Trump-Präsidentschaft Geldstrafen für Wall-Street-Banker sinken

Für viele Wall-Street-Akteure ist Donald Trumps Präsidentschaft offenbar ein Glücksfall. Die Geldstrafen für Vergehen der Finanzbranche sind nach einem Zeitungsbericht um fast zwei Drittel gesunken.

Handelsraum der Wall Street
AFP

Handelsraum der Wall Street


Eigentlich wollte Donald Trump die engen Bande zwischen Wall Street und Washington kappen, das jedenfalls versprach er vor seiner Wahl. Doch die Realität sieht anders aus. Der US-Präsident besetzte etliche Schlüsselposten mit Investmentbankern und Milliardären - und nun gehen die Geldstrafen für Firmen und Personen aus der Finanzbranche deutlich zurück.

Verglichen mit dem Vorjahreswert seien die von den zuständigen Aufsichtsbehörden SEC, CFTC und FINRA verhängten Bußgelder im ersten Halbjahr 2017 um fast zwei Drittel gesunken, auf 489 Millionen Dollar, berichtet das "Wall Street Journal". Das gehe aus einer Auswertungen von Gerichtsdokumenten und öffentlichen Daten hervor. Die Regulierer seien damit auf Kurs, die niedrigsten Geldstrafen seit Jahren zu verhängen.

In allen drei Behörden wurden in den letzten Monaten zentrale Führungspositionen neu besetzt. Bei der SEC etwa machte Trump den Wirtschaftsanwalt Jay Clayton zum neuen Chef. Solche Personalien seien aber nur ein Grund für den starken Rückgang der Bußgelder, heißt es in dem Bericht. Ein anderer sei die Tatsache, dass mittlerweile viele Fälle aus der Finanzkrise abgearbeitet sind.

Ein Sprecher der Börsenaufsicht SEC sagte, sechs Monate seien ein zu kurzer Zeitraum für einen aussagekräftigen Vergleich. Einem Sprecher der Derivateaufsicht CFTC zufolge schwanken die Geldstrafen stark, am Kurs seiner Behörde habe sich nichts geändert. Doch es gibt auch andere Stimmen: "Wenn auf eine Administration, die stark auf Regulierung setzt, eine konservativere und unternehmensfreundlichere folgt, bedeutet das einen Agendawechsel", zitiert das "Wall Street Journal" den ehemaligen SEC-Beamten Thomas Sporkin.

ase/dpa



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