Maues Konsumklima DPD rechnet mit deutlich weniger Paketsendungen

In der Hochphase der Pandemie brummte das Onlinegeschäft – und bescherte auch den Paketdiensten reichlich Aufträge. Nun aber machen sich Inflation und Rezessionsangst bemerkbar. Das zeigt das Beispiel DPD.
DPD-Container in Brüssel

DPD-Container in Brüssel

Foto: JASPER JACOBS / AFP

Angesichts der hohen Inflation und der drohenden Rezession rechnet der Paketdienst DPD in diesem Jahr in Deutschland mit einem rückläufigen Geschäft. Das Sendungsvolumen werde deutlich niedriger sein als 2021, das Minus werde wohl eine hohe einstellige Prozentzahl betragen, sagte der Chef von DPD Deutschland, Eric Malitzke, der Nachrichtenagentur dpa. 2021 hatte DPD hierzulande rund 450 Millionen Sendungen befördert.

»Die Menschen sind verunsichert und verzichten im Zweifel lieber auf Ausgaben für Dinge abseits des täglichen Bedarfs, ob Elektronik oder Textilien.« Dadurch verschickten Händler und Hersteller weniger Ware an Geschäfte und Haushalte. »Das wird ein sehr herausforderndes Jahr für uns«, sagt der Unternehmenschef.

DPD ist einer der größeren Konkurrenten des Marktführers Deutsche Post DHL, weitere Wettbewerber sind Hermes, GLS und UPS. Wie die ganze Branche erlebte die Firma, deren europäische Holding DPD Group der französischen Post gehört, in Coronazeiten einen Boom, das Paketvolumen zog stark an. Das lag auch daran, dass die Menschen seltener zum Shoppen in die Innenstadt gingen.

Preise werden erneut steigen

»Das waren auch für uns wirtschaftliche Ausnahmezeiten, die inzwischen vorbei sind«, sagt Malitzke. Wegen hoher Energiekosten und wegen des Ukrainekrieges hätten die Menschen nun große Sorgen. »Das Konsumklima ist schlechter als beim Ausbruch der Pandemie, das bekommen auch wir zu spüren.«

Im vergangenen Jahr machte DPD Deutschland eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro. Wegen inflationsbedingter Preisanpassungen werde dieser Wert 2022 nur geringfügig sinken, sagt der Manager. »Wir haben die Preise bereits erhöht und werden auch im kommenden Jahr nicht herumkommen, sie trotz aller Anstrengungen nochmal anzupassen: Es lässt sich nicht vermeiden, dass wir einen Teil der Kostensteigerungen für Energie, Kraftstoffe, Löhne und Gehälter weitergeben.«

Teile des Geschäfts sollen auf die Schiene wandern

Auf längere Sicht rechnet Malitzke wieder mit anziehendem Geschäft. Dabei sei es nötig, die Nachhaltigkeit voranzubringen. Als Beispiel hierfür nannte der Manager den Pakettransport über die Schiene, den DPD in diesem Jahr für einen kleinen Teil seiner Sendungen begonnen hat und künftig ausbauen will.

DPD hat in Deutschland nach eigenen Angaben rund 9500 Festangestellte in der Verwaltung und in den Paketzentren sowie 900 »Systempartner« – also Subunternehmer, die im Auftrag von DPD unterwegs sind und deren Fahrer Pakete ausliefern.

Das Kürzel DPD stand ursprünglich für Deutscher Paketdienst. Nach dem Einstieg der französischen Post wurde die Bedeutung des Kürzels auf »Dynamic Parcel Distribution« geändert.

jok/dpa

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