Stefan Kaiser

Trump und der Börsenrekord Jetzt regieren die Instinkte

Der Dow Jones springt auf Rekordhöhe, die Anleger feiern die vermeintlich große Zukunft der US-Wirtschaft unter Trump. Die Risiken, die der unberechenbare Präsident mit sich bringt, blenden sie völlig aus.
Händler an der New Yorker Börse

Händler an der New Yorker Börse

Foto: BRENDAN MCDERMID/ REUTERS

Eine gute Geschichte ist an der Börse meist wichtiger als gute Zahlen. Völlig egal, ob ein Unternehmen Verluste macht - solange es die Anleger davon überzeugen kann, dass sein Produkt in Zukunft die Welt revolutionieren wird, werden die Kurse steigen.

Im Moment ist es die Geschichte von Donald Trump, die den Investoren Dollarzeichen in die Augen und die Börsenindizes von einem Rekord zum nächsten treibt.

Die Geschichte geht so: Ein Geschäftsmann übernimmt das US-Präsidentenamt zu einem Zeitpunkt, an dem die amerikanische Wirtschaft ohnehin gerade in Schwung kommt. Sein Regierungsprogramm wird sie auch noch von den letzten Fesseln befreien: mit niedrigeren Steuern, weniger Regulierungsvorschriften und mehr staatlichen Investitionen in eine teils marode öffentliche Infrastruktur. Der US-Wirtschaft stehen demnach also goldene Zeiten bevor.

Die drohenden Handelskriege werden ignoriert

Die Geschichte klingt gut, doch sie hat einen gewaltigen Haken: Sie blendet wichtige Teil der Realität einfach aus. Zum einen verschweigt sie, dass der neue Mann im Weißen Haus kein rational handelnder Politiker, sondern ein unberechenbarer Narzisst ist. Zum anderen kommt ein wichtiger Teil seiner politischen Versprechen in der Geschichte einfach nicht vor: ein Handelskrieg mit China, Mexiko und möglicherweise auch anderen bisherigen Partnern wie Deutschland.

Dabei geht es gar nicht um Moral oder Anstand - solche Kategorien haben die Finanzmärkte noch nie interessiert. Es geht schlicht um ökonomische Rationalität. Wenn Trump die US-Wirtschaft mit Strafzöllen abschottet, kann das allenfalls kurzfristig positive Effekte auf die amerikanischen Firmen haben. Dann wird der Rest der Welt reagieren und es den USA mit gleicher Münze heimzahlen. Ein solcher Handelskrieg würde niemandem nützen, auch nicht den Amerikanern. Wenn jeder wieder gezwungen ist, nur auf seiner eigenen Scholle zu wirtschaften, werden die Produkte entweder teurer - oder schlechter.

Es ist zwar längst nicht sicher, dass es so kommen muss. Bei vielen Entscheidungen hat der US-Kongress mitzureden - und die Abgeordneten dort dürften moderater agieren als der Präsident. Doch das Ende der Globalisierung droht wie noch nie in den vergangenen Jahrzehnten. Und diese Gefahr wird an den Finanzmärkten offensichtlich überhaupt nicht eingepreist.

Kurz- und mittelfristig kann das gutgehen - und die Kurse noch weiter nach oben treiben. Die Erfahrung zeigt: Wenn die "animal spirits", die tierischen Instinkte, einmal geweckt sind, gibt es so schnell kein Halten mehr. Die Herde rennt in eine Richtung, solange es geht. Wenn die Stampede vorbei ist, werden einige wenige die Geschäfte ihres Lebens gemacht haben. Der große Rest aber verliert.

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