Reaktionen auf Tod von Dietrich Mateschitz »Ohne ihn würde ich jetzt hier nicht sitzen«

Sportler und Politiker loben den verstorbenen Unternehmer Dietrich Mateschitz. In Nachrufen wird er kritisch gewürdigt. Zugleich kommt die Frage auf, wie es mit seinem Firmenimperium weitergeht und welche Rolle sein Sohn einnimmt.
Dietrich Mateschitz in Leipzig 2016: »Einfach beeindruckend«

Dietrich Mateschitz in Leipzig 2016: »Einfach beeindruckend«

Foto: Robert Michael / AFP

Am Tag nach dem Tod von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz herrscht vor allem in der Sportszene Trauer. Doch auch Politiker aus Österreich würdigen die unternehmerische Leistung des Mannes, der ausgehend von einem Energydrink ein Medienimperium erschuf und die Sportwelt aufmischte.

Er habe ein weltweit bekanntes Unternehmen aufgebaut und gleichzeitig den Spitzensport gefördert, schrieb der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf Twitter. Sein Lebensweg sei für viele Österreicherinnen und Österreicher »einfach beeindruckend«.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

»Er wird uns als einer der wichtigsten und prägendsten österreichischen Unternehmer für immer in Erinnerung bleiben«, schrieb Bundeskanzler Karl Nehammer ebenfalls via Twitter. Mit dem Tod von Mateschitz verliere Österreich nicht nur einen der erfolgreichsten Unternehmer und einen großen Innovator, »sondern auch einen Menschen, der sich Zeit seines Lebens in höchstem Maße für soziale und gesellschaftliche Zwecke engagiert hat«.

Mateschitz galt als reichster Bürger seines Landes. Das US-Magazin »Forbes« listete ihn in diesem Jahr mit einem Vermögen von 27,4 Milliarden Dollar auf Platz 51 im weltweiten Milliardärsranking. Der Unternehmer starb am Samstag im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

»Wir wussten, dass er in einem sehr schweren gesundheitlichen Zustand war, aber trotzdem, nachdem es nun eingetreten ist, ist es für uns alle unfassbar«, sagte Helmut Marko, Red-Bull-Motorsportberater und ein enger Freund von Mateschitz.

Formel-1-Fahrer zeigen sich tief betroffen

Der Erfolg seines Energydrinks und sein Engagement in der Sportwelt hingen bei Mateschitz eng zusammen. Sportliche Flaggschiffe sind das gleichnamige Formel-1-Team und die Fußballsparte mit dem amtierenden DFB-Pokalsieger RB Leipzig an der Spitze. Hinzu kommen zahlreiche weitere Engagements, etwa im Motorsport, Eishockey, Ski alpin, Skispringen oder Extremsport.

Er habe geschafft, »wovon andere nicht gedacht hätten, dass es möglich ist – egal in welcher Hinsicht«, sagte Formel-1-Pilot Sebastian Vettel im texanischen Austin in den USA. »Jetzt ist es ein großer Schock für alle, die ihn auf diesem Weg begleitet haben«, sagte Vettel, der einst als Fahrer von Red Bull vier Weltmeistertitel (2010, 2011, 2012 und 2013) auch mit Mateschitz gefeiert hatte.

Auch Formel-1-Weltmeister Max Verstappen würdigte die Rolle des Red-Bull-Gründers als Talentförderer auch mit Blick auf seine eigene Laufbahn: »Ohne ihn wäre ich heute nicht hier. Es ist unglaublich schwer für alle im Team«, sagte der Niederländer.

Dietrich Mateschitz sei »der beeindruckendste Unternehmer« gewesen, »den wir in Österreich je hatten«, sagte sein Landsmann Toto Wolff, der als Motorsportchef von Mercedes seit Jahren einer der schärfsten Konkurrenten des Red Bull-Rennstalls ist. Was Mateschitz »dem Sport gebracht hat, hat es davor nicht gegeben«, lobte Wolff.

Kritik am Fußball- und Extremsport-Engagement

Gerade Mateschitz’ Eintritt in den Fußball sorgte aber auch für Kritik. In Österreich übernahm er 2005 den Traditionsklub Austria Salzburg und löschte diesen faktisch aus.

Auch das seit 2009 mit viel Geld aufgebaute Projekt in Leipzig steht gerade bei traditionsbewussten Fans in der Kritik. Doch RB Leipzig kann sportliche Erfolge vorweisen, wie den DFB-Pokalsieg im Mai.

»Seine Leidenschaft für den Sport, sein Einsatz und Spirit werden uns stets inspirierendes Vorbild bleiben und wir sehen es als unsere Verantwortung an, seine Vision für RB Leipzig in seinem Sinne weiterzuführen«, teilte der Fußball-Bundesligist nach dem Tod von Mateschitz mit. »Bei aller Trauer möchten wir auch unsere große Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für all das, was Dietrich Mateschitz uns als Club ermöglicht hat.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Mateschitz hatte auch mit Investments in den Extremsport wie etwa Wingsuitfliegen für Aufsehen und Kritik gesorgt. Die ARD-Dokumentation »Die dunkle Seite von Red Bull« berichtete schon 2013 von sechs Sportlern, die mit Unterstützung von Red Bull ihrem gefährlichen Sport nachgegangen waren und starben. Weltberühmt wurde indes Stratosphärenspringer Felix Baumgartner, der 2012 in einer Höhe von 38.969 Metern aus einer Kapsel unter einem Heliumballon sprang und mit einem Fallschirm auf die Erde zurückkehrte.

Sozial engagiert, aber auch knallhart

Red Bull erschuf unter Mateschitz zudem ein Medienimperium, das während der Coronapandemie allerdings in Verruf geriet, weil beim hauseigenen Sender ServusTV Verschwörungstheoretiker und Impfgegner eine Bühne erhielten. Mateschitz gab kaum Interviews. Umso mehr hatte sein Gespräch mit der »Kleinen Zeitung« 2017 für Aufsehen gesorgt: »Ich bin kein Wutbürger. Ich nenne die Dinge beim Namen«, sagte er damals. Und kritisierte etwa die Migrationspolitik in Europa (»Und selbstverständlich hätte man die Grenzen schließen und ordentlich kontrollieren müssen, gar keine Frage.«).

Der Unternehmer galt zwar als sozial sehr engagiert, aber auch knallhart. Als ein Betriebsrat bei ServusTV installiert werden sollte, hieß es kurzzeitig, der Sender würde geschlossen. Als die Betriebsratspläne von den Angestellten aufgeben worden waren, ging es weiter. Oder wie die »Kronen-Zeitung« es beschrieb: »Seine Härte scheint oft gnadenlos: Als er von der Gründung eines Betriebsrates bei seinem ServusTV hört, lässt er den Sender umgehend einstellen. Der Salzburger Arbeiterkammer-Chef kommt in den Hangar 7, exerziert den Kniefall, und Hunderte Jobs sind gerettet.«

Wichtige Enscheidungen fallen in Thailand

Spannend ist nun, wie es mit dem Red-Bull-Imperium weitergeht. »Dietrich Mateschitz baute über die Jahre ein Sport-, Medien-, Immobilien- und Gastronomie-Imperium auf – und verhalf in der Obersteiermark einem ganzen Tal zu neuen Impulsen«, schrieb die »Kleine Zeitung« aus Österreich in einem Nachruf: »Sein unternehmerischer Fußabdruck wird bleiben. Auch, weil der Weg des Unternehmens Red Bull noch lange nicht zu Ende scheint.«

Laut »Standard«  ist das Red Bull Media House mit 440 Millionen Euro Jahresumsatz laut jüngstem vorliegenden Jahresabschluss nach dem ORF der zweitgrößte Medienkonzern im Land.

Mateschitz hinterlässt einen Sohn, den 1993 geborenen Mark Mateschitz. Dieser ist zu Jahresbeginn in den Vorstand der Red-Bull-Stiftung »Wings for Life« aufgerückt. Fraglich ist allerdings, ob damit eine »Thronfolge« innerhalb der Familie programmiert ist.

Mateschitz 2016 mit Sohn Mark und Lebensgefährtin Marion Feichtner

Mateschitz 2016 mit Sohn Mark und Lebensgefährtin Marion Feichtner

Foto: Franz Neumayr / dpa

Denn Dietrich Mateschitz hielt lediglich 49 Prozent der Anteile an der Red Bull GmbH. Mehrheitseigner ist die thailändische Unternehmerfamilie Yoovidhya, die das süßliche Aufputschmittel im Original kreiert hat. Mateschitz, einst Zahnpasta-Manager hatte auf einer Reise in Thailand das Getränk entdeckt und sich die Lizenzrechte für den Vertrieb außerhalb Asiens gesichert. Bis heute halten die Yoovidhyas über die Holding TC Agro Trading 49 Prozent am Energydrink-Erzeuger, weitere zwei Prozent das Clan-Oberhaupt Chalerm Yoovidhya.

Dennoch war Mateschitz praktisch Alleinherrscher, weil die Industriellenfamilie Yoovidhya ihm das Vertrauen schenkte. Laut »Standard« laufen mit dem Tod von Mateschitz im ganzen Red-Bull-Konzern Vorrechte für den österreichischen Gründer aus. Über die künftige Konzernpolitik – auch für den Medienarm des Imperiums – müssen sich die Erben, insbesondere sein im Konzern arbeitender Sohn Mark Mateschitz mit den Mehrheitseigentümern aus Thailand, der Familie Yoovidhya, abstimmen, hieß es.

Kolportiert werde, Mateschitz habe seine Lieblingsmedien wie insbesondere Servus TV mit einer Stiftungslösung über Jahre abgesichert.

mmq/dpa/Reuters/sid
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.