Trump gegen Boeing Boing!

Boeing soll den neuen Präsidenten-Jumbo Air Force One bauen. Donald Trump poltert via Twitter gegen das Unternehmen, die Aktie stürzt kurzzeitig ab. Die Tirade zeigt, wie dünnhäutig Trump ist.

Donald Trump in seinem Privatflieger
REUTERS

Donald Trump in seinem Privatflieger

Von , New York


Zur Frühstückszeit twitterte Donald Trump los, um 8.52 Uhr schrieb der designierte US-Präsident an seine fast 17 Millionen Follower: "Boeing baut eine brandneue 747 Air Force One für künftige Präsidenten, aber die Kosten sind außer Kontrolle, mehr als vier Milliarden Dollar. Auftrag stornieren!"

Trump liebt es, mit scheinbar wahllosen Tweets für Wirbel zu sorgen. Zuletzt hatte er sich China und die TV-Sendung "Saturday Night Live" vorgeknöpft. Doch Boeing? Den größten Exporteur der USA, zweitgrößten Rüstungskonzern der Welt und Hersteller des berühmten Präsidentenjets?

Tatsächlich arbeitet Boeing im Auftrag des Pentagon an zwei neuen Air-Force-One-Maschinen, um das veraltete Paar zu ersetzen. Das Projekt wurde im vergangenen Jahr abgesegnet. Noch bevor die US-Börse am Dienstag eröffnete, brach die Boeing-Aktie aufgrund des Trump-Tweets um fast zwei Dollar ein, ein zeitweiser Marktwertverlust von 1,2 Milliarden Dollar.

Video: Trump will neue Air Force One abbestellen

Ein weiterer, willkürlicher Querschlag Trumps? Nein: In Wahrheit steckte Kalkül dahinter. Der Boeing-Tweet offenbart Trumps gefährliche Neigung, nicht nur in komplexe Sachverhalte einzugreifen, sondern auf jeden einzuschlagen, von dem er sich düpiert wähnt - ungeachtet jeglicher Folgen.

Denn eigentlich, so stellt sich heraus, begann diese Geschichte noch etwas früher an jenem Morgen: Um 8.30 Uhr US-Ostküstenzeit publizierte die "Chicago Tribune" auf ihrer Website einen Artikel über Boeing - mit leicht Trump-kritischen Worten des Vorstandsvorsitzenden Dennis Muilenburg.

"Eine launische Trump-Regierung", schrieb die Zeitung, "dürfte die Staatskunst des Boeing-Chefs prüfen, vor allem in den Geschäften mit China." China, einer der Top-Kunden Boeings, geriet kürzlich in Trumps Fadenkreuz. Ein Handelskrieg wäre ein Desaster für den Flugzeugbauer.

Der Welthandel bestreite "einen großen, wachsenden Anteil unseres Geschäfts", zitierte die "Tribune" aus einer aktuellen Rede Muilenburgs. Allein 2015 habe man 495 Boeing 737 ins Ausland geliefert, jede dritte davon an China. "Wenn wir nicht führen, wenn es darum geht, diese Regeln zu schreiben, werden unsere Rivalen sie für uns schreiben."

Zweiundzwanzig Minuten später sendete Trump seinen Tweet.

Kurz darauf erschien er in der Lobby des Trump Towers und legte nach: "Wir wollen, dass Boeing viel Geld verdient, aber nicht so viel Geld." Anderswo würde eine solche Äußerung den Ruf "Sozialist!" verursachen.

Der inkriminierte Vertrag beläuft sich sowieso erst mal "nur" auf 170 Millionen Dollar, von denen Boeing bereits 93 Millionen Dollar für die Vorproduktion ausgegeben hat. Insgesamt hat das Pentagon 2,9 Milliarden Dollar veranschlagt. "Verträge können wachsen", rechtfertigte Trumps designierter Vize Mike Pence die übertriebene Zahl auf CNN.

