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02. Juni 2017, 17:17 Uhr

Klima-Kehrtwende

Warum selbst die Wirtschaft sauer ist auf Trump

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Lange galten wirtschaftliche Interessen als größtes Hindernis beim Klimaschutz. Doch Donald Trumps Abschied vom Pariser Abkommen trifft auch bei US-Konzernen auf breiten Widerstand - aus unterschiedlichen Gründen.

Elon Musk brauchte nicht viel Bedenkzeit. Vier Stunden, nachdem US-Präsident Donald Trump am Donnerstag den Rückzug der USA aus dem Klimaabkommen von Paris angekündigt hatte, verkündete der Tesla-Chef seinen eigenen Rückzug: Er werde nicht länger als Trumps Wirtschaftsberater tätig sein, teilte Musk via Twitter mit, Trumps Entscheidung sei "nicht gut für Amerika oder die Welt".

Es war bei Weitem nicht die einzige Reaktion dieser Art. Noch unmittelbar vor Trumps denkwürdigem Aufritt im Rosengarten des Weißen Hauses hatten zahlreiche US-Konzerne mit Zeitungsanzeigen versucht, den Präsidenten von einem Verbleib im Pariser Abkommen zu überzeugen. Nachdem dies ohne Erfolg blieb, übten viele offene Kritik.

"Die heutige Entscheidung ist ein Rückschlag für die Umwelt und die Führungsposition der USA in der Welt", schrieb etwa Lloyd Blankfein, Chef der Investmentbank Goldman Sachs, auf Twitter. Es war wohlgemerkt derselbe Lloyd Blankfein, der seit der Finanzkrise als Prototyp des skrupellosen Finanzkapitalisten gilt und dessen Bank bislang massiv von Trumps Präsidentschaft profitiert hat.

Auch Disney-Chef Bob Iger legte sein Amt als Wirtschaftsberater nieder. Und eine Gruppe von mehr als 100 Unternehmen unter Führung des früheren New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg kündigte bereits gegenüber der Uno an, sie werde die Ziele von Paris trotz Trumps Entscheidung weiterhin unterstützen.

Der geballte Widerstand mag zunächst überraschen, denn wirtschaftliche Interessen galten lange als größtes Hindernis auf dem Weg zu mehr Klimaschutz. Tatsächlich bedeutet die jetzige Reaktion auch nicht, dass sämtliche US-Konzernzentralen inzwischen mit Ökos besetzt sind. Vielmehr gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Motiven, die auch Unternehmer zu Gegnern von Trumps Klima-Kehrtwende machen.

1. Geschäftsinteressen

Elon Musk mag ein überzeugter Klimaschützer sein, er ist aber auch Produzent von Elektroautos. Als solcher hat er Interesse an einer US-Politik, welche die Reduzierung von CO2-Emissionen unterstützt.

Ähnlich ist es mit den Erneuerbaren Energien. Solar- und Windbranche beschäftigen in den USA nach Zahlen des Energieministeriums inzwischen zusammen rund 475.000 Menschen und damit deutlich mehr als die fossilen Energien, die auf 187.000 Mitarbeiter kommen.

In den vergangenen Jahrzehnten jedoch haben Öl-, Kohle- und Gaskonzerne Milliarden gescheffelt, die sie bis heute erfolgreich für Lobbyarbeit einsetzen. Laut Zahlen des Center for Responsive Politics flossen aus der Branche allein seit 2012 Wahlkampfspenden von rund 10 Millionen Dollar an 22 republikanische Senatoren. Kein Wunder, dass diese kürzlich in einem Brief an Trump schrieben: "Wir ermutigen Sie vehement zu einem klaren Bruch mit dem Pariser Abkommen."

2. Planbarkeit

Selbst in der Ölindustrie gibt es jedoch Widerstand gegen Trumps Klimapolitik. Die Konzerne Chevron , Exxon Mobil und ConocoPhillips sprachen sich alle für einen Verbleib im Pariser Abkommen aus. Regierungsintern gehörte der frühere Exxon-Chef und heutige Außenminister Rex Tillerson zu den Befürwortern des Abkommens.

"Es gibt den USA die Möglichkeit, an künftigen Klimaverhandlungen teilzunehmen", begründete ein Sprecher von ConocoPhillips die Haltung. Der heutige Exxon-Chef Darren Woods argumentierte unter anderem, das Pariser Abkommen schaffe Anreize zur Entwicklung von emissionsarmen Kraftstoffen - einem Bereich, in dessen Erforschung Exxon bereits rund sieben Milliarden Dollar investiert habe. Und Bob Dudley, Chef des Ölkonzerns BP, warnte auf Bloomberg TV, bei einem Ausstieg der USA müsse "sehr klar" sein, was an die Stelle der bisherigen Regeln trete.

Diese Klarheit aber gibt es nicht - schon weil andere Länder die von Trump geforderte Neuverhandlung des Abkommens ablehnen. Dies erzeugt für die Ölkonzerne etwas, das sie noch mehr fürchten als den Druck durch Umweltschützer - einen Mangel an Planungssicherheit.

3. Angst ums Image

Micky Mouse, Spider-Man oder Nemo lassen sich ziemlich emissionsarm animieren. Warum also protestiert selbst Disney-Chef Bob Iger so offen gegen Trumps Entscheidung? Eine Antwort darauf gab 2013 der Finanzchef des Konzerns: "Wenn wir nicht im Einklang mit den Geschichten handeln, die wir erzählen, den Erlebnissen, die wir anbieten und den Bildern, die wir schaffen, verlieren wir unsere Authentizität", sagte Jay Rasulo. "Verantwortlich zu handeln, ist einer unserer Markenkerne."

Disney hat sich bereits 2009 ökologische Ziele gesetzt, zu denen unter anderem eine 50-prozentige Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2020 gehört. Ähnliche Bekenntnisse gehören unter dem Schlagwort "Corporate Social Responsibility" ("Unternehmerische Sozialverantwortung") inzwischen bei vielen Unternehmen zur Imagepflege. Mit Trumps Entscheidung müssen sie als US-Unternehmen also auch um die eigene Glaubwürdigkeit bangen.

4. Sorge vor Vergeltung

"Wir agieren in einer globalen Wirtschaft", sagte der Umweltchef des Chip-Herstellers Intel , Stephen Harper, mit Blick auf Trumps Entscheidung. "Und wenn wir nicht Teil des globalen Klimaabkommens sind, werden wir anfällig für Vergeltung durch Grenzabgaben und anderes."

Erste Rufe nach solchen Gegenmaßnahmen wurden bereits in mehreren Ländern laut. "Wenn Trump die US-Wirtschaft mit Öko-Dumping ankurbeln will, dann sind CO2-Strafzölle auf US-Produkte die richtige Antwort", schrieb etwa der Berliner Staatssekretär für Arbeit und Soziales, Alexander Fischer (Linke), auf Twitter.

Rechtfertigen ließe sich ein solcher Schritt auch damit, dass Trump selbst ausländischen Unternehmen mit hohen Strafzöllen gedroht hat. Der US-Präsident begründet dies mit der angeblichen Übervorteilung seines Landes durch Handelspartner. Mit dem Ausstieg aus dem Pariser Abkommen aber verschaffen sich die USA selbst einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil, weil ihre Industrie nicht mehr an Klimaschutzauflagen gebunden ist.

5. Druck der Aktionäre

Die Ideologie des Shareholder Value, also einer Gewinnmaximierung im Sinne der Aktionäre, galt lange als das Gegenteil einer ökologischen Unternehmensführung. Mittlerweile aber haben viele Klimaschützer die Investoren als Verbündete entdeckt: Die sogenannte Divestment-Bewegung argumentiert, dass klimaschädliche Technologien keine Zukunft haben - und ein Umsteuern deshalb auch im Interesse der Anteilseigner ist.

Dieses Argument scheint zunehmend zu verfangen - auch beim weltgrößten Ölkonzern Exxon Mobil, der sich nun so klar gegen Trumps Klimawende stellte. Erst am Mittwoch billigten 62 Prozent der Exxon-Aktionäre auf der Jahreshauptversammlung überraschend einen Antrag, wonach das Unternehmen mit einem jährlichen "Stresstest" die Folgen des Klimawandels für die eigenen Geschäfte dokumentieren muss.

Im Vorjahr hatte derselbe Antrag noch lediglich 38 Prozent Zustimmung bekommen, die Unternehmensführung wollte ihn auch in diesem Jahr ablehnen. Angeführt wurde die Initiative von mehreren Pensionsfonds, unter anderem von der Church of England. Deren Vertreter Edward Mason stellte den Antrag auch als Signal in Richtung des US-Präsidenten dar: "Trump handelt gegen die Interessen der Wall Street und der weltweit größten Investoren."

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