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Umfrage unter 25.000 Firmen Deutsche Industrie- und Handelskammer erwartet auch 2025 kein Wirtschaftswachstum

Die deutsche Konjunktur entwickelt sich laut einer DIHK-Erhebung deutlich schlechter als von der Bundesregierung angenommen. Verbandschef Wansleben spricht von einer »hartnäckigen strukturellen Krise«.
Güterzug mit Neuwagen: Dramatischer Einbruch der Autoindustrie

Güterzug mit Neuwagen: Dramatischer Einbruch der Autoindustrie

Foto: Lars Penning / dpa / picture alliance

Vor den separaten Wirtschaftsgipfeln von Bundeskanzler Scholz und Finanzminister Lindner zeichnet eine neue Prognose zur Entwicklung der deutschen Konjunktur ein beunruhigendes Bild. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird nach Einschätzung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) auch im nächsten Jahr nicht wachsen. Das teilte der Verband in Berlin auf Basis einer Umfrage unter rund 25.000 Unternehmen aus allen Branchen mit.

Sollte es so kommen, wäre dies bereits das dritte Jahr in Folge mit Stagnation oder einer schrumpfenden Wirtschaft. »Wir haben es nicht nur mit einer konjunkturellen, sondern einer hartnäckigen strukturellen Krise am Standort Deutschland zu tun«, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. »Für 2025 geben es unsere Zahlen nicht her, optimistisch zu werden. Im Gegenteil, an manchen Stellen lassen die Rückmeldungen der Unternehmen befürchten, dass es noch schlechter kommen könnte.«

Für dieses Jahr ist der Verband pessimistischer als bisher und geht nun von einem Minus von 0,2 Prozent bei der Wirtschaftsleistung aus. 2025 wird dann Stagnation prognostiziert. Damit geht die DIHK von einer deutlich schlechteren Entwicklung aus als die Bundesregierung. Die hatte in ihrer Herbstprognose noch von einer Trendwende im Wahljahr 2025 gesprochen – und erwartet demnach ein reales Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt von 1,1 Prozent. Auch Ökonomen hatten zuletzt noch eine leicht positive Entwicklung vorhergesagt.

Bürokratie, Steuerlast, hohe Energiekosten

2023 war die Wirtschaft bereits um 0,3 Prozent geschrumpft. Zwar gab es 2009 wegen der globalen Finanzkrise und 2020 wegen der Coronaeinschränkungen deutlich stärkere Einbrüche. Aber nur 2002 und 2003 schrumpfte die Wirtschaft zwei Jahre in Folge. Damals reagierte die rot-grüne Regierung mit der »Agenda 2010« – weitreichenden Arbeitsmarkt- und Sozialreformen.

Die jetzige Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP versucht gerade, mit einer Wachstumsinitiative den Standort zu stärken. Dennoch hatte es besonders aus der Autoindustrie zuletzt immer wieder schlechte Zahlen gegeben, bei Volkswagen etwa stehen laut Betriebsrat ganze Werke und zahlreiche Arbeitsplätze auf der Kippe .

Entsprechend bewerten laut DIHK Industriebetriebe ihre gegenwärtige Lage besonders schlecht. Dramatisch ist dabei laut DIHK der Einbruch in der Autobranche, die mitten im Wandel steckt. Jedes zweite Unternehmen melde aktuell ein Problem bei der Finanzlage. Mit Blick auf die kommenden Monate sagen 31 Prozent aller befragten Firmen, dass sie mit schlechteren Geschäften rechnen. Eine Verbesserung erwarten nur 13 Prozent.

Ökonomen halten die bisherigen Regierungspläne nicht für durchschlagskräftig genug. Auch führende Ampelvertreter sprechen sich für weitergehende Schritte aus, streiten aber über die Details.

Investitionen noch deutlich unter Niveau vor der Pandemie

Wansleben sagte, die Wirtschaft brauche einen Befreiungsschlag. Es gebe zu viel Bürokratie, zu hohe Steuern und die Energie sei im internationalen Wettbewerb zu teuer. »Uns bereitet große Sorgen, wie sehr Deutschland für Europa zur wirtschaftlichen Belastung wird und seiner Rolle als Zugpferd nicht mehr gerecht werden kann«, sagte er.

Auch der Export dürfte laut DIHK 2024 und 2025 stagnieren. Die Investitionen in Anlagen werden demnach dieses Jahr deutlich und nächstes Jahr noch leicht schrumpfen. Der private Konsum dürfte 2024 stagnieren und 2025 leicht anziehen.

Die Investitionen liegen laut DIHK immer noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. »Es gibt auch keine Hinweise auf eine Verbesserung.« Ein Drittel der Unternehmen will seine Investitionen in Deutschland zurückfahren, in der Industrie sind es sogar 40 Prozent. Es gebe zwar keinen flächendeckenden Personalabbau, aber die Zeit sinkender oder stabiler Arbeitslosenzahlen dürfte erst einmal vorbei sein. »Anders als in den letzten Jahren wird es zukünftig auch vermehrt Arbeitsplatzverluste gegeben. Derzeit wird das noch durch die demografische Entwicklung gebremst.«

apr/Reuters