen-Chef Matthias Müller im Zusammenhang mit dem Dieselskandal nach rund dreieinhalb Jahren eingestellt, wie eine Sprecherin sagte - im Fall von Pötsch gegen Zahlung von 1,5 Millionen Euro.

Die Ermittlungen  drehten sich um den Verdacht, die finanziellen Konsequenzen der VW-Dieselaffäre für die Porsche SE (PSE) seien den Anlegern zu spät mitgeteilt worden. Die PSE weist die Vorwürfe als unbegründet zurück. Die Holding ist die Hauptaktionärin von VW.

Müller war von September 2015 bis April 2018 VW-Chef und hatte auch dem PSE-Vorstand angehört. Zuvor war er fünf Jahre lang Vorstandsvorsitzender der Porsche AG. PSE-Chef Pötsch ist zugleich Aufsichtsratschef bei VW. Von 2003 bis Oktober 2015 war Pötsch VW-Finanzvorstand, danach übernahm er den Chefposten der Porsche-Holding.

Zahlung "im Interesse des Unternehmens"

Vor drei Monaten war bereits das Strafverfahren gegen Pötsch und den aktuellen VW-Chef Herbert Diess am Landgericht Braunschweig vor Prozessbeginn per Geldauflage beendet worden. Neun Millionen Euro - 4,5 Millionen pro Person - hat Volkswagen dafür überwiesen.

Auch im Stuttgarter Ermittlungsverfahren zahlt Pötsch die Geldauflage nicht selbst - PSE übernimmt die Rechnung: "Nach Einschätzung des Aufsichtsrats liegt die Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Herrn Pötsch im Interesse des Unternehmens", teilte ein Sprecher mit. Der Aufsichtsrat sei überzeugt, dass es keine Anhaltspunkte für Rechtsbrüche der Vorstandsmitglieder gebe, und habe deshalb "entschieden, dass die Porsche SE die von Herrn Pötsch zu zahlende Geldauflage übernimmt".

Lesen Sie hier, warum VW trotz der Ermittlungen weiter an Pötsch festhielt .

Ermittlungen gegen Winterkorn gehen weiter

Gegen den früheren VW- und PSE-Vorstandschef Martin Winterkorn ermitteln die Stuttgarter Staatsanwälte weiter, wie die Sprecherin der Behörde sagte. Auch bei ihm geht es um den Verdacht der Marktmanipulation. Winterkorn ist auch in Braunschweig weiterhin wegen dieses Vorwurfs angeklagt. Die Entscheidung, ob es zum Prozess kommt oder nicht, steht dort noch aus.

Abgeschlossen ist die Dieselaffäre für die Porsche SE mit dem Ende der strafrechtlichen Ermittlungen nicht. Die Holding sieht sich weiterhin mit einer Vielzahl von Klagen von Aktionären konfrontiert, die Schadensersatz in Höhe von zusammen rund 1,1 Milliarden Euro verlangen. Auch sie werfen der PSE vor, sie zu spät über die finanziellen Folgen des Dieselskandals informiert zu haben. Auch diese Vorwürfe weist die Holding zurück.

caw/dpa/Reuters