DIHK-Präsident Adrian Wirtschaft verlangt wegen anhaltend hoher Inflation ein Zinssignal von der EZB

Die Inflation in Deutschland ist weiterhin hoch. Die Europäische Zentralbank sehnt einen Rückgang der Teuerung herbei – und gerät immer mehr unter Druck, die Zinsen zu erhöhen.
Raffinerie in Leuna: Rasant gestiegene Energie- und Rohstoffpreise

Raffinerie in Leuna: Rasant gestiegene Energie- und Rohstoffpreise

Foto: Andreas Vitting/ imago images/Andreas Vitting

Die anhaltend hohe Inflation besorgt mehr und mehr auch Industrie und Handel. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Peter Adrian, verlangte wegen der starken Teuerung deutliche Signale von der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesregierung.

»Die Inflation hat mittlerweile Werte erreicht wie seit fast 30 Jahren nicht mehr«, sagte Adrian der »Rheinischen Post « laut Vorabbericht. Für die Unternehmen bedeute dies weitreichende Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Energie und Transport. »Wir sind zwar noch nicht in einer dramatischen Lage. Aber die deutschen Unternehmen erhoffen sich von der EZB bei ihrer nächsten Sitzung ein wohldosiertes Zinssignal. Denn ein schwacher Euro macht Energieimporte noch teurer.«

Die EZB gerät damit vor der für Donnerstag geplanten Zinssitzung stärker unter Druck. Anders als die auf eine baldige Zinswende zusteuernde US-Notenbank Fed bleiben Europas Währungshüter zuletzt noch bei ihrer These eines nur temporären Anstiegs der Teuerung, die einen weiterhin lockeren geldpolitischen Kurs begründen könne. Nachdem die Inflation zu Jahresbeginn jedoch nicht so stark wie erwartet zurückging – die Preise für Waren und Dienstleistungen lagen im Januar noch 4,9 Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist –, waren allerdings die Rufe nach einer neuen Geldpolitik lauter geworden.

Inflationsrate auch im Herbst noch über vier Prozent?

»Eine geldpolitische Wende sollte angesichts der Inflationszahlen für Deutschland und andere Staaten der Europäischen Währungsunion nicht länger hinausgezögert werden«, verlangte etwa Chefökonom Michael Heise von HQ Trust. Auf einen erwünschten baldigen Rückgang der Energiepreise zu setzen, erscheine angesichts der ernsten geopolitischen Spannungen mit Russland »eher Wunschdenken« zu sein. Der Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel befürchtet, die Inflationserwartungen drohten umso stärker zu steigen, je länger die Teuerung auf erhöhtem Niveau verharre: »Im Ergebnis würde sich die hohe Inflation verfestigen.«

Die Wirtschaft sieht angesichts dieser Lage die Bundesregierung in einem Bereich besonders in der Pflicht. »Bei rasant gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen gehören staatliche Extralasten jetzt erst recht auf den Prüfstand«, sagte DIHK-Präsident Adrian der »Rheinischen Post«. Die von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) in Aussicht gestellte schnellere Abschaffung der EEG-Umlage »wäre ein erster wichtiger Beitrag, um die Gefahr einer Inflationsspirale zu reduzieren«.

Nach einer aktuellen DIHK-Abfrage sehen drei Viertel der deutschen Unternehmen ihr laufendes Geschäft durch die hohen Strom- und Gaspreise belastet. Adrian: »Knapp die Hälfte der Betriebe befürchtet Kostenbelastungen bis hin zum Verlust der eigenen Wettbewerbsfähigkeit.«

Der Commerzbank-Ökonom Marco Wagner rechnet immerhin damit, dass der Preisdruck im Jahresverlauf allmählich nachlassen könnte – insbesondere wenn sich die Material- und Lieferprobleme entspannen sollten. Er sagt aber auch: »Allerdings dürfte bis in den Herbst und auch beim Jahresdurchschnitt bei der Inflationsrate eine Vier vor dem Komma stehen.«

apr/Reuters
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