Fest steht: Eine neue Air Force One ist überfällig. Die blau-weiße 747-200B, mit der Barack Obama am Dienstag zu einem Termin nach Florida flog, sowie ihr Back-up wurden von Ronald Reagan bestellt. Die Maschinen erreichen 2017 das Ende ihrer 30-jährigen Lebensdauer. Die neuen sollen frühestens 2023 ausgeliefert werden, also womöglich erst an Trumps Nachfolger.

Das Argument, Trump wolle lieber weiter mit seinem Privatjet fliegen, einer 100 Millionen Dollar teuren Boeing 757 mit 24-Karat-Gold-Armaturen, greift nicht. Der Secret Service dürfte ihm das künftig ohnehin verbieten. Die Air Force One habe schließlich eine "einzigartige technische Ausrüstung", sagte Noch-Regierungssprecher Josh Earnest.

Die schwebende Kommandozentrale besitzt Raketenabwehrsysteme und gesicherte Kommunikationskanäle. Sie kann in der Luft aufgetankt werden und einen Atomkrieg überstehen. Nach den 9/11-Anschlägen flog George W. Bush stundenlang darin herum, bis das Weiße Haus als sicher galt.

Trump und sein Privatjet
AFP

Trump und sein Privatjet

Boeing war konsterniert über den unerwarteten Angriff Trumps. Man werde "die besten Flugzeuge für den Präsidenten zum besten Wert für den US-Steuerzahler liefern", erklärte das Unternehmen nach einer dreistündigen Schreckpause.

Da war Trumps Aufmerksamkeit längst woanders. Nachmittags twitterte er, die japanische Softbank werde - dank ihm, Trump - 50 Milliarden Dollar in den USA investieren. Die Hintergründe verschwieg er: Softbank will damit einen neuen Anlauf auf die Fusion seiner US-Telekom-Tochter Sprint mit T-Mobile machen, die die Obama-Regierung blockiert hatte.

Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

insgesamt 317 Beiträge
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christa.hans 07.12.2016
1. Zu teuer.
Boeing muss vielleicht den Preis etwas nach unter korrigieren, wäre doch sicherlich auch nicht verkehrt. Auf diese Idee würde in Deutschland natürlich keiner kommen. Wir legen eher noch einen Schippe drauf.
kayakclc 07.12.2016
2. Erst denken dann reden
Leider scheint Trump immer noch im Wahlkampfmodus zu sein, wo es galt: erst reden dann denken. Hier stellt sich die Frage, ob Trump überhaupt die Inhalte der Boingverträge kennt und noch schlimmer, die Rahmenbedinungen an die Sicherheitsvorkehrungen für einen Präsidenten einer Atommacht. Selbst wenn die 4Mrd richtig wären, ist die Frage ob das günstig oder teuer ist erst beantwortbar, wenn man eine Vergleichsmassstab hätte, bzw eine Alternative geben kann. 4Mrd auf 20 Jahre sind dann nur noch 200Mil, was ja pro Jahr vertretbare Kosten wären, in Relation zu den sonstigen Aufwendungen angesichts der Terrorgefahren.
deno15 07.12.2016
3. Regierungsaufträge
Was bitte soll falsch daran sein, dass mal jemand guckt warum die Kosten bei Regierungsaufträgen ständi explodieren und sich doch erdreistet Konsequenzen daraus zu ziehen! Das würde uns in DE auch mal ganz gut tun. Als negativ Beispiel sei hier der tolle neue Flughafen in Berlin genannt!
sarkasmis 07.12.2016
4. Endlich mal ein unternehmerisch denkender Präsident!
Andere Präsidenten haben das Geld des Steuerzahlers nur so rausgehauen und jede noch so unverschämte Preiserhöhung der Rüstungsindustrie mitgemacht. Trump ist der erste der dagegen hält und sagt: So nicht! Wir brauchen Politiker und Beamte, die mit Steuergeldern wirtschaftlich umgehen statt einfach immer einen Scheck auszustellen um ein Problem aus dem Weg zu räumen.
heldino 07.12.2016
5. Ist noch mal anderes passiert
Wird jetzt jede Regung von Trump kommentiert. Denn eine Nachricht es das nicht. Ach ja in China ist ein Sack Reis umgefallen
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