Nach Leitzinsentscheid Banken senken Dispo-Zinsen - ein bisschen

Wer sein Girokonto überzieht, kommt bei vielen Banken künftig ein wenig günstiger davon. Nach der Leitzinssenkung der EZB verringern die Finanzinstitute auch ihre Dispo-Zinsen - allerdings nur in homöopathischen Dosen.
Knietief im Dispo: Die Überziehung des Girokontos bleibt teuer

Knietief im Dispo: Die Überziehung des Girokontos bleibt teuer

Foto: Jens Kalaene/ dpa

Berlin - Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins auf ein Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt, Banken können sich also so günstig wie nie Geld leihen. Nun senken viele Finanzinstitute laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung auch ihre Dispo-Zinsen, allerdings nur in bescheidenem Umfang.

Dem Bericht zufolge senken Deutsche Bank   und Berliner Bank zum 16. Juni den Dispo jeweils um 0,1 Prozentpunkte auf 11,8 Prozent je nach Kontotyp. Bei der Norisbank sinke der Zinssatz von 11,25 auf 11,15 Prozent. Auch die Postbank   ändert dem Bericht zufolge ihre Konditionen: Für das Konto GiroPlus gelten demnach künftig 11,95 statt 12,05 Prozent, für das GiroExtraplus 9,3 statt 9,4 Prozent. Die Commerzbank   senke für Neukunden die Dispo-Zinsen ab dem 26. Juni auf 11,4 Prozent. Die Targobank wolle zum 1. Juli ihren Zinssatz ändern, die Höhe stehe noch nicht fest.

Justiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) hatte es als überzogen und inakzeptabel kritisiert, dass viele Geldhäuser trotz des historisch niedrigen Leitzins' bei Überziehung des Girokontos Zinsen von deutlich über zehn Prozent verlangen. Zugleich kündigte er eine Beratungspflicht der Institute für solche Kunden an, die regelmäßig diese Kredite in Anspruch nehmen.

Auch der Chef der Verbraucherzentralen Klaus Müller kritisierte im SPIEGEL die hohen Dispozinsen . Es sei "sehr schwierig zu erklären, warum Banken so günstig an Geld kommen, bei Verbrauchern aber tief in die Tasche greifen". Die Verbraucherschützerin Dorothea Mohn sagte, notfalls müsse die Politik die Institute zu Änderungen zwingen. "Wir haben viel zu hohe Dispo-Zinsen im Vergleich zum sonstigen Zinsumfeld."

dab/Reuters/AFP
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