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Dioxin-Skandal: Gift im Futtertrog

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Dioxin-Skandal Futterfirma Harles und Jentzsch stellt Insolvenzantrag

Der Dioxinskandal hat für Harles und Jentzsch drastische Konsequenzen: Der Futterhersteller, der das Gift in Umlauf gebracht haben soll, hat einen Insolvenzantrag eingereicht. Zudem gibt es Anhaltspunkte, dass die Firma wissentlich verseuchte Fette vertrieben hat.

Hamburg - Die Firma Harles und Jentzsch steht vor der Pleite. Der Futtermittelproduzent, der verseuchte Fette in Umlauf gebracht haben soll, hat am Mittwoch einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Pinneberg gestellt. Das sagte eine Sprecherin des Landgerichts Itzehoe SPIEGEL ONLINE.

Das Gericht habe einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt, der nun prüfen soll, ob die Gründe, die das Unternehmen für das Verfahren angibt, zutreffen. Sollte das der Fall sein, werde das Verfahren eröffnet. Die Überprüfung übernimmt ein Hamburger Anwalt.

Das Futterfett von Harles und Jentzsch war als Ausgangsprodukt an diverse Futtermittelhersteller geliefert und dort weiterverarbeitet worden. Die Aufsichtsbehörden beschlagnahmten und untersuchten Proben des Unternehmens. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Verantwortliche der Firma.

Am Mittwoch wurden detaillierte Vorwürfe gegen das Unternehmen Harles und Jentzsch bekannt. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Behörden-Insider berichtete, gibt es Anhaltspunkte dafür, dass vorsätzlich dioxinbelastetes Fett vertrieben wurde. Wie SPIEGEL ONLINE bestätigt wurde, haben Ermittler Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die dioxinhaltigen Fette systematisch so lange verdünnt worden sind, bis bestimmte Grenzwerte eingehalten wurden. Darauf deuteten Proben von belasteten Fetten hin, die bei Harles und Jentzsch sichergestellt wurden.

Proben als Maschinenfett getarnt?

Nach Angaben des Agrarministeriums in Schleswig-Holstein hat die Futterfirma Harles und Jentzsch im vergangenen Jahr mindestens drei Futterfett-Proben mit erhöhten Dioxin-Werten verheimlicht. Wie das Unternehmen die Kontrolleure ausgetrickst hat, ist noch nicht genau geklärt. Ein Verdacht ist etwa, dass die Proben als Maschinenfett getarnt wurden. Harles und Jentzsch antwortete am Nachmittag nicht auf telefonische und schriftliche Anfragen von SPIEGEL ONLINE nach einer Stellungnahme.

Bei der Suche nach dem Fleisch von potentiell dioxinverseuchten Schweinen sind die Behörden nach eigenen Angaben weitergekommen. 180 Schweine, die von einem betroffenen Hof in Niedersachsen stammten, seien noch vor der Sperrung des Betriebes lebend an einen Abnehmer in Sachsen-Anhalt gegangen, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums in Hannover. Dort seien sie geschlachtet worden. Die Behörden wollen nun das Fleisch der Tiere - soweit möglich - finden und aus dem Verkehr ziehen.

Zuvor hatte die niedersächsische Regierung eingeräumt, dass belastetes Fleisch von dem Betrieb im Landkreis Verden in den Handel gelangt sein könnte. Dort wiesen Prüfer bei der Probeschlachtung von zwei Schweinen eine erhöhte Dioxin-Belastung nach. 140 Tiere auf dem Betrieb müssen getötet und die Kadaver entsorgt werden. Doch noch am 29. Dezember hatte der Mäster Tiere verkauft, die ebenfalls das belastete Futter bekamen. Gesperrt wurde der Betrieb aber erst Anfang Januar.

Künast fordert Aigners Entlassung

Die frühere Bundesverbraucherministerin Renate Künast verlangte die Entlassung ihrer amtierenden Kollegin Ilse Aigner. Die CSU-Politikerin sei ein "Totalausfall", sagte die Grünen-Fraktionschefin in Weimar. Statt Krisenmanagement zu betreiben, frage Aigner bei der Futtermittelindustrie an und sage: "Erzählt mir mal, was Ihr geregelt haben möchtet." Künast verlangte Positivlisten für Bestandteile von Futtermitteln, um Beimischungen künftig besser kontrollieren zu können.

Aigner wies die Kritik zurück. "Es ist alles wunderbar gelaufen", sagte sie in Berlin. "Ich habe erstens Initiativen vorgelegt und mich zweitens immer engstens mit EU-Verbraucherkommissar (John) Dalli abgestimmt." Sie habe die Vertreter der Lebensmittelbranche eingeladen und die Bundestagsabgeordneten informiert. In der kommenden Woche werde sie ihre EU-Kollegen informieren. Am Freitag will sie einen Aktionsplan präsentieren, der die gesamte Futtermittelkette auf den Prüfstand stellen soll. "Dieser Fall wird Konsequenzen haben", sagte Aigner.

Die Politikerin hält ein kriminelles Vorgehen der Firma für wahrscheinlich. "Die uns jetzt vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass gegen das Gesetz der Eintrag ins Futtermittel nicht gemeldet wurde", sagte sie am Mittwoch in Berlin.

Der Dioxin-Skandal hat auch international immer stärkere Folgen. China verhängte am Mittwoch mit sofortiger Wirkung ein Einfuhrverbot für Schweinefleisch und Eier aus der Bundesrepublik. Auch in Südkorea gelten Importbeschränkungen.

ssu/mmq/AFP/dpa
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