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14. August 2014, 18:08 Uhr

Schwache Konjunktur

Die Lohn-Illusion

Ein Gastkommentar von

Was bringt Deutschlands Wirtschaft wieder in Schwung? Eine stärkere Lohndynamik könnte helfen - aber nur kurzfristig. Viel wichtiger sind Investitionen.

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal überraschend geschrumpft. Nun deuten viele Indikatoren auf eine weitere Abschwächung im dritten Quartal hin. Dies würde ein Abgleiten in die Rezession bedeuten - zum ersten Mal seit der globalen Finanzkrise 2008 und 2009. Anders als vor sechs Jahren ist die deutsche Wirtschaft heute jedoch sehr viel robuster.

Um die aktuelle Phase möglichst schnell und nachhaltig zu überwinden, sollte die Lohndynamik mehr Gewicht bekommen, sagen einige. Um es vorab zu sagen: Die Hoffnung, eine stärkere Lohndynamik möge die derzeitige Schwäche beheben, wird sich jedoch als Illusion erweisen.

Die gute Nachricht ist, dass die derzeitige wirtschaftliche Schwäche nicht auf eine fehlende Wettbewerbsfähigkeit oder zu hohe Kosten der Unternehmen zurückzuführen ist: Die Exporte haben sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Deutschland hat einen enormen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sieben Prozent der Wirtschaftsleistung. Wie eine neue DIW-Studie zeigt, ist die Bruttowertschöpfung der Arbeitnehmer in Deutschland seit 2003 um durchschnittlich 2,4 Prozent gestiegen, die Löhne dagegen nur um 2,1 Prozent. Es besteht daher, zumindest kurzfristig, durchaus die Möglichkeit eines stärkeren Lohnanstiegs für die kommenden ein bis zwei Jahre. Eine solche Lohndynamik stärkt den Konsum und damit die Binnennachfrage und das Wachstum, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu schädigen.

Aber es ist Vorsicht geboten, denn eine stärkere Lohndynamik ist kein Allheilmittel und beseitigt vor allem nicht die Ursache der gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwäche. Diese ist vor allem der niedrigen Investitionstätigkeit deutscher Unternehmen geschuldet. Sie hat in den vergangenen Jahren die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft hierzulande deutlich beeinträchtigt. Diese Investitionsschwäche spiegelt vor allem eine hohe Unsicherheit etwa über Energiepreise, die Preisentwicklung und die Finanzstabilität der deutschen Unternehmen wider - und eben nicht eine unzureichende Konsumnachfrage. Höhere Lohnanstiege werden daher keine Lösung für die Investitionsschwäche sein.

Die Debatte lenkt von den wirklichen Problemen ab

Eine stärkere Lohndynamik wird auch nicht das Deflationsproblem, weder in Deutschland noch in der Eurozone, lösen. Die Tatsache, dass die deutsche Inflation in den vergangenen Jahren so schwach ausgefallen ist, trotz moderaten Wirtschaftswachstums, zeigt überdeutlich, wie abhängig Deutschland von der europäischen und globalen Wirtschaft ist. Preise für Güter und Dienstleistungen für deutsche Unternehmen werden nicht in Deutschland gesetzt, sondern in globalen Märkten. Die Hoffnung, ein stärkerer Lohnanstieg möge doch bitte den zunehmenden Deflationsdruck in Deutschland beheben, wird sich als Illusion erweisen.

Eine starke Lohndynamik ist prinzipiell gut - sie schafft Einkommen und Wohlstand für die Arbeitnehmer und erhöht die Binnennachfrage und das Wachstum. Aber sie wird die gegenwärtige Schwäche der deutschen und europäischen Wirtschaft nicht lösen können. Die Debatte um höhere Löhne lenkt von den wirklichen Problemen ab.

Die wichtigste Herausforderung für die Wirtschaftspolitik ist, die Rahmenbedingungen für Investitionen in Deutschland und in Europa zu verbessern. Nur wenn dies gelingt, werden sich Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum verbessern, und Europa kann nachhaltig aus der Krise kommen. Und nur wenn es gelingt, Produktivität und Wachstum zu stärken, werden höhere Lohnanstiege für den deutschen Arbeitnehmer in der Zukunft zur Regel werden können, und nicht die Ausnahme bleiben, wie in den vergangenen 15 Jahren.

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