Berater-Exodus So hat Trump die US-Wirtschaftselite gespalten

Viele US-Konzernchefs distanzieren sich öffentlich von Donald Trump, andere bleiben auffallend still. Ein Überblick über Abtrünnige, Mitläufer - und Trump-Fans in der Wirtschaftselite.

AFP

Die tödliche Gewalt während eines Extremistenaufmarsches in Charlottesville hat Donald Trump einen weiteren Krisenherd beschert, in einem Feld, auf dem sich der US-Präsident eigentlich gut aufgestellt wähnte: der Wirtschaftspolitik. Trumps Weigerung, sich klar und glaubwürdig von rechter Gewalt und rechten Gruppierungen zu distanzieren, hat Amerikas Business-Elite tief gespalten - und innerhalb von 48 Stunden dazu geführt, dass Trump zwei Gremien abhandenkamen, in denen er seine Politik mit Amerikas Konzernlenkern abstimmen wollte: Sowohl der "Manufacturing Council" als auch das "Strategy and Policy Forum" lösten sich auf, nachdem zahlreiche Firmenchefs ihren Rückzug erklärt hatten.

Die Chronologie

Montag, 8 Uhr Ortszeit: Kenneth Frazier, Chef des Pharmakonzerns Merck, verkündet als erster CEO seinen Rückzug aus Trumps "Manufacturing Council". Frazier ist hoch angesehen in Amerikas Geschäftswelt, er verkörpert den amerikanischen Traum. Sein Großvater wurde noch als Sklave geboren, Fraziers Vater war Hausmeister. Der Merck-Manager lässt eine Stellungnahme verbreiten. "Amerikas Anführer müssen unsere fundamentalen Werte ehren, indem sie Hass, Fanatismus und die Idee von der Überlegenheit einer Gruppe zurückweisen, die dem amerikanischen Ideal entgegensteht, dass alle Menschen gleich geschaffen wurden".

Montag, 8:54 Uhr: Trump twittert gegen Frazier: Jetzt, wo der Merck-Chef sich zurückgezogen habe, "hat er mehr Zeit UM DIE BETRÜGERISCHEN MEDIKAMENTEN-PREISE ZU SENKEN". Früher, als Frazier noch hoch in der Gunst des Präsidenten stand, platzierte ihn das Protokoll des Weißen Hauses bei Treffen gern direkt neben Trump.

Montagnachmittag: Unter dem öffentlichen Druck bezieht Trump klarer Stellung. "Rassismus ist böse", sagt er - und attackiert namentlich den Ku-Klux-Klan und Neonazis. Anfragen von US-Medien erreichen anderen Großkonzerne. Viele wollen sich zu diesem Zeitpunkt nicht äußern.

Montag, 18:09: Trump legt auf Twitter gegen Merck-Chef Frazier nach: Das Unternehmen erhöhe die Preise für Amerikaner immer weiter, verlagere aber Jobs aus den USA ins Ausland. "Bringt die Jobs zurück & SENKT DIE PREISE", twittert der Präsident.

Montag, 20:14: Der Chef des Sportartikelherstellers Under Armour, Kevin Plank, verlässt den "Manufacturing Council". Zwei Stunden später folgt Intel-Chef Brian Krzanich.

Dienstag, 11:21: Trump greift die zurückgetretenen Unternehmenschefs an. "Prahler" seien sie. Er habe viele andere Kandidaten, die sich darum reißen würden, die frei gewordenen Sitze einzunehmen.

Dienstag, 11:37: Die Zahl der freien Sitze wächst. Paul Scott vom Verband "Alliance for American Manufacturing" zieht sich zurück. Es sei "das Richtige für mich, das zu tun", twittert er.

