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11. August 2017, 17:17 Uhr

Milliarden-Subvention

Wie der US-Präsident sich ein Jobwunder kauft

Bis zu 13.000 Jobs verspricht Apple-Zulieferer Foxconn im neuen US-Werk. Präsident Trump lobt die Zehn-Milliarden-Investition als eigenen Erfolg - nun enthüllt eine amtliche Analyse: Die Arbeitsplätze sind teuer erkauft.

Vollmundig lobte sich US-Präsident Donald Trump schon im Wahlkampf als "größter Arbeitsplatzbeschaffer aller Zeiten". Seit er im Amt ist, inszeniert er sich bei Investitionen gerne als Jobmotor der USA - dabei kosten die das Land selbst viel Geld.

Jüngst schmückte sich Trump mit dem Plan des taiwanischen Apple-Zulieferers Foxconn. Feierlich kündigte er Ende Juli im Weißen Haus den Bau einer neuen Fabrik des Konzerns an. Für 2020 sei ein US-Werk in Wisconsin für zehn Milliarden Dollar geplant. "Wäre ich nicht gewählt worden, würde er nicht zehn Milliarden Dollar investieren", triumphierte Trump.

Allerdings: Die Fabrik rechnet sich für den US-Steuerzahler frühestens in 25 Jahren, zeigt nun eine Analyse des Legislative Fiscal Bureau. Der überparteiliche Dienst bereitet dem Parlament steuerrechtliche Daten vor.

Die geplante Foxconn-Fabrik für TV-Bildschirme und andere Geräte wird kräftig von den USA gesponsert. Mit drei Milliarden Dollar Steuererleichterungen subventioniert der Bundesstaat das Foxconn-Werk. Diese Investition von Wisconsin werde sich jedoch erst ab 2042 rentieren.

Schon zuvor hatten Kritiker moniert, Trumps hochgelobtes Foxconn-Werk werde die Umwelt schädigen und sei viel zu teuer. Die neue Fabrik soll zum Baustart in diesem Jahr rund 1000 Mitarbeiter haben, deren Zahl bis 2021 auf bis zu 13.000 anwachsen soll.

Trumps Erfolgsparolen sind schon oft verhallt: Reihenweise haben Konzerne bereits Jobpläne verkündet, die Trump seiner Politik anrechnete - allerdings waren sie schon vor der Amtszeit des neuen Präsidenten geplant. Manche angeblich von Trump gesicherten Jobs waren wiederum gar nicht gefährdet. So feierte sich der Präsident bereits Ende 2016 dafür, nach Gesprächen mit dem Autokonzern Ford die Produktion des Modells Lincoln in den USA statt in Mexiko abgesichert und so das US-Werk in Kentucky gerettet zu haben. Allerdings stellte die "Washington Post" fest, dass der Autokonzern nie geplant hatte, die Fabrik einzustampfen.

Rendite der US-Subventionen erst 2042

Der republikanische Gouverneur Scott Walker erhofft sich von der Fabrik einen kräftigen Schub. Es sei eine Einmal-im-Leben-Chance, sagte sein Sprecher. Vonseiten der demokratischen Opposition hieß es nun allerdings, angesichts der neuen Daten zu dem Werk müsse die Investition wohl genauer geprüft werden.

Auch in den Reihen der Republikaner kommen nun Zweifel auf. Senatsmitglied Scott Fitzgerald teilte mit, bevor die Subvention für das Werk abgenickt werden könnte, müsste genau dargelegt werden, wann die versprochenen Arbeitsplätze sich tatsächlich materialisieren würden.

kig/Reuters

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