Importstreit Deutscher Maschinenbau belächelt Trump-Drohung

Buy American! Donald Trump will den Import aus dem Ausland beschränken. Doch die Drohung ist hohl: Die US-Wirtschaft ist auf fremde Technologie angewiesen - wie Beispiele aus dem deutschen Maschinenbau zeigen.

Vor einigen Jahren wollte Bernd Gulden in den USA richtig Geld ausgeben. Gulden leitet die Geschäftsführung von Feuer Powertrain, einem Hersteller von Kurbelwellen im thüringischen Nordhausen. Seit der Gründung im Jahr 2002 ist die Firma schnell gewachsen und beliefert heute unter anderem die US-Autohersteller General Motors   und Ford  . Seit 2016 hat Feuer deshalb auch ein Werk in Tunica, einem 1000-Seelen-Ort im US-Bundestaat Mississippi.

Spezialdrehmaschinen, Tieflochbohrmachinen, Superfinish-Maschinen: Für solche Anlagen gab Feuer allein 35 von insgesamt 55 Millionen Dollar Investitionssumme in Tunica aus. "Wir haben das Ziel verfolgt, so viele Maschinen wie möglich aus Nordamerika zu kaufen", erzählt Gulden. So habe man Transportkosten und Zölle vermeiden und schneller auf den Kundenservice zurückgreifen wollen. Doch: "Gelungen ist das nicht. Vieles war einfach nicht vorhanden."

Die in den USA angebotene Technik hatte Gulden zufolge einen niedrigeren Standard und war zugleich oft zu teuer. "Am Ende kam alles aus Deutschland", berichtet er. "Nur die Automatisierungstechnologie haben wir in Österreich gekauft."

Guldens Erfahrung illustriert einen der Gründe dafür, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Ende dieser Woche vergleichsweise gelassen zu ihrem Antrittsbesuch bei Donald Trump reisen kann. In seiner ersten Rede als US-Präsident hatte der vollmundig versprochen, seine Regierung werde "zwei simple Regeln befolgen: Kauf amerikanische Produkte, und stelle amerikanische Arbeitskräfte ein".

Doch wie in anderen Bereichen ist die Abhängigkeit der USA vom Ausland auch wirtschaftlich größer, als es Trump lieb sein kann. Nach Jahrzehnten der Globalisierung stellen die USA längst nicht mehr alles selber her, was sie zum Betrieb der eigenen Industrie brauchen. Dazu gehören auch viele Maschinen - eines der wichtigsten deutschen Exportgüter.

Unmittelbar abhängig sind die Amerikaner damit von deutschen Maschinenbauern zwar nicht. Deutsche Hersteller kamen 2015 auf einen Anteil am US-Markt von vier Prozent, was im Vergleich zum Jahr 1995 ein Plus von nur einem Prozentpunkt bedeutet. Im selben Zeitraum ging jedoch der Marktanteil einheimischer Hersteller von 81 auf 63 Prozent zurück.

Statt knapp einem Fünftel kommt nun also gut ein Drittel der Maschinen in den USA aus dem Ausland. Wichtige Lieferanten sind dabei neben Deutschland inzwischen auch China und Mexiko - beides Länder, denen Trump mit einem Handelskrieg gedroht hat.

Die schwindenden Marktanteile sind Symptom einer Deindustrialisierung in den USA , die für Trump Fluch und Segen ist. Einerseits gewann er die Präsidentschaft mithilfe von Stimmen aus dem Rust-Belt - also jenen Regionen, die am meisten unter der Abwanderung von Industrie gelitten haben. Andererseits macht der Mangel an bestimmten Schlüsselstechnologien Trumps Drohung mit einer handelspolitischen Abschottung weniger glaubwürdig.

"Ich kenne kein Land, das so widersprüchlich ist wie die USA", sagt Ulrich Ackermann, der beim Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) die Abteilung für Außenhandel leitet. "Zum Teil ist die Industrie absolut Hightech, zum Teil aber auch wie in den Fünfzigerjahren in Europa." Beim Betrachten von US-Maschinen auf Messen kämen Deutsche ins Staunen. "Die würden hier teilweise aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen."

Nun wäre es auch eher überraschend, wenn deutsche Branchenvertreter die US-Konkurrenz loben. Doch Probleme des produzierenden Gewerbes werden auch in den USA nicht bestritten. Schon nach der vorübergehenden Insolvenz von General Motors im Jahr 2009 wünschte sich Trumps Vorgänger Barack Obama, dass "alle unsere Kinder in einem Amerika aufwachsen können, das noch Dinge herstellt". Wie nun Trump erklärte auch Obama die Reindustrialisierung des Landes zum Ziel - mit mäßigem Erfolg: Noch immer macht die Industrie nur rund 20 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. In Deutschland sind es hingegen 30 und in China sogar 40 Prozent.

Geschäftsaufgabe nach Deutschlandbesuch

VDMA-Experte Ackermann glaubt, dass für mehr Wachstum auch Anreize fehlen. "Amerikaner waren immer getrieben von kurzfristigen Gewinnen", sagt er. Im Maschinenbau aber seien langfristige Investitionen notwendig, viele Unternehmer betrachteten ihn deshalb eher als Hobby. Kürzlich habe eine US-Delegation einen deutschen Hersteller von Getriebemotoren besucht. "Danach hat sich ein Teilnehmer gemeldet und erzählt: Ich habe mein Geschäft verkauft - da hab ich eh keine Chance."

Doch sieht auch Trump ein, dass die heimische Wirschaft nicht überall führend ist und eine Abschottung deshalb schädlich wäre? Seine Klage, die Deutschen würden zu wenige US-Autos kaufen ließ kurz nach Amtsantritt nicht darauf schließen. Nun will Bundeskanzlerin Merkel auch mithilfe deutscher Industrievertreter um Verständnis werben: Die Chefs von Siemens  , BMW   und Schaeffler sollen erläutern, wie viele Jobs und Investitionen sie in den USA sichern.

Falls die Überzeugungsarbeit misslingt, könnte Trump früher oder später tatsächlich Strafzölle auf Autos erheben, die deutsche Hersteller in Mexiko produziert haben. Der Thüringer Kurbelwellenhersteller Gulden würde das rein ideologisch ablehnen. "Generell bin ich der Meinung, dass man den Freihandel stärken sollte", sagt er. Als Unternehmer aber könnte Gulden profitieren. Schließlich steht das neue Werk von Feuer Powertrain in den USA, einer der größten Konkurrenten sitzt dagegen in Mexiko. "Da wären wir jetzt am richtigen Standort."

Zusammengefasst: US-Präsident Donald Trump will die heimische Industrie stärken und hat bei Produktionsverlagerungen mit Strafzöllen gedroht. Doch viele US-Unternehmen hängen von Importen ab. Dazu gehören auch Maschinen aus deutscher Produktion.