Aufkauf von Staatsanleihen Anleger bejubeln Draghis Euro-Versprechen

Es war das Signal, auf das die Anleger lange gewartet haben. Die Europäische Zentralbank wolle "alles Erforderliche tun, um den Euro zu erhalten", verspricht ihr Chef Mario Draghi. Im Klartext heißt das: Die Notenbank will Staatsanleihen pleitebedrohter Länder aufkaufen.
EZB-Chef Draghi: "Das fällt in unser Mandat"

EZB-Chef Draghi: "Das fällt in unser Mandat"

Foto: Arne Dedert/ dpa

London - An den Finanzmärkten wächst die Hoffnung auf eine Lösung der Euro-Krise. Ausgerechnet die Europäische Zentralbank (EZB), die sich bisher stets gegen die Rolle des Euro-Retters gesträubt hat, soll nun alles wieder in Ordnung bringen. In ganz Europa schossen die Aktienkurse am Donnerstag nach oben.

Auslöser für die Euphorie sind drei kleine Sätze des Notenbankpräsidenten Mario Draghi: "Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten", sagte Draghi am Donnerstag auf einer Investorenkonferenz in London. "Und glauben Sie mir, das wird ausreichen." Sollten hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen von Krisenländern die Wirkung der Geldpolitik stören, "fällt das in unser Mandat".

Anleger deuten das als Signal dafür, dass die EZB nun wieder Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft und so deren extrem hohe Zinskosten drückt. Der europäische Aktienindex Euro Stoxx 50   drehte unmittelbar nach den Aussagen ins Plus und schloss vier Prozent höher als am Vortag. Der deutsche Leitindex Dax   stieg um 2,8 Prozent auf 6582 Punkte und auch der amerikanische Dow Jones startete mit einem Plus von 1,7 Prozent.

Besonders stark profitierten Bankaktien. Der Kurs der Deutschen-Bank-Papiere legte um fünf Prozent zu. Für italienische und französische Banken ging es teilweise um mehr als acht Prozent nach oben. Die spanische Banco Santander gewann sogar mehr als zehn Prozent. Auch der Kurs des Euro   stieg kräftig - innerhalb einer Stunde gewann er im Vergleich zum Dollar mehr als 1,5 Cent an Wert.

Am Anleihenmarkt sorgten Draghis Aussagen für Entspannung. Die Zinsen spanischer Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit sanken erstmals seit einer Woche wieder unter die kritische Marke von sieben Prozent.

Frankreich freut sich, Belgien will noch mehr

"Das ist ein hoffnungsvolles Zeichen, dass die EZB ihr Zögern und damit die Marktpanik beendet", kommentiere Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank Draghis Aussagen. Sollte die Notenbank wieder Anleihen aufkaufen, könne dies Krisenländern wie Spanien und Italien Zeit bringen, die geplanten Reformen umzusetzen.

Auch der französische Finanzminister Pierre Moscovici schloss sich dem Jubel an. Er bezeichnete Draghis Äußerungen als "sehr positiv". In Deutschland dürfte der Vorstoß des italienischen EZB-Chefs dagegen kritischer bewertet werden. Vor allem Bundesbankpräsident Jens Weidmann gilt als entschiedener Gegner der Anleihenkäufe. Im EZB-Rat ist er mit dieser Position allerdings in der Minderheit.

Nach den Statuten der EZB ist der Notenbank die direkte Staatsfinanzierung verboten. Bisher hat sie dieses Verbot umgangen, indem sie indirekt Anleihen am Markt aufgekauft hat. Insgesamt hat sie so bereits Staatsschulden im Volumen von mehr als 200 Milliarden Euro in ihrer Bilanz gesammelt. Doch auch diese Maßnahmen sind höchst umstritten. Kritiker monieren, die EZB gefährde dadurch ihre Unabhängigkeit und riskiere eine höhere Inflation.

Seit mehreren Wochen hat die Notenbank deshalb keine neuen Anleihen mehr gekauft. Laut dem Chef der niederländischen Zentralbank, Klaas Knot, befindet sich das Kaufprogramm "im Tiefschlaf und wird es auch bleiben".

Andere Staaten dringen dagegen auf ultimative Hilfen der Notenbank und wollen deren Mandat ausweiten. Wie die "Financial Times" berichtet, soll der belgische Außenminister Didier Reynders angeregt haben, die EZB solle direkt Geld an Staaten vergeben. "Wenn es für die EZB möglich ist, Banken zu einem Zinssatz von einem Prozent zu finanzieren - warum sollte das nicht auch für Investitionen und einige Staaten gelten?", habe Reynders in einem Interview mit einer kleinen Gruppe von Journalisten gesagt. Das hohe Zinsniveau sei für die Euro-Krisenstaaten nicht durchzuhalten, kurzfristig könne nur die EZB helfen.

stk/Reuters/dpa
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