In der Zwischenzeit haben sich zahlreiche weitere Mitglieder der Wirtschaftsrunden geäußert, die Trump gern um sich sammelt. Manche äußern sich kritisch, wollen aber weiter mit dem Präsidenten zusammenarbeiten. Alex Gorsky von Johnson & Johnson ist so einer: Er könne die Sorgen vieler Leute nachvollziehen. "Diese Tage sind schwierig für alle", sagt er. Er sei aber zu dem Schluss gekommen, sein Unternehmen habe "eine Verantwortung, engagiert zu bleiben". Was man halt sagt, wenn man den direkten Zugang zum Weißen Haus ungern verlieren will. Es wird nicht Gorskys letztes Wort in der Sache bleiben.

Dienstagnachmittag: Trump hält eine Pressekonferenz, die viele US-Medien als "combative" charakterisieren, streitlustig also. Praktisch nimmt er sein Statement vom Vortag wieder zurück. Der Präsident wiederholt die Behauptung, "alle Seiten" würden Schuld tragen an der gewaltsamen Eskalation in Charlottesville, also auch die friedlichen Gegendemonstranten, auf deren Seite eine Tote zu beklagen war.

Dienstag, 17:45: Gewerkschaftschef Richard Trumka gibt dem Präsidenten den Laufpass. Er hatte sich schon zuvor kritisch geäußert, wollte aber weiter mit Trump zusammenarbeiten, um etwas für "arbeitende Familien" zu erreichen. Nun platzt ihm der Kragen. Trump toleriere "Fanatismus und heimischen Terrorismus".

Mittwoch, gegen 11:30: Auf Initiative des Chefs der Investmentgesellschaft Blackstone konferiert rund ein Dutzend Mitglieder von Trumps "Strategy and Policy Forum". Die Mehrheit der Teilnehmer will sich aus dem Gremium zurückziehen. Blackstone-Chef Stephen A. Schwarzman ruft Trump an und teilt dem Präsidenten mit, das Forum werde sich auflösen.

Zahlreiche Vorstandschefs, die ursprünglich weiter mit dem Weißen Haus zusammenarbeiten wollten, ziehen sich nun ebenfalls zurück. Einer davon ist Alex Gorsky von Johnson & Johnson, der tags zuvor noch von der "Verantwortung, engagiert zu bleiben" sprach. Jetzt empfindet Gorsky als unakzeptabel, dass Trump jene "auf eine Stufe stellt, die von Rassenhass motiviert sind und jene, die gegen Hass aufstehen".

Mittwoch, 13:14 Uhr: Donald Trump twittert die Behauptung, er habe sich entschlossen, beide Gremien einzustellen.

Zahlreiche Firmenbosse haben sich bislang allerdings nicht geäußert. Der Rüstungskonzern Lockheed Martin gehört dazu. Michael Dell, Chef des Computerherstellers Dell, hat sogar angekündigt, Trump in jedem Falle weiter beraten zu wollen.

beb

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quacochicherichi 17.08.2017
1. Der unterhaltsamste
POTUS aller Zeiten. "For every CEO that drops out of the Manufacturing Council, I have many to take their place", ein Tag später löst er (in seiner Wahrnehmung) die Councils auf. Es gab wohl zu viele Bewerber. Bringt den verwirrten endlich dort hin, wo er hingehört.
Thaddaeus 17.08.2017
2. Auf jeden Fall
Einige der Unternehmen, deren CEO´s sich ganz offensiv gegen Trump gestellt haben und den absurderweise verdächtigten, ein KuKluxKlan-Mitglied und ein Rassist* zu sein, werden in absehbarer Zeit einen Besuch von der allseits gefürchteten US-Finanzpolizei erhalten, dem Internal Revenue Service (IRS). Die IRS hat 90.000 Mitarbeiter und ist direkt dem Finanzminister Steven Mnuchin unterstellt: Chef : Trump. Die gemeinste Division heisst "IRS Criminal Investigation Division" . Das ist die, die schon Al Capone zur Strecke gebracht hat, nachdem die korrupte Chicagoer Polizei mit jahrelanger Ermittlung dies versanden lassen wollte. Glaubt wirklich einer, der rachsüchtige Trump lässt diese völlig ungerechtfertigten Diffamierungen von den Unternehmensleiter auf sich sitzen? Das wird für ihn nun "Eine Frage der Ehre" und jeder Unternehmensleiter, der sich als loyal erwiesen hat, kann sich glücklich preisen. Man pinkelt grossen Hunden nicht an Bein.... Ein Biss und ab ist der Kopf. Und die anderen werden nass gemacht. Die IRS findet immer was. *Vorher war er schon ein Kommunist und Agent Moskaus. Leute, lasst Euch von den parteilichen Hetzmedien nicht vergackeiern.
Thaddaeus 17.08.2017
3. Die hier üblich gewordenen fake news
"Sowohl der "Manufacturing Council" als auch das "Strategy and Policy Forum" lösten sich auf, nachdem zahlreiche Firmenchefs ihren Rückzug erklärt hatten." Trump hat diese beiden Gremien aufgelöst.
RRR79 17.08.2017
4. ...Rücktritt in den nächsten Monaten
Lange wird man auf einen Rücktritt nicht mehr warten müssen. Trump ist am Ende. Anstatt den Sumpf auszutrocknen, hat er Wall Street in die Regierung geholt, in bislang noch nicht dagewesener Anzahl an Regierungsmitgliedern aus Goldman Sachs Bankiers. Seine Verbündeten verstößt er einen nach dem Anderen, oder stößt sie vor den Kopf. Dann die langgezogene Pleite seiner Obamacare-Reform, er war offensichtlich unfähig auch bei der 2ten Chance einen Kompromiss auszuhandeln... obwohl er sich als besten Verhändler aller Zeiten anpries. Nun das... Trump ist unfähig gegen die Neonazis ein klares wir zu erheben, bekanntlich haben die USA hunderttausende Gis im Kampf gegen die Naziherrschaft geopfert, ... es ist ein Witz. Jetzt löst er aus falschen Stolz oder aus purer Dummheit seine Beratergremien auf, die Leute, die er für seine Steuerpläne und die versprochenen Jobs, Jobs, Jobs gebraucht hätte. Versprochen hat er, dass er einiges zerstören wird.. ja das hat er, da kann man nichts sagen. Seine Machtbasis hat er zerstört, das Vertrauensverhältnis zur Wirtschaft, zum Militär und er hat nichts konstruktives zustande gebracht. Auch seine Glaubwürdigkeit ist nun komplett dahin. Anfangs dachte ist, evtl. der ist ja nur schräg, aber möglicherweise bringt er was zustande. Der Mann macht alles falsch. Er kann seine Klappe nicht halten. Er tritt von einem Fettnäpfchen ins andere, er ist unbelehrbar und unbekehrbar. Der kann nix. Ausser Pleiten, da hat er ja einiges hingelegt. Oder ausser TV-Show-Host, da soll er auch bleiben und nicht im Weißen Haus, wo er fehl am Platz ist und nicht hingehört. Der Mann hat es nicht begriffen. Da wurde kein König gewählt, sondern nur ein Präsident. Und der muss sich für seine Leute den Arsch aufreissen, auch in Detailfragen.. und nicht Urlaubern oder Golfen gehen. Da wird es noch eine Überraschung geben. Der Mann steht komplett allein da. Der verliert sehr bald die Lust und dann folgt eine ganz ganz rasche Abdankung von König Trump. Natürlich nicht ohne einen oder mehrere Sündenböcke zu benennen, wegen denen er seine Großartigen Pläne nicht umsetzen konnte.
Thaddaeus 17.08.2017
5. fake news
"friedlichen Gegendemonstranten, auf deren Seite eine Tote zu beklagen war." Die Videos zeigen mit Baseballschlägern und Steinen bewaffnete Menschen, die mit einer "Demonstration" nichts am Hut hatten. Eine Gegendemonstration wird nur durchgeführt, um zu provozieren. Meistens hält die Polizei die zurück. Die Gegendemonstration hätte nie stattfinden dürfen: "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit". Wie es ja auch geschehen ist. Friedlich ist ganz was anderes.
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