DIW-Prognose Wirtschaftsforscher rechnen mit Rezession

Nach einem Rückgang im Frühjahr sagen Forscher des DIW auch für das laufende Quartal ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt voraus. Vor allem die Industrie sei Grund für die erwartete Rezession.
Stahlarbeiter in Eisenhüttenstadt: Industrie in der Krise

Stahlarbeiter in Eisenhüttenstadt: Industrie in der Krise

Foto: John MACDOUGALL / AFP

Zehn Jahre lang war in Deutschland nur von Aufschwung die Rede. Doch nun sprechen viele Ökonomen wieder von Rezession. So sagt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für das laufende dritte Quartal einen Konjunkturrückgang voraus. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte um 0,2 Prozent fallen, prognostizieren die Forscher. Bereits im Frühjahr hatte es ein Minus von 0,1 Prozent gegeben. Bei zwei Rückgängen in Folge wird von einer Rezession gesprochen.

"Die Industrie steckt in der Krise und zieht langsam aber sicher auch die Dienstleister mit hinein", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Die Nachfrageschwäche in wichtigen Absatzmärkten belastet demnach die exportabhängige Industrie.

"Vor allem der drohende harte Brexit zieht bereits jetzt Länder wie Deutschland, die eng mit dem Vereinigten Königreich verflochten sind, in einen Abwärtssog", sagte DIW-Ökonom Simon Junker. Über all dem schwebten noch die von den USA ausgehenden Handelskonflikte und die politische Entwicklung in Italien, von denen neue Probleme im Euroraum ausgehen könnten. "All das ist Gift für die konjunktursensible und auf Investitionsgüter ausgerichtete deutsche Wirtschaft", sagte Junker.

So muss beispielsweise der von der Flaute der Autobranche betroffene Zulieferer Schaeffler muss seinen Krisenplan ausweiten: Vom 1. Dezember an sollen die Verträge von Mitarbeitern, deren Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöht wurde, wieder auf die tariflich vereinbarte 35-Stunden-Woche zurückgeführt werden, sagte eine Unternehmenssprecherin. Schaeffler leidet unter dem Produktionsrückgang in der Autobranche und unter dem technologischen Veränderungsdruck vom Verbrenner zu alternativen Antrieben.

Auch die Bundesbank hält eine Rezession für möglich. Zuletzt hat sich auch die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft im August den fünften Monat in Folge verschlechtert. Das Ifo-Barometer für das Geschäftsklima fiel auf den niedrigsten Wert seit November 2012.

Dagegen ist der private Konsum derzeit eine Stütze für die Konjunktur. So prognostizieren die Marktforscher der GfK ein unverändert gutes Konsumklima. Die anhaltend gute Konsumneigung der Bundesbürger und die weiter positive eigene Einkommenserwartung trotzten der derzeitigen Konjunkturschwäche, hieß es. Allerdings nimmt auch bei den Verbrauchern die Sorge vor einem deutlichen Abschwung zu. Die Konjunkturerwartung sank im August auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Jahren.

mmq/Reuters
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