Handelsstreit mit Europa Trump verschiebt Entscheidung über Autozölle

Die USA werden vorerst keine Sonderzölle auf Autos und Autoteile aus Europa verhängen. Das beschloss US-Präsident Donald Trump an diesem Freitag und gewährte den Europäern eine Schonfrist.

VW-Fahrzeuge im Hafen von Emden
DPA

VW-Fahrzeuge im Hafen von Emden


Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben: US-Präsident Donald Trump will vorerst keine Strafzölle auf Autoimporte verhängen. Der Präsident werde diese Entscheidung um bis zu sechs Monate aufschieben, teilte das Weiße Haus mit und bestätigte damit Informationen, die schon in den vergangenen Tagen durchgesickert waren.

Zuvor hatte Trump mit Strafzöllen von 25 Prozent auf importierte Autos gedroht. Das US-Handelsministerium hatte im Auftrag des Präsidenten einen Bericht zu den Auto-Einfuhren erstellt und ihm Mitte Februar vorgelegt. In dem Report gelangte das Ministerium zu dem Schluss, dass von diesen Importen in ihrem derzeitigen Ausmaß eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA ausgeht.

Das Weiße Haus erklärte am Freitag, der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer werde die kommenden 180 Tage weitere Verhandlungen führen. In dieser Zeit werde Lighthizer den Präsidenten "auf dem Laufenden halten".

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte in Berlin, "Zölle unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit würden den USA und ihren Nato-Verbündeten schaden". Dies ergäbe weder sicherheits- noch wirtschaftspolitisch Sinn. "Diese Zölle zu verhängen wäre absurd."

Kommt ein umfassendes Handelsabkommen?

Für diesen Fall hat die EU-Kommission bereits eine Liste mit US-Produkten fertiggestellt, die ihrerseits mit Einfuhraufschlägen belegt würden. Nach Angaben von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström geht es dabei um ein Handelsvolumen im Wert von 20 Milliarden Euro.

Die EU und die USA wollen ihren Konflikt durch ein umfassendes Handelsabkommen zu Industriegütern lösen. Die EU-Staaten hatten für die Aufnahme von Gesprächen Mitte April grünes Licht gegeben. Frankreich stimmte allerdings dagegen. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire bekräftigte am Donnerstag in Brüssel die französische Position, keine Handelsgespräche mit Ländern zu führen, die das Pariser Klimaabkommen nicht anerkennen. Zudem fürchtet Frankreich, dass Trump auf die Ausweitung des Abkommens auf Agrargüter dringen könnte.

hej/AFP



insgesamt 9 Beiträge
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meihan 17.05.2019
1. Hurra!
Da freut sich die Autoindustrie hierzulande, dass der große Zampano die Entscheidung um 180 Tage hinausgeschoben hat. Schnell in die USA fliegen und ihm die Füße küssen! Anstelle den USA klarzumachen, dass solche Zollerhöhungen inakzeptabel sind, freut man sich wie kleine Kinder hier über solche Entscheidungen und ist noch dankbar. Warum macht man sich in Europa und Deutschland so abhängig von den USA und lässt sich am Gängelband herumführen?!? Allein schon die Aussagen, Kommentare und Drohungen seines "Statthalters" in Berlin sind ein Unverschämtheit! Wacht endlich auf und zeigt klare Kante!
tempus fugit 17.05.2019
2. Warum kommt mir dabei der Gedanke,...
....wer als 'Insider' von den wohl entstandenen Kursverlusten und jetzt der Erholung selbiger profitiert haben könnte? Und so langsam seine Pleiten saniert? Honit soit qui mal y pense...
kenterziege 17.05.2019
3. Die Autos deutscher Marken, der der gemeine....
....US-Bürger fährt, kommen aus Tuscaloosa, Spartanburg oder Chattanooga. Im Zweifel dann noch aus México. Also Zollandrohungen verfehlen ihre Wirkung. Wer allerdings die teuren, hier in Deutschland gebauten Limousinen deutscher Provenienz kauft, ist wenig preissensibel. Einen Porsche kauft man so oder so. Das ärgert den Trump. Die Reichen von der West- und Ostküste wählen die Demokraten und fahren Edelkarossen aus Old-Europe. Dieser Präsident verzockt sich mehr und mehr.
schnabelnase 17.05.2019
4. Ist doch überhaupt nicht wahr.
Zitat von meihanDa freut sich die Autoindustrie hierzulande, dass der große Zampano die Entscheidung um 180 Tage hinausgeschoben hat. Schnell in die USA fliegen und ihm die Füße küssen! Anstelle den USA klarzumachen, dass solche Zollerhöhungen inakzeptabel sind, freut man sich wie kleine Kinder hier über solche Entscheidungen und ist noch dankbar. Warum macht man sich in Europa und Deutschland so abhängig von den USA und lässt sich am Gängelband herumführen?!? Allein schon die Aussagen, Kommentare und Drohungen seines "Statthalters" in Berlin sind ein Unverschämtheit! Wacht endlich auf und zeigt klare Kante!
Niemand küsst ihm die Füße. Es wird ihm immer ganz deutlich mit Vergeltungszöllen gedroht. Auf der der diesbezüglichen EU-Liste steht unter anderem Tesla. Die werden sich freuen. Harley hat ja auch schon sein Fett wegbekommen und verlagert (unter anderem wegen der EU-Zölle) seine Produktion aus den USA in das Ausland, was Trump platzen ließ. Gerade vor kurzem wurde Kritik der USA an den geplanten innereuropäischen Rüstungsplänen laut, wobei es den Amis auch hier wieder nur um den eigenen wirtschaftlichen Vorteil ging, denn die Europäer sollen nicht selbst etwas entwickeln, sondern brav weiter bei Ihnen shoppen gehen. Auch dies wurde aber ganz klar zurückgewiesen. Dieses angeblich existierende vollumfängliche Vasallen- und Duckmäusertum gegenüber den USA ist doch ein Märchen.
s.l.bln 17.05.2019
5. Unfug
Zitat von meihanDa freut sich die Autoindustrie hierzulande, dass der große Zampano die Entscheidung um 180 Tage hinausgeschoben hat. Schnell in die USA fliegen und ihm die Füße küssen! Anstelle den USA klarzumachen, dass solche Zollerhöhungen inakzeptabel sind, freut man sich wie kleine Kinder hier über solche Entscheidungen und ist noch dankbar. Warum macht man sich in Europa und Deutschland so abhängig von den USA und lässt sich am Gängelband herumführen?!? Allein schon die Aussagen, Kommentare und Drohungen seines "Statthalters" in Berlin sind ein Unverschämtheit! Wacht endlich auf und zeigt klare Kante!
Das Rangewanze der deutschen Industrievertreter beim Trip nach Washington war so unnötig wie peinlich, weil Trumps Verhandlungspartner die EU ist, nicht Deutschland und schon gar nicht die deutsche Industrie. Wer Frau Malmström von der EU Kommission aufmerksam zugehört hat, kann nicht zum Schluß kommen, daß exzessive Fussküssereien stattfinden werden. Die hatte schon vor den Strafzöllen gegen Harley unmißverständlich klar gemacht, daß man gezielt reagieren werde, was dann folgerichtig passiert ist. Die Wirkung war deutlicher als erwartet. Man hat bei der EU längst verstanden, daß das der einzige Weg ist, auf Trump zu reagieren, zumal er getroffene Vereinbarung eh wieder löst, sobald ihm danach ist.